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Polen

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Zur Niederlage des Kommunismus trug jedoch nicht allein der historisch gewachsene Widerstandswille des polnischen Volkes bei. Polen war und ist ein katholisches Land und daher kein günstiges Terrain für eine atheistische sozialistische Gesellschaft. Mehr als 90% seiner über 38 Millionen Einwohner sind katholisch getauft. Seit über 1000 Jahren bekennen sich die Polen zum katholischen Glauben. Sie selbst sahen sich stets als Bollwerk des christlichen Abendlandes gegen heidnische Eroberer wie Mongolen und Türken. Gleichzeitig waren sie der Fels des Katholizismus zwischen dem orthodoxen Russland und dem "ketzerisch" protestantischen Preußen. In den Jahren 1795-1918, als der polnische Staat aufgelöst war, lebte die Mehrheit der Polen im orthodoxen Russland bzw. im protestantischen Preußen und sah sich einem permanenten Druck der Russifizierung bzw. Germanisierung ausgesetzt. Weder in Preußen noch im zaristischen Russland duldete man Volks- und Oberschulen oder gar Hochschulen mit Polnisch als Unterrichtssprache. Das nationale Bindeglied war das gemeinsame Bekenntnis zur katholischen Religion sowie die gemeinsame Sprache. Neben literarischen Werken halfen auch Gesang- und Gebetbücher die polnische Sprache zu bewahren. Die katholische Kirche wurde zur nationalen Sammlungsbewegung und zum Symbol des Polentums. Daher ist es gerechtfertigt, zu sagen: "Pole" gleich "Katholik".

Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg teilte der Klerus die Leiden des Volkes. Ein großer Teil der katholischen Geistlichen in Polen starb in Gefängnissen und Konzentrationslagern. Im Zeichen des Stalinismus zu Beginn der 1950er Jahre tobte ein Kirchenkampf in Polen. Kardinal Wyszynski wurde eingekerkert, konnte jedoch 1956 im Triumphzug nach Warschau zurückkehren. Trotz der Liberalisierung in den folgenden Jahrzehnten blieb der sonntägliche Gang zur Kirche ein Zeichen des inneren Widerstands gegen den zwangsweise verordneten Kommunismus und ein Bekenntnis zum Polentum.

Polen ist bereits seit undenklichen Zeiten ein Land der Marienfrömmigkeit. Die berühmte Schwarze Madonna von Tschenstochau wurde im Jahre 1656 durch königlichen Beschluss zur "Königin der Krone Polens" erhoben. Nach allgemeiner Überzeugung hatte sie ein Wunder getan und dem Land in aussichtsloser Lage einen Sieg gegen die Schweden geschenkt. Sie gilt noch heute als Schutzpatronin Polens.

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