21.05.2015
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Schuldnerberatung - Hilfe zur Selbsthilfe

Der Druck auf Schuldner ist groß. Oft leidet die gesamte Familie unter der Last des Schuldenberges. Doch wäre es falsch, die Mahnungen einfach zur Seite zu legen und zu resignieren - Schuldner müssen handeln. Suchen Sie Rat und Unterstützung bei einer Schuldnerberatungsstelle. Diese helfen auch bei ausweglos erscheinenden Situationen weiter und weisen Ihnen den Weg aus der Schuldenfalle. Diese Organisationen gibt es seit Anfang der 80er Jahre. Geboten wird neben einer Beratung auch eine begleitende Unterstützung bei finanziellen Problemen. In Deutschland stehen in über 1100 Stellen Experten mit Rat und Tat zur Seite. Die Beratung ist natürlich kostenlos!

Das Recht auf Beratung

Nach dem Bundessozialhilfegesetz (BSHG § 17) sind die Kommunen verpflichtet, Schuldnerberatungsstellen einzurichten. Das Recht auf Beratung hat jeder private Haushalt, der hilfebedürftig ist. Auch die Sozialämter können überschuldete Menschen an eine Schuldnerberatungsstelle vermitteln. Die Mitarbeiter sind professionell ausgebildet und stehen dem Betroffenen sowohl bei fachlichen wie auch psychischen Problemen zur Seite. Gemeinsam mit dem Klienten wird versucht die finanzielle Situation in den Griff zu bekommen. Zudem sprechen die Berater bei den jeweiligen Kreditinstituten und Inkassobüros vor und versuchen Lösungen für das Problem zu finden. Außerdem helfen sie dem in Not Geratenen die Ursachen der Überschuldung zu erkennen und sein Verhalten zu ändern. Je früher eine Beratungsstelle aufgesucht wird, desto besser stehen die Chancen auf ein schuldenfreies Leben. Denn gerade bei finanziellen Problemen läuft die Zeit gegen den Betroffenen. Mahngebühren und Zinsen lassen die Schulden schnell zu enormen Summen anwachsen, die kaum mehr zu bewältigen sind. Arbeitslose haben zudem die Möglichkeit, eine Schuldnerberatung bei der Arbeitsagentur aufzusuchen. Denn Überschuldung kann sich bei der Jobsuche als Hemmschuh erweisen und der Vermittler kann, wenn er Kenntnis davon hat, entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten. Die Angaben bei der Agentur für Arbeit werden natürlich vertraulich behandelt!

Ablauf der Schuldnerberatung

“Über Geld redet man nicht“ - der alten Volksweisheit sollte man gerade bei Überschuldung keinen Glauben schenken. Eine erfolgreiche Beratung ist nur möglich, wenn der Schuldner dem Berater vertraut und alles offen legt. Der Abbau des Schuldenberges erfolgt schrittweise. Der Betroffene sollte Geduld, Vertrauen, Eigenengagement sowie Durchhaltevermögen mitbringen, denn einfache Patentlösungen haben auch die Beratungsstellen nicht zu bieten. Folgende Vorgangsweise ist üblich:

  • Die erste Kontaktaufnahme geschieht meist telefonisch. Sie bekommen einen Beratungstermin, bei dem Sie Ihr Problem darlegen können.
  • Vor dem Termin ordnen Sie Ihre Finanzen. Machen Sie einen privaten Kassensturz, wenn Sie sich dazu in der Lage sehen.
  • Bringen Sie zum Beratungstermin alle wichtigen Unterlagen wie Rechnungen, Kreditverträge und Mahnungen mit. Gemeinsam mit dem Schuldenberater wird Ordnung in Ihre Finanzen gebracht und zudem überprüft der Experte, ob Sie alle möglichen Sozialleistungen wie Kindergeld, Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe ausgeschöpft haben. Auch die Forderungen der Gläubiger nimmt der Berater genauestens unter die Lupe und untersucht, ob diese überhaupt rechtens sind. Sind die Verträge sittenwidrig, werden entsprechende rechtliche Maßnahmen gegen die Gläubiger ergriffen. Der Schuldenberater kann auch einen Aufschub bei einer Zwangsvollstreckung oder Zwangsräumung erwirken. Der Gang zur Beratungsstelle lohnt also in jedem Fall!
  • Vergessen Sie nicht, dass der Berater Sie nur in Ihren Bestrebungen unterstützen kann, doch es braucht Ihren aktiven Einsatz, ansonsten wird das Unterfangen scheitern!
  • Der Abbau von Schulden ist eine Sache von Monaten oder gar Jahren. Laut Schuldnerberatungsstellen werden 40 bis 50 Prozent der Klienten länger als ein Jahr betreut. Bei jedem vierten Fall dauert die Betreuung länger als drei Jahre. Der Berater steht Ihnen dabei zur Seite und hilft Ihnen, auch in schwierigen Momenten bei der Stange zu bleiben und das Problem konstruktiv anzugehen.

Das Verbraucherinsolvenzverfahren

Seit 1999 haben auch private Haushalte die Chance auf ein schuldenfreies Leben. Konnten sich früher nur Unternehmen durch Insolvenzantrag oder Konkurs vom drückenden Schuldenberg befreien, so können heute auch private Schuldner diese Möglichkeit nutzen. Bei Zwangsvollstreckungen, die Gläubiger früher bis zu 30 Jahre betreiben konnten, hat die neue Insolvenzordnung (InsO) ebenfalls grundlegende Änderungen gebracht: Für Überschuldete ist ein wirtschaftlicher Neuanfang nach der Restschuldbefreiung möglich. Doch dafür müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

Außergerichtliche Einigung

Bevor man den Weg vor den Kadi antritt, sollten Schuldner versuchen sich mit dem Gläubiger gütlich zu einigen und einen Weg des Forderungsausgleiches zu finden. Der Schuldner sollte dabei auf die Unterstützung einer Schuldnerberatungsstelle oder eines Rechtsanwaltes beziehungsweise Notars nicht verzichten. Scheitert der Versuch einer gütlichen Einigung wird dies von der anerkannten Beratungsstelle formell bestätigt. Ansonsten wird ein Entschuldungsplan erarbeitet, der sowohl für den Gläubiger als auch für den Schuldner akzeptabel ist. Der Schuldner hat dabei auch die Gelegenheit seinem Gläubiger darzulegen, warum er seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann und wie er sich eine Lösung des Problems vorstellt. Der Gläubiger kann um eine Stundung der Schulden gebeten werden, aber auch um eine Senkung der Verzugszinsen - sogar der Verzicht auf Zinszahlungen ist möglich. Auch ein Teilerlass der Schulden ist eine Variante. Im Grunde können nur beide Parteien gewinnen. Der Schuldner kann sich aus der Misere befreien und für den Gläubiger stehen die Chancen gut, zumindest einen Teil seiner Forderungen zu erhalten. Denn was hilft dem Gläubiger ein Zwangsvollstreckungsbescheid der 30 Jahre gültig ist, wenn der Schuldner nie aus dem Pfändungsfreibetrag herauskommt, beziehungsweise nur mehr von der Sozialhilfe lebt.

Gerichtlicher Einigungsversuch

Können sich die beiden Parteien nicht außergerichtlich einigen, kann der Schuldner beim Amtsgericht einen Antrag auf Eröffnung des gerichtlichen Insolvenzverfahrens stellen. Ist der Schuldner unfähig die Prozesskosten zu tragen, kann er die Gewährung von Prozesskostenhilfe beantragen. Das Gericht versucht nun auf Basis des bereits erarbeiteten Schuldenbereinigungsplans und den Ergebnissen des außergerichtlichen Einigungsversuches erneut eine Übereinkunft zwischen den beiden Parteien herbeizuführen. Wird der neue Schuldenbereinigungsplan vom Gläubiger akzeptiert, ergeht ein Gerichtsbeschluss an den sich der Schuldner zu halten hat. Erfüllt der Schuldner die im Beschluss festgelegten Verbindlichkeiten nicht, können die Gläubiger die Vollstreckung beantragen.

Gerichtliches Insolvenzverfahren

Kommt auch vor Gericht keine Einigung zu Stande wird das Insolvenzverfahren eröffnet. Sind nur wenige Gläubiger involviert und ist das Vermögen überschaubar, kann das Gericht das Verfahren auch schriftlich durchführen. Das Gericht bestimmt einen Treuhänder mit der Insolvenzverwaltung. Zudem prüft der Richter auch, ob Gründe gegen eine spätere Restschuldbefreiung des Schuldners nach der so genannten Wohlverhaltensperiode vorliegen. Gegen eine Restschuldbefreiung des Schuldners sprechen:

  • falsche Angaben des Schuldners über seine wirtschaftlichen Verhältnisse
  • Verletzung der Auskunfts- und Mitwirkungspflicht des Schuldners während des Verfahrens
  • die rechtskräftige Verurteilung des Schuldners wegen einer Insolvenzstraftat

Nach Beendigung des Verfahrens wird für den Überschuldeten ein Treuhänder bestimmt. An diesen fließt während der meist sieben Jahre dauernden Wohlverhaltensperiode der pfändbare Anteil des Einkommens. Der Treuhänder verteilt diesen Betrag an die einzelnen Gläubiger.

Wohlverhaltensperiode - der wirtschaftliche Neuanfang

Hat der Schuldner alle gerichtlichen Auflagen während der Wohlverhaltensperiode erfüllt, kann er die Restschuldbefreiung beantragen. Sollten noch Forderungen bestehen, verlieren die Gläubiger ihren Anspruch darauf. Nun ist der Zeitpunkt gekommen: Der Schuldenberg ist erklommen! Das Konto steht auf Null. Der Gesetzgeber hat dem redlichen Schuldner auch Motivationspunkte in das Verfahren eingebaut. Hält der Schuldner fünf Jahre durch erhält er zusätzlich 10 Prozent zum pfändbaren Teil seines Einkommens, im sechsten Jahr 15 Prozent und im siebten Jahr 20 Prozent.

Kontakt

Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung e.V.

Wilhelmstr. 11
34117 Kassel
www.bag-schuldnerberatung.de

Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.

Markgrafenstr. 66
10969 Berlin
www.vzbv.de

Stephan Scoppetta