21.05.2015
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wissen.de Artikel

Computeranimateur/in

Das Wörtchen Anima kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Lufthauch, Atem, Seele oder auch ganz einfach Leben. Computeranimateure beseelen mit modernsten Rechnern und geeigneten Programmen unbelebte Objekte und hauchen starren Szenen Leben ein.

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Special Effects und interaktive Webseiten

Neben der Gestaltung interaktiver Webseiten und Multimediaproduktionen arbeiten Computeranimateure vor allem in der Film- und Unterhaltungsindustrie. Trickfilme der alten Schule, wo oft Hunderte von Zeichnern Micky Mouse das Laufen beibringen mussten, sind Vergangenheit. Heute entsteht meist der gesamte Film am Rechner wie beispielsweise Disneys "Toy Story". Vor allem die Special Effects großer Actionfilme wären ohne Computeranimateure nicht denkbar. Sie dürfen das Weiße Haus explodieren lassen oder die Titanic zum Sinken bringen.

Goldene Zeiten also für alle, die mit Computeranimation ihr Geld verdienen wollen? Nicht ganz. Zwar werden immer mehr Spezialisten gesucht, die sich mit allen geeigneten Programmen auskennen, doch sind die Chancen, als Computeranimateur eine sichere Festanstellung zu finden, eher gering. "Man muss sich schon erst einen Namen machen und über Trainee-Programme, Praktika oder ein Volontariat Erfahrungen gesammelt haben. Selbst dann wird man meist nur als Free Lancer, also als freier Mitarbeiter, beschäftigt", gibt Diplom-Medieninformatikerin Pia Mertesacker zu bedenken, die ihr Geld bei der Cat Sales GmbH in München im Bereich 3D-Animation verdient.

Kurz & bündig

Computeranimateure kreieren zwei- oder dreidimensionale Laufbildsequenzen oder Animationen für Fernseh- und Kinofilme, Video-Clips, Webseiten, Computerspiele, CD-ROMs etc. Ausgangspunkt sind dabei meist zeichnerische Vorgaben oder Daten, die mit Hilfe geeigneter Programme am Rechner verändert werden, um die gewünschte Darstellungsform zu erzeugen und oft auch interaktive Eingriffsmöglichkeiten des Benutzers zu ermöglichen.

Wo arbeiten Comuteranimateure?

Tätigkeitsfelder finden sich in allen Software-Häusern, Agenturen für (Computer-)Design, im gesamten Medienbereich (Fernsehen, Internet-Dienste, aber auch bei Printmedien) und in “Spieleschmieden. Es bestehen auch zahlreiche Möglichkeiten, sein eigener Chef zu werden. Oft wird in Film- oder Multimedia-Projekten auf Selbständige oder Freie Mitarbeiter zurückgegriffen.

Jobs finden sich unter den verschiedensten Bezeichnungen in folgenden Bereichen:

  • Audio- und Videostudios, digitale Filmproduktion
  • Entwicklung und Vertrieb von digitaler Videotechnik
  • Grafik- und Multimedia-Agenturen
  • Medienagenturen für Ton, Dia, Video, Film, Druck
  • Medienverlage, Verlage für elektronische Bücher
  • Produktionshäuser für Computergrafiken und -animationen, virtuelle Realität und elektronische Bildverarbeitung
  • Computerspiel-Firmen
  • Rundfunk– und Fernsehanstalten
  • Softwarehäuser
  • Verlage für didaktische Medien
  • Werbe- und PR-Agenturen
  • Architektur- und Konstruktionsbüros (Maschinenbau u.a.)

Stellen für Computeranimateure finden sich in Stellenbörsen häufig auch unter den Suchbegriffen:

  • Gamedesigner/in
  • Animations-Designer/in
  • Computer-Animations-Designer/in
  • Computer-Grafik-Designer/in
  • 3D-Designer/in
  • 3D-Animateur/in
  • 3D-Artist/in
  • Mediengestalter/in
  • Mediendesigner/in
  • Medienoperator/in

Was genau machen Computeranimateure?

"Am Anfang jeder Animation steht das Storyboard, in dem meist zeichnerisch der Ablauf der geplanten Animation skizziert wird. Daher ist grafisches Talent, ein Auge für Gestaltung und räumliches Vorstellungsvermögen eigentlich unabdingbar", verrät Pia Mertesacker. Denn die Objekte werden im Computer zunächst als Drahtgittermodelle konstruiert und die Oberflächen mit passenden Materialien versehen. Dann wird die Szene beleuchtet, um ihr durch Licht und Schatten Tiefe und Kontraste zu verleihen. Nachdem die Objekte fertig animiert wurden, kann die Szene gerendert das heißt in eine Pixelgrafik oder Bild-Sequenz umgerechnet werden.

Oftmals werden nach dem Rendering die Einzelbilder noch in einem Bildbearbeitungs- oder Compositingprogramm sowie mit Schnittsoftware bearbeitet, um daraus ein Video oder einen Film im Abspielformat (zum Beispiel AVI oder MPG) für den Computer zu erstellen. Technische Basics sind also notwendiges Rüstzeug: Computeranimateure gehen souverän mit Computer-Aided-Design-, Bild- und Grafik-Programmen um. Sie setzen sich natürlich auch intensiv mit speziellen Authoring-Tools und Animationsprogrammen, wie zum Beispiel Macromedia Director, sowie mit neuester 2D- und 3D-Software auseinander.

Die anspruchsvollste Technik ist die 3D-Animation: Objekte oder Betrachter können sich dann im Raum bewegen, was insbesondere bei Computerspielen zum Einsatz kommt. Daher arbeiten Computeranimateure oft auch im Bereich Game Design, wo es gilt, Atmosphäre und Stimmung virtueller Fantasy-, Comic- oder Science Fiction-Welten aufzubauen. Sie erschaffen und animieren die Charaktere und komplettieren diese durch Special Effects und Sounds. Aber auch für real existierende Objekte kann die Computeranimation bei der Veranschaulichung äußerst hilfreich sein. Pia Mertesacker gibt ein Beispiel: "Unter Verwendung einer 3D-Animationssoftware ist es möglich, schon erzeugte CAD-Daten eines Architekten zu übernehmen und eine virtuelle Kamerafahrt durch das geplante Gebäude zu simulieren. Dies ist für den Architekten wie für potenzielle Kunden natürlich gleichermaßen interessant."

Zu den Aufgaben der Computeranimateure gehört auch das Nachbearbeiten von Filmszenen, die Inszenierung der Spezialeffekte oder das Zusammenfügen von realen Filmsequenzen mit 3D-Elementen oder Welten. Filme wie "Der Herr der Ringe" oder "Shrek" haben eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie plastisch und lebendig “Virtual Reality“ sein kann. Und das muss sie heute auch, weil User bzw. Zuschauer schon sehr verwöhnt sind, wenn es um elektronische Fantasiegebilde geht. Deshalb ist neben exzellentem technischen Know-how Ideenreichtum und Kreativität bei Computeranimateuren gefragt.

Da ein Projekt nur sehr selten allein realisiert werden kann, braucht es außerdem Team- und Führungsfähigkeit im Zusammenspiel mit anderen Projektbeteiligten. Klar ist auch, dass Computeranimation bei allem Spaß meist kein gewöhnlicher nine-to-five-Job ist. "Gerade wer im Bereich Werbung, Gamedesign oder Film arbeitet, zeigt häufig Tendenzen zum Computer-Freak. Oft vergisst man über den Animationen Zeit und Raum und sitzt bis spät in die Nacht vor dem Rechner", weiß Pia Mertesacker aus eigener Erfahrung.

Wer ist geeignet?

Für diesen Job eignen sich vor allem:

  • Diplom-Animateur/innen
  • Medieninformatiker/innen
  • Ingenieure/Ingenieurinnen für Computervisualistik
  • Diplom-Designer/innen - Kommunikationsdesign und Medien
  • Diplom-Designer/innen - Visuelle Kommunikation
  • Diplom-Designer/innen - Kommunikations-Design
  • Diplom-Designer/innen - Multimedia
  • Diplom-Designer/innen - Grafik
  • Produktdesigner/innen
  • Product Engineers
  • Architekten/Architektinnen
  • Informationsdesigner/innen
  • Medientechnologen/-technologinnen
  • Mediengestalter/innen für Digitalmedien
  • Gestaltungstechnische Assistenten/Assistentinnen
  • (Diplom-)Informatiker/innen, insbesondere mit Ausrichtung Computergraphik/Bildverarbeitung

Auch für solche, die die genannten Studiengänge beziehungsweise Berufsausbildungen abgebrochen haben, bestehen bei außergewöhnlichem Einsatz und gutem Fachwissen Aussichten, als Quereinsteiger Erfolg im Bereich Computeranimation zu haben.

Ausbildung - wo und wie?

Bisher funktionierte die Ausbildung zum Computeranimateur nach dem Prinzip "Training on the job". Praktikanten, die sich talentiert und kreativ zeigen, bleiben der Branche meist treu. An der “Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf“ wird inzwischen ein eigenständiger Studiengang "Animation" angeboten, in dem klassische und digitale Animationstechniken vermittelt werden. Die praxisorientierte Ausbildung dieses Studiengangs vermittelt das notwendige Grundlagen- und Spezialwissen zur Arbeit als Animator, Zwischenphasenzeichner, Layouter, Hintergrundmaler, Storyboardzeichner und Figurendesigner. Es besteht auch die Möglichkeit, dieses Fach als Schwerpunkt oder Wahlfach im Rahmen von Studiengängen wie beispielsweise Kommunikations-, Medien- oder Grafik-Design zu belegen. An welchen Hochschulen diese Studiengänge angeboten werden, erfährt man im Internet über die Suchmaschinen des Online-Dienstes “Studien- und Berufswahl“.

Alles, was es zur digitalen Umsetzung des Mediums "Bild" zu wissen gibt, vermittelt der Studiengang Computervisualistik, den man deutschlandweit bisher nur an den Universitäten Magdeburg und Koblenz-Landau studieren kann. Natürlich gelangt man auch über die Informatik oder Medieninformatik zum Berufsziel Computeranimateur, wie Pia Mertesacker, die an der Fachhochschule Furtwangen ausgebildet wurde. Allerdings sollte darauf geachtet werden, inwieweit die Hochschule es ermöglicht, Schwerpunkte im Bereich Computeranimation zu setzen. Als beispielhaft sei hier noch die Universität Paderborn genannt.

Wo und wie weiterbilden?

Die “Animation School Hamburg“ bildet in 14 Monaten zum/zur Animations-Designer/in aus. Das Angebot richtet sich an Menschen mit Berufserfahrung im Zeichenbereich, Absolventen einer grafischen oder vergleichbaren Ausbildung, Absolventen des Studiengangs Grafik-Design oder Studiengänge der Filmbranche. Inhaltlich geht es vor allem um Trick- beziehungsweise Animationsfilme. Im Bereich der Webanimation finden sich im Berliner “L4- Institut“ interessante Weiterbildungsmöglichkeiten. Das ebenfalls in Berlin ansässige “Siliconstudio“ bietet Kurse und Seminare vor allem im Bereich 3-D Modelling an. Nicht schwer ist es, Weiterbildungsmaßnahmen für Computer Aided Design zu finden. Stellvertretend sei hier auf die “Wildner Trainingssysteme GmbH“ in München verwiesen.

Kontakt

Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf

Marlene Dietrich Allee 11
D - 14482 Potsdam-Babelsberg
Tel.: 0331/7469-0
Fax: 0331/7469-202
http://www.hff-potsdam.de

Animation-school-hamburg Stiftung Berufliche Bildung

Eiffestraße 664
D - 20537 Hamburg
Tel.: 040/21112-494
Fax: 040/21112-411
http://www.animation-school-hamburg.de

Fakultät für Informatik (Computervisualistik) an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Gebäude 02 und 03
Universitätsplatz 2
D - 39106 Magdeburg
http://www.computervisualistik.de

Fachhochschule Furtwangen

Fachbereich Digitale Medien
Robert-Gerwig-Platz 1
D - 78120 Furtwangen
Tel.: 07723/920-0
http://www.fh-furtwangen.de

BW Bildung und Wissen Verlag, Nürnberg 2002