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Phänomen Wetterfühligkeit – was steckt dahinter?

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Psychologischer Effekt?

Als Ursache dafür diskutieren Wissenschaftler vor allem zwei Faktoren: Schwankungen des Luftdrucks und die sogenannten "Sferics", kurze elektromagnetische Impulse in der Atmosphäre, die den Körper belasten sollen. Der Theorie zufolge ist der Organismus mit solchen raschen Veränderungen überfordert und kann sich nicht schnell genug anpassen. Der Haken an der Sache: Eine kausale Verbindung zwischen diesen meteorologischen Prozessen und bestimmten gesundheitlichen Symptomen lässt sich bislang trotz zahlreicher Untersuchungen nicht belegen.

Eine alternative Erklärung für das rätselhafte Phänomen könnte eine psychologische sein: Schlechtes Wetter schlägt bekanntermaßen nicht nur auf die Stimmung, es könnte darüber hinaus ein ausgezeichneter Sündenbock sein. Wer sich nicht gut fühlt, macht demnach schnell mal das Wetter für die Beschwerden verantwortlich und spart sich so die Auseinandersetzung mit dem eigentlichen Grund für die Unpässlichkeit – etwa die Flasche Wein am Vorabend, die kurze Nacht oder der Stress im Job.

Anpassungsfähigkeit trainieren

Ob es zwischen dem Wetter und der Gesundheit objektiv betrachtet tatsächlich ursächliche Zusammenhänge gibt, ist in vielen Fällen nach wie vor unklar. Sicher ist jedoch: "Wetterwechsel an sich machen nicht krank", sagt der Deutsche Wetterdienst. Höchstens für Menschen, deren körpereigene Regulationsfähigkeit ohnehin eingeschränkt sei, könnten meteorologische Umschwünge unter Umständen problematisch werden – sei es, weil sie eine Vorerkrankung haben oder einfach nur etwas niedrigen Blutdruck.

Zum Glück lässt sich die Anpassungsfähigkeit des eigenen Körpers gut trainieren. Das lohnt sich ganz unabhängig von der Frage, ob das Phänomen Wetterfühligkeit nun größtenteils ein Mythos ist oder nicht. Bei täglichen Spaziergängen bei Wind und Wetter lernt der Organismus, sich an Temperaturveränderungen anzupassen – eine Fähigkeit, die in Zeiten von Klimaanlage und Heizung immer seltener trainiert wird.

Auch Kneipp-Anwendungen, Wechselduschen oder Saunagänge können die Regulationsfähigkeit fördern und bringen den Kreislauf in Schwung. Chronisch kranke und ältere Patienten sollten jedoch vorsichtig sein. Sie fragen am besten ihren Hausarzt, was sie ohne Probleme tun können.

Sport gegen Gereiztheit

Wer bei schlechtem Wetter hingegen mehr mit mieser Laune und Gereiztheit als mit körperlichen Symptomen zu kämpfen hat, kann mit Entspannungsmethoden wie Yoga oder Ausdauersport entgegensteuern. Zahlreiche Studien belegen, dass die körperliche Betätigung stimmungsaufhellend wirkt und ausgeglichener macht. Auch angenehme Dinge wie ein Treffen mit Freunden können die Stimmung heben – und das Wetter vergessen machen.

DAL, 26.09.2016
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