01.06.2015
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wissen.de Artikel

Ungewollte Einwahl über 0190-Dialer

Verbraucherrecht A-Z – Telekommunikation

Rechtsgrundlagen: Telekommunikationsgesetz (TKG), Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG)

Verbraucherrechte

So genannte 0190-Dialer haben in der Vergangenheit viele Verbraucher verärgert. Diese Einwahlprogramme bauen eine Internetverbindung über eine kostenpflichtige 0190-Nummer auf. Ursprünglich als einfaches Abrechnungsverfahren für Dienstleistungen via Telefon, Fax oder Internet gedacht, häuften sich die Fälle, in denen unseriöse Anbieter Dialer einsetzten, die horrende Gebühren für die Einwahl oder Verbindung berechneten: Ende Februar 2002 berichteten die Medien über einen Dialer, der sich mit 900 Euro pro Einwahl auf der Rechnung bemerkbar machte.

Als Reaktion auf solche Fälle wurde im August 2003 das Gesetz gegen den Missbrauch von 0190- und 0900-Nummern verabschiedet, das die Rechte der Verbraucher stärkt. Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post erteilt seitdem innerhalb von zehn Tagen Auskunft, wer über eine bestimmte Rufnummer Dienstleistungen anbietet. Besonders wichtig für die Verbraucher: Die Gebühren für 0190- und 0900-Rufnummern wurden auf 30 Euro pro Einwahl sowie zwei Euro pro Minute begrenzt.

Hält sich ein Betreiber nicht an diese Regeln, muss er mit Geldbußen bis zu 100.000 Euro rechnen. Und: Wird eine Nummer rechtswidrig genutzt, kann die Regulierungsbehörde sie abklemmen.

Verbraucher-Tipps

Computer-Nutzer können einige Maßnahmen ergreifen, um sich vor 0190-Dialer zu hüten. Den besten Schutz bietet eine Sperrung von 0190-Nummern, doch dann sind auch seriöse Angebote nicht mehr zu nutzen. Alternativ können Sie bei Ihrem Telefonunternehmen ein Gebührenlimit bestimmen, das nicht überschritten werden darf. Ein Einzelverbindungsnachweis empfiehlt sich in jedem Fall.

Ein Einfallstor für Dialer sind bestimmte Einstellungen in den Web-Browsern. Sind sie deaktiviert, ist schon einiges gewonnen. So sollten Sie im Internet Explorer die “ActiveX-Steuerelemente deaktivieren oder die Eingabeaufforderung einstellen (zu finden unter: Extras > Internetoptionen > Sicherheit > Stufe anpassen). So verhindern Sie, dass sich ein Dialer automatisch installiert. Ebenfalls sollte der automatische Datei-Download deaktiviert sein (Einstellungen siehe oben). Auch das von vielen Browsern unterstützte “JavaScript ist bedenklich. Wenn Sie diese Elemente deaktivieren, können manche Webseiten falsch oder gar nicht angezeigt werden. Haben Sie jedoch “Eingabeaufforderung angeklickt, können Sie selbst bestimmen, in welchen Fällen Sie ActiveX und JavaScript ausführen lassen. Eine weitere Hilfe sind die im Internet angebotenen Schutzprogramme, die Verbindungen zu 0190-Nummern unterbrechen oder Sie auf diese hinweisen (siehe die Link-Tipps unten).

Ihre Passwörter für die Einwahl ins Internet sollten Sie grundsätzlich nicht speichern, sondern bei jedem Verbindungsaufbau manuell eingeben. Dadurch haben Sie eine bessere Kontrolle über die Nummer der Einwahl. Besondere Vorsicht ist auch bei E-Mails geboten: Unbekannte Mails besonders solche mit amourös klingenden Betreffzeilen sollten Sie nicht herunterladen oder öffnen.

Hat sich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ein Dialer auf Ihrem PC eingenistet, dann unterbrechen Sie sofort die Verbindung (notfalls, indem Sie den Stecker ziehen, um die Verbindung zwischen PC und Telefon zu kappen). Vorsicht ist geboten beim Löschen der Programme: Dies erfordert einige Sachkenntnis, zumal kann es wichtig sein, alle Beweise zu sichern. In diesem Fall nehmen Sie am besten Kontakt mit der nächsten Verbraucherberatungsstelle auf.

Marc Fritzler