21.05.2015
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Zahnbürsten - eine gesunde Erfindung

1498 kam sie aus China zu uns. Ihr Gebrauch verbreitete sich jedoch erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Heute besitzen 95 Prozent der Deutschen eine Zahnbürste. Doch zwei Drittel der Bundesbürger haben nach Ansicht von Fachleuten nicht die richtige Putztechnik.

Vom Kauhölzchen zur Hochfrequenzmaschine

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Moderne Zahnbürsten haben keine Gemeinsamkeiten mehr mit Kauhölzchen.

Bevor die Zahnbürste in aller Munde war, betrieben unsere Vorfahren Zahnhygiene mit Utensilien wie Kauhölzchen, zerfaserten Ästen oder pinselartigen Gebilden. Knochenfunde aus Tansania zeigen, dass schon der Homo habilis vor 1,8 Millionen Jahren sein Gebiss mit Zahnstochern säuberte.

Die ersten Exemplare waren aus "Bein und eingezochenem Bock- und Rosshaar". 1938 begann in den USA die Ära der Nylonborste. Heute entwickeln Zahnlabore immer leistungsfähigere Modelle - vom V-förmigen Softkopf bis zum Hochfrequenz-Elektrogerät mit 40 000 Oszillationen pro Minute.

Duftendes Gebet

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Früh übt sich, wer später ein strahlendes Lächeln haben will.

Der Begründer des Islam, Mohammed (570 - 632 n. Chr.), verkündete: "Ihr sollt euren Mund reinigen, denn dies ist der Weg für die Lobpreisung Gottes". Ein Gebet nach Gebrauch des Miswaks - so hießen die duftenden Hölzchen des sogenannten Zahnbürstenbaumes - sei 75-mal mehr wert als aus einem ungeputzten Munde.

In der katholischen Kirche ist die Heilige Apollonia für die Beißerchen zuständig. Ein Schluck Wein aus ihrem Kelch wirkt angeblich gegen Zahnschmerzen. In dem legendären Gefäß baumelt ein Zahn an einem Bändchen. 249 soll der Pöbel in Alexandria der Märtyrerin das Gebiss ausgeschlagen haben.

Angst vor dem "Zahnwurm"

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Auch die alten Ägypter hatten mit Zahnweh zu kämpfen.

Ein kurzer Auszug aus der Geschichte zeigt, wie sich in Fragen der Zahnpflege über Jahrtausende hinweg Aberglaube und Volksmedizin vermischten:

1900 v. Chr. 

Bei den Ägyptern gehören tägliche Mundwaschungen mit Natron zur Morgentoilette.

1800 v. Chr.

Babylonische Tafeln geben dem "Zahnwurm" schuld an der Entstehung von Zahnschmerzen. Der Glaube hält sich hartnäckig fast 4000 Jahre.

600 v. Chr.

In Indien wird der Zahnwurm mit Beschwörungen und Mundwasser aus Senf, Bengalpfeffer, Ingwer und alkalischer Asche bekämpft.

500 n. Chr.

Griechen und Römer benutzen die verschiedensten Substanzen - Minze, verbrannte Mäuseköpfe oder ausgekochte Hundezähne - zur Zahnhygiene.

1696
Der Eisenacher Stadtarzt Christian Franz Paullini veröffentlicht sein Buch "Heylsame Dreck-Apotheke". Er rät gegen Schmerzen "Rabenkoth in einen hohlen Zahn gethan".

1728
Der französische Chirurg Pierre Fauchard empfiehlt die tägliche Mundspülung mit frischem Eigenurin. Von der Bürste hält Fauchard wenig - sie ruiniere Zähne und Zahnfleisch.

Monika Wittmann, wissen.de-Redaktion