21.05.2015
Total votes: 142
wissen.de Artikel

Wirtschaftsprüfer/in

Egal ob Kölner SPD oder Bundes-CDU - will eine Partei die Legalität ihrer Kassenführung nachweisen, bestellt sie einen Wirtschaftsprüfer. Deren unabhängige Prüfung gibt Aufschluss über die wahre wirtschaftliche Lage einer Organisation oder eines Unternehmens. Doch das Aufgabenspektrum der Zahlenexperten ist weit größer.

Dieses Bild ist leider nicht verfügbar. - wissen.de

Ein Beruf mit guten Verdienstmöglichkeiten

Die Schlagzeilen der letzten Zeit zeigen zum einen, wie wichtig gute Wirtschaftsprüfer sind, und zum anderen, welch hohes Ansehen ihre Branche auch in der Öffentlichkeit genießt. Dementsprechend stimmt bei Wirtschaftsprüfern nicht nur die Kasse der analysierten Unternehmen, sondern auch die eigene. Bereits kurz nach dem Berufseinstieg verdienen sie selten unter 50.000 Euro im Jahr. Wer es schafft, in einer großen Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft wie etwa Price Waterhouse Coopers oder der KPMG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft als Partner einzusteigen, ist nah am großen Geld. Hier geht's ab 150.000 Euro jährlich los, jeder Zehnte ist Millionär.

Daher erstaunt es doch ein wenig, dass qualifizierte Nachwuchsprüfer zur Zeit dringend gesucht werden. Schätzungen zu Folge bleiben in Deutschland momentan zwei von drei Stellen unbesetzt. Insgesamt gibt es in Deutschland fast 11.000 zugelassene Wirtschaftsprüfer. Allein die großen Gesellschaften haben jährlich Interesse an 2500 "frischen" Prüfungsassistenten. Dass es einen solch eklatanten Nachwuchsmangel gibt, liegt vermutlich daran, dass der Weg zum Wirtschaftsprüfer nicht nur beschwerlich ist, sondern auch lang. "Bisweilen dauert es durch die äußerst anspruchsvolle Ausbildung nach dem Studium noch einmal vier bis fünf Jahre, bis man endlich als Wirtschaftsprüfer arbeiten kann. Viele sind dann schon 35 oder gar 40. Vielleicht schreckt das ja ein wenig ab. In Zukunft soll aber die notwendige berufsbegleitende Zusatzausbildung gestrafft und stärker an praktische Bedürfnisse angepasst werden, so dass man auch schon jünger zum Zug kommen kann", berichtet Peter Marks, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und geschäftsführendes Mitglied des Vorstands des Instituts der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. (IDW).

Kurz & bündig

Aufgabe von Wirtschaftsprüfern ist es, Jahresabschlüsse und Bilanzen zu prüfen, die wirtschaftliche Gesamtsituation eines Unternehmens zu analysieren, in Steuerangelegenheiten zu beraten sowie Gutacher- und treuhänderische Aufgaben zu übernehmen.

Wo arbeiten Wirtschaftsprüfer?

"Viele Wirtschaftsprüfer sind bei einer der großen Wirtschaftsprüfergesellschaften mit mehreren hundert Angestellten beschäftigt. Andere fangen in einem mittelständischen Unternehmen an oder arbeiten mit Kollegen in einer Sozietät. Nur die allerwenigsten beginnen in der eigenen Praxis, da man dafür ein hohes Startkapital braucht", erklärt Wirtschaftsprüfer Marks.

Darüber hinaus gibt es Jobs bei:

  • genossenschaftlichen Prüfungsverbänden
  • Prüfungsstellen von Sparkassen und Giroverbänden
  • überregionalen Prüfungseinrichtungen für öffentliche Körperschaften

Was genau machen Wirtschaftsprüfer?

"Bisher werden Wirtschaftsprüfer öffentlich durch die zuständigen Wirtschaftsministerien der Länder bestellt. Dies soll aber nun auf die Wirtschaftsprüferkammer übertragen werden", so Peter Marks. Wirtschaftsprüfer werden vereidigt, ihre Rechte und Pflichten sind gesetzlich geregelt. Sie sind gehalten, auf wissenschaftlicher Grundlage zu arbeiten. So soll sicher gestellt werden, dass Arbeitsweise und Berichte der Wirtschaftsprüfer für Auftraggeber wie Öffentlichkeit gleichermaßen vertrauenswürdig sind. Schließlich soll eine Unternehmensprüfung über die wahren wirtschaftlichen Verhältnisse eines Unternehmens Auskunft geben.

Solche Prüfungen werden aus verschiedenen Gründen durchgeführt. "Für Unternehmen, die haftungsbeschränkt sind, also etwa GmbHs oder Kapitalgesellschaften, ist die Prüfung vom Gesetzgeber vorgeschrieben. So soll sicher gestellt werden, dass die betreffenden Unternehmen die gesetzlichen Bilanzierungsregeln einhalten", sagt Wirtschaftsprüfer Marks.

Andere Prüfungen werden durch Unternehmensführungen freiwillig in Auftrag gegeben, um von unabhängiger Seite ein sachgerechtes, neutrales Urteil über bestimmte Sachverhalte im Unternehmen zu erhalten. Oft ist es dabei das Ziel der Unternehmensführung, der Öffentlichkeit nachzuweisen, dass der Jahresabschluss ein authentisches Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens vermittelt. Anteilseigner und potentielle Investoren fühlen sich sicherer und investieren bereitwilliger, wenn Wirtschaftsprüfer einem Unternehmen die korrekte Bilanzierung attestieren. Auch Banken machen die Kreditgewährung meist vom Bericht des Wirtschaftsprüfers abhängig.

Wirtschaftsprüfer sind aber längst nicht mehr nur pedantische Kontrolleure. Vor allem wenn sie ein Unternehmen länger betreuen, werden sie häufig auch zu gesuchten Beratern, die bei vielen Fragen und Problemstellungen weiterhelfen können. Sie beraten zum Beispiel bei der Formulierung von Vertragstexten oder bei Fragen zum geeigneten Versicherungsschutz. Auf Grund der genauen Kenntnisse des Unternehmens können Wirtschaftsprüfer beispielsweise oft besser als das Unternehmensmanagement abschätzen, ob sich ein Investitionsvorhaben lohnen wird. Wird eine Veränderung der Unternehmensstruktur diskutiert, wissen Wirtschaftsprüfer, welche betriebswirtschaftlichen, steuerlichen und rechtlichen Fragen sich etwa aus einer Fusion mit einem anderen Unternehmen oder der Auslagerung von Unternehmensteilen ergeben würden.

Die Beratung in Steuerangelegenheiten gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Wirtschaftsprüfer. Viele Entscheidungen der Unternehmensführung betreffen direkt oder indirekt auch steuerliche Fragen. Wohl und Wehe entscheiden sich oft nicht zuletzt durch geschicktes Ausnutzen steuerlicher Gestaltungsmöglichkeiten. Hier wissen Wirtschaftsprüfer Rat. Sie betreuen ihre Auftraggeber bei Steuererklärungen, Vermögensaufstellungen, Voranmeldungen und Steuerbilanzen. Sie helfen die steuerlich günstigste Rechtsform- oder Standortwahl zu treffen. Oft übernehmen sie auch die Vertretung "ihres" Unternehmens in Steuersachen vor den Finanzgerichten.

Ihrem Berufseid und ihrer besonderen Vertrauenswürdigkeit verdanken es Wirtschaftsprüfer, dass sie häufig auch als Gutachter beauftragt werden. Geht es beispielsweise darum, den Wert eines Unternehmens oder von Unternehmensteilen im Zusammenhang mit dem Kauf oder Verkauf zu beurteilen, sind sie gesuchte und gefragte Ansprechpartner. Dies gilt auch, wenn etwa eine angemessene Abfindung an ausscheidende Gesellschafter gefunden werden muss oder die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens beurteilt werden soll.

Wirtschaftsprüfer nehmen häufig auch treuhänderische Aufgaben wahr. Hierzu gehört es beispielsweise, fremdes Vermögen nach bestem Wissen und Gewissen zu verwalten oder als Testamentvollstrecker und Nachlassverwalter tätig zu werden.

Wirtschaftsprüfer übernehmen folglich eine Vielzahl verschiedener Aufgaben. Dabei tragen sie eine hohe Verantwortung und müssen sich in unterschiedlichen Fragen extrem gut auskennen. "Ein Wirtschaftsprüfer kann schwerlich in allen Bereichen immer auf dem allerneuesten Stand der Dinge sein. Daher gilt, je größer die Gesellschaft desto spezialisierter arbeiten die angestellten Wirtschaftsprüfer. Natürlich gibt es aber auch die Allrounder mit eigener Praxis", erzählt Peter Marks. "So interessant der Job oft ist und soviel Spaß es macht, bei einem Problem im Dickicht der verschiedenen Gesetze die optimale Lösung zu finden, so stressig ist das Ganze auch oft. Man muss schon sehr belastbar sein, will man in diesem Job dauerhaft arbeiten, ohne sich aufzuarbeiten."

Wer ist geeignet?

Für diesen Job eignen sich vor allem:

  • Absolventen eines wirtschaftswissenschaftlichen Studienganges

Ausbildung - wo und wie?

Um zum Wirtschaftsprüferexamen zugelassen zu werden, ist ein abgeschlossenes Universitätsstudium nebst mindestens dreijähriger einschlägiger Berufspraxis und Prüfungstätigkeit erforderlich. Bei diesem Examen werden darüber hinaus Fragen aus den Bereichen Wirtschaftliches Prüfungswesen, Betriebswirtschaft und Volkswirtschaft sowie Wirtschaftsrecht gestellt. Die Prüfung ist nicht gerade leicht, immerhin beträgt die Durchfallquote 25 bis 30 Prozent.

"Rein rechtlich ist es egal, wie man sich das notwendige Wissen für die Examensprüfung aneignet. Allerdings stelle ich es mir sehr schwer vor, den gesamten Stoff abends, nachts und an Wochenenden in Eigenregie zu pauken. Einfacher ist es mit Sicherheit, man absolviert einen oder mehrere Vorbereitungslehrgänge", so Marks. Die allerdings sind nicht ganz billig. Lehrgänge bietet beispielsweise das IDW an, aber auch die Deutsche Akademie für Steuern, Recht und Wirtschaft, die in mehreren deutschen Großstädten aktiv ist, oder das Berliner Seminar für Steuerrecht, Prüfungs- und Treuhandwesen e.V.

Die weitaus meisten Wirtschaftsprüfer haben ein wirtschaftswissenschaftliches Studium absolviert. Aber auch ein juristisches, ein technisches oder gar landwirtschaftliches Studium berechtigt zum Ablegen des Examens.

Es ist im Hinblick auf das Ziel, Wirtschaftsprüfer zu werden, nicht gleichgültig, an welcher Hochschule man beispielsweise Betriebswirtschaftslehre studiert. Viele Universitäten bieten besondere Vorlesungen, Übungen und Seminare für den Bereich des wirtschaftlichen Prüfungs- und Treuhandwesens an, was bei den späteren Examensvorbereitungen von Vorteil ist. Als Beispiele lassen sich die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, die Universität Mannheim oder die Universität Potsdam nennen.

Daneben dürfen auch Praktiker die Prüfung ablegen, die mindestens zehn Jahre Berufspraxis bei einem anderen Wirtschaftsprüfer gesammelt haben. Viele angehende Wirtschaftsprüfer werden zunächst Steuerberater. Hier lässt es sich zum einen anständig verdienen, zum anderen fallen die Steuerrechtklausuren des Wirtschaftsprüferexamens weg.

Wo und wie weiterbilden?

"Da sich für uns relevante Gesetze nicht nur im Steuerrecht ständig ändern, hört das Lernen leider niemals auf. Viele Wirtschaftsprüfer halten sich zu Hause durch permanentes Literaturstudium auf dem neuesten Stand der Dinge", so Peter Marks. Größere Wirtschaftsprüfergesellschaften bieten intern Weiterbildungsmaßnahmen für ihre Mitarbeiter an. Die Landesgruppen des IDW organisieren regional für Mitglieder kostenlose Fortbildungsveranstaltungen, die laufend über Aktuelles in allen Tätigkeitsbereichen informieren. Aber auch die Wirtschaftsprüfer-Akademie in Düsseldorf bietet geeignete Ein- und Zweitagesveranstaltungen an.

Kontakt

Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V.

Tersteegenstraße 14
40474 Düsseldorf
Tel.: 0211/4561-0
Fax: 0211/4541-097
E-Mail: info@idw.de
www.idw.de

Wirtschaftsprüferkammer

Rauchstraße 26
10787 Berlin
Tel.: 030/726161-0
Fax: Fax 030/726161-212
E-Mail: admin@wpk.de
www.wpk.de

BW Bildung und Wissen Verlag, Nürnberg 2002