21.05.2015
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wissen.de Artikel

Jeans: Trend mit langer Geschichte

Wrangler, Levis und Co. sind aus der Alltagskultur nicht mehr wegzudenken - erst recht nicht in dieser Saison. Wichtiger Unterschied: Fiel man in den 1990er Jahren mit einer Denim-Jeans nicht weiter auf, ist das freche Blau heutzutage wieder ein echter Hingucker. Seit Herbst 2001 schraubt sich das lässige Beinkleid in einem Revival immer höher in die Riege der Fashion-Highlights. Sommer 2002 war der vorläufige Höhepunkt einer Trendwelle, die vor 130 Jahren begann.

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Das Top-Thema der Saison

Aus Arbeiterhose wurde Fashion, aus robuster Alltagskluft kreatives Design. Jeans sind heuer vielseitiger denn je. Was früher mit Hosen anfing, ist mittlerweile eine Mode-Kategorie für sich: Blusen und Shirts im Denim-Stil, Jacken, Mäntel - auch knielange Jeansröcke sind angesagt. Der klassische Jeans-Stoff bekennt aber auch Farbe: Rosa, Violett oder Braun ergänzen das bewährte Blau. Mehr denn je ist Jeans das absolute Top-Thema der Saison - und zieht sich quer durch alle Stilrichtungen.

Der große Denim-Trend dieser Tage heißt Vintage: Je abgetragener, älter und ausgebleichter der Stoff aussieht, desto besser. Mit abgeschnittenem Bund und ausgefransten Hosenbeinen wirkt es richtig authentisch. Nur so stellt sich bei Naturburschen und Cowgirls aus der Großstadt das echte "Back to Nature"-Feeling ein. Aufgestickte Ledertaschen, Westernboots und Military-Jacken vervollständigen den Secondhand-Look. Individualität ist Trumpf. Jede Jeans braucht ihre persönliche Note. Sicherheitsnadeln, Strass-Applikationen oder aufgestickten Labels dienen zur Verzierung: Selfmade ist in - einfach nur blau ist out.

1980er-Look oder Flower-Power

Schwarz oder Dunkelblau: Im 1980er Look bleibt die Jeans dunkel. Hier kombiniert man überlange Stretchhosen und Blusen mit Crasheffekt oder Raffungen. Shirts mit grafischen Mustern, Nietengürtel und Netzstrumpfhose - schon sieht Frau aus wie Cindy Lauper. Beim Hippie-Look werden ausgeblichene oder ausgewaschene Hüfthosen mit aufgenähten Taschen verziert. Auch knielange Röcke bilden mit breiten Gürteln, Silberschmuck und riesigen Taschen einfach den perfekte Look. Die bestimmenden Farben des neuzeitlichen Flower-Power sind helles Blau, Rosa oder Rostrot. Beim neuen Romantic-Look zaubern verspielte Details wie Volants am Saum oder aufgenähte Spitze Highlights auf die ausgewaschenen Hosen. Ultrakurze Röcke sind ebenfalls hellblau. Dazu passen Carmenblusen, transparente Tops, Rüschen, Blumen - alles in Pastelltönen.

Aus Nieten einen Welthit kreiert

Als der Schneider Jacob Davis für den schwersten Kunden seiner Laufbahn eine extra stabile Hose schneiderte, ahnte er nicht, dass dies der Auftakt zu einer Erfolgsgeschichte ohne Gleichen war. Den Stoff dafür kaufte er vom Händler Levi Strauss - und in dessen Laden entdeckte er auch die Kupfernieten, mit denen er kurzer Hand die Taschen befestigte. Und genau das war das tatsächlich Revolutionäre: Nicht der robuste Stoff, sondern die Verarbeitung von Nieten machten die Jeans aus. Am 20. Mai 1873 wurde die innovative Arbeiterhose schließlich patentiert. Da dem Schneider damals das Geld für das bürokratische Prozedere fehlte, bot er dem Händler Levi Strauss eine Beteiligung an. Levi zahlte - und von da an hielten beide das Patent für die Nieten-Kleidung. Die erste Jeans wurde noch in zwei Versionen hergestellt: In indigoblauem Denim und einem braunen Stoff namens "Duck". Doch die braune Variante war hart und unbequem und konnte sich nie durchsetzen.

Vom Western bis auf den Laufsteg - eine Erfolgsstory

Der Siegeszug der Blue Denim ließ sich jedoch durch nichts stoppen. Blue Jeans von Levis stahlen in den Western-Movies aus den 1930ern manch einem Hollywood-Cowboy die Show. Durch diese Filme wurde die Nieten-Hose in Amerika richtig populär und entwickelte sich darüber hinaus zum internationalen Phänomen. Selbst eine Frauen-Variante der Levis wurde 1935 in der Vogue vorgestellt. In den 1950ern eroberten Jeans zusammen mit Bubblegum, T-Shirts und Rock 'n' Roll schließlich die heimischen Gefilde. Die Hosen wurde zum Symbol der rebellischen Jugend - James Dean und "der wilde" Marlon Brando machten es vor. Flower-Power und Hippie-Zeit ließen die Hosen bunt werden - mit Stickereien und in psychedelischen Farben. In den 1970ern hielt Denim endlich Einzug in die Glitzerwelt der High Society. In Folge wurden echte Designer-Jeans so erfolgreich, dass sich Calvin Klein Mitte der 1970er damit eine goldenen Nase verdiente - und mit der Lieferung kaum hinterherkam.

Die echte Jeans ein Franzose?

Die Ursprünge der Jeans lassen sich allerdings noch weiter zurück verfolgen. Denim und Jeans: Der Name steht zwar stellvertretend für die bekannten Nieten-Hosen, bezeichnet aber das verarbeitete Material. In Europa wurde es bereits im 17. Jahrhundert produziert. Robuste Baumwollhosen waren einst typische Arbeitskleidung von Seeleuten aus Genua und "Jannes" war das alte französische Wort für diese italienische Hafenstadt. Doch auch in Frankreich benutzte man das Material für Hosen. Es wurde hauptsächlich in einer Stadt im Süden des Landes hergestellt und dementsprechend mit der Bezeichnung "de Nîmes" - aus Nîmes - versehen.