21.05.2015
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Zum ersten Mal schwanger

Der Beginn einer spannenden “Erlebnisreise“

Erst blieben Ihre Tage aus, dann überkam Sie vermutlich plötzlich des öfteren morgens eine seltsame Übelkeit... Gingen Sie zunächst noch von einer Magenverstimmung aus, so schwante Ihnen doch allmählich, dass da wohl etwas ganz anderes in der Luft lag. Ja, sie ahnten es bereits: "Sieht ganz so aus, als sei ich schwanger!". Hocherfreut, aufgeregt und vielleicht auch etwas ängstlich haben Sie einen Schwangerschaftstest gemacht und sind zu ihrem Frauenarzt gegangen. Nun haben Sie es schwarz auf weiß und können sich freuen - in neun Monaten werden Sie Mutter sein. Viele neue Eindrücke werden nun in den nächsten Monaten auf Sie einstürmen - Sie stehen am Anfang einer ereignisreichen und wunderschönen Reise für sich und das Kind, das in Ihnen heranwächst.

Wem sagen Sie es zuerst?

Natürlich eröffnen Sie diese großartige Nachricht zuerst Ihrem Partner, Ihren Eltern, den Geschwistern oder der besten Freundin. Zwei Stellen dürfen Sie allerdings auf keinen Fall vergessen: Teilen Sie sowohl Ihrer Krankenkasse als auch Ihrem Arbeitgeber möglichst frühzeitig Ihre Schwangerschaft mit. Nur so sichern Sie sich Ihre Ansprüche aus dem Mutterschutzgesetz - u.a. betrifft das den Kündigungsschutz und eine Reihe anderer Maßnahmen zum Schutz und Wohlergehen Ihres Kindes.

Vorsorgeuntersuchungen

Der zweite Schwangerschaftsmonat ist der richtige Zeitraum für die erste Vorsorgeuntersuchung. Danach werden Sie bis zum 4. Schwangerschaftsmonat alle vier Wochen, bis zum 7. Monat alle drei Wochen, bis zum 9. Monat alle zwei Wochen und dann bis zur Geburt wöchentlich Ihre Frauenärztin besuchen. Hier werden Sie untersucht und beraten und auch das Befinden und der Entwicklungsstand ihres Kindes wird kontrolliert. Im ersten und letzten Drittel der Schwangerschaft kann die Ärztin eine Ultraschalluntersuchung durchführen. Die Kosten aller Vorsorgemaßnahmen trägt Ihre Krankenkasse. Bei Ihrem ersten Besuch wird Ihnen der Mutterpass ausgestellt, in dem alle wichtigen Daten und der weitere Verlauf der Schwangerschaft eingetragen werden. Sie sollten dieses Dokument immer bei sich tragen.

Von Kopf bis Fuß auf Schwangerschaft eingestellt

Verwöhnen Sie sich

Spätestens ab dem vierten Monat ist Ihre Schwangerschaft für Sie und Ihre Umwelt »greifbar« - ein kleines Bäuchlein zeichnet sich ab und vermutlich werden Sie jetzt oft instinktiv darüber streichen. Diese schützende Geste ist typisch für schwangere Frauen. Immerhin lassen Sie einen kleinen Erdenbürger in sich wachsen - ein überwältigendes und einmaliges Erlebnis! In vielen Kulturen wird diese einzigartige weibliche Fähigkeit sogar besonders gewürdigt und gefeiert.
Verwöhnen Sie Ihren Körper - vor allem Bauch und Busen - mit einem ausgiebigen Pflegeprogramm, das sie möglichst auch nach der Geburt fortsetzen sollten.

Pflege der Haut

Während viele Schwangere sich aufgrund der Hormonveränderung strahlender Schönheit und samtener Haut erfreuen, leiden andere plötzlich unter Hautproblemen, z.B. Trockenheit.
Schwangerschaftsstreifen sind auf ein schwaches Bindegewebe zurückzuführen und kaum vermeidbar. Regelmäßiges Eincremen von Brust, Bauch und Oberschenkeln mit Weizenkeimöl und gelegentlichen leichten Massagen kann eventuell helfen.
Widmen Sie sich besonders Ihren Brustwarzen: Sie sind nach der Geburt stärker belastet und können bereits jetzt durch Einmassieren von Hautöl weich gehalten werden.

Wannenfreuden

Dank des geborgenen und leichten Gefühls empfinden viele Schwangere Wannenbäder als äußerst wohltuend. Genießen Sie das warme Nass so lange und so oft Ihnen danach ist - egal ob mit oder ohne romantischen Kerzenschein, ob allein oder mit Partner.
Einzige Einschränkung: Achten Sie unbedingt darauf, dass das Wasser nicht zu heiß wird - Körpertemperatur (37°C) wäre ideal. Wassertemperaturen um 40°C bringen sowohl Ihren Kreislauf wie auch Ihr Baby, das seine Körpertemperatur noch nicht selber regulieren kann, unangenehm ins Schwitzen und bedeuten eine hohe Belastung.

"Einsatzübung" - oder wie Sie den Körper auf die Geburt vorbereiten

Als werdende Mutti sollten Sie Ihre Bauch- und Rückenmuskulatur nicht unnötig und vor allem nicht ungünstig belasten. Rückenschmerzen sind für viele Frauen leider untrennbar mit der Schwangerschaft verbunden. Die Gewichtszunahme des Kindes, die Vermehrung des Fruchtwassers und eine veränderte Körperhaltung führen bei vielen Schwangeren zu Rückenbeschwerden. In akuten Fällen machen Sie eine Pause und legen sich in die Seitenlage - vielleicht mit einer Wärmflasche im Rücken. Beugen Sie solchen Beschwerden vor mit regelmäßigen Pausen im Lauf des Tages, mit Schwimmen oder warmen Bädern.
Um Ihren Rücken zu entlasten, sollten Sie beim Hochheben schwerer Gegenstände in die Hocke gehen und die Dinge möglichst nahe am Körper tragen.
Kreisen Sie Ihr Becken außerdem so oft wie möglich, egal ob im Sitzen oder im Stehen, ob zu Hause oder im Büro. Diese Beckenübung à la "Elvis Presley im Sitzen" entspannt - dank der automatischen gesunden und aufrechten Position - und ist außerdem eine gute Geburtsvorbereitung.

Die kleinen Wolken hinter dem großen Glücksstrahl

In der erste Hälfte

Typische Beschwerden der Frühschwangerschaft sind Übelkeit, Müdigkeit, Geruchsempfindlichkeit und Stimmungsschwankungen, Blähungen und Verstopfung. Der Übelkeit begegnen Sie am besten mit Tee aus Kamillen, Pfefferminze oder Himbeerblättern. Stehen Sie nach dem Aufwachen nicht gleich auf, sondern bleiben Sie noch etwas liegen und lassen Sie sich den Tee und eventuell Zwieback ans Bett bringen. Gegen Blähungen helfen Tees aus Kümmel, Fenchel und Melisse. Außerdem ist eine Wärmflasche im Bett sicherlich wohltuend; zusätzliche Bauchmassagen wirken ebenfalls lindernd. Gegen Verstopfung hilft am Vorabend eingeweichte Weizenkleie, Weizenschrot, Leinsamen oder Trockenobst. Mit Joghurt vor dem Frühstück eingenommen, bringen diese Mittel Ihren Darm sicher in Schwung.
Bewegen Sie sich viel in der frischen Luft und verweilen Sie häufig bei positiven Gedanken - das hilft gegen vielerlei Beschwerden.

Ab dem fünften Monat

Die meisten der oben genannten Beschwerden sind nun verschwunden. Hingegen klagen jetzt viele Schwangere über andere typische "Nebenwirkungen" der Schwangerschaft wie Rückenschmerzen, Krampfadern, Wadenkrämpfe, Ödeme, instabilen Blutdruck und Scheidenausfluss.
Um vielen dieser Beschwerden vorzubeugen oder sie zu erleichtern, sollten Sie vor allem für ausreichend Bewegung und Beingymnastik sorgen und enges Schuhwerk sowie hohe Absätze meiden.
Sollten Sie zu Krampfadern neigen, legen Sie regelmäßig Wadenumschläge mit Apfelessig an und reiben Sie die Beine mit einem Eichenrindenpräparat ein (beides ist in der Apotheke erhältlich). Je nach Stärke der Beschwerden sind Stützstrümpfe sehr zu empfehlen. Häufige Wechselduschen und das Hochlagern der Beine - wann immer es geht, z.B. auch nachts - wirken ebenfalls unterstützend.
Gegen Rückenschmerzen hilft eine aufrechte Haltung, da meist Fehlhaltungen die Ursache für die Schmerzen sind. Gehen Sie außerdem möglichst viel barfuß und tauschen Sie öfter einmal Ihre gemütlichen Hausschuhe gegen warme, kuschelige Wollsocken.
Bei leichten Ödemen sollten Sie entwässernde Gemüsesorten essen wie Spargel, Salatgurken oder Lauch. Steigen Sie in die Wanne oder gehen Sie schwimmen - auch das wirkt entwässernd. Stärkere Ödeme müssen immer ärztlich abgeklärt werden.
Ausfluss aus der Scheide ist kein Grund zur Besorgnis. Bei brennendem oder stark juckendem Ausfluss sollten Sie allerdings Ihren Arzt zu Rate ziehen.

"Gleichgesinnte", Partnerschaft und wohlige Entspannung

Neben den üblichen Untersuchungen suchen gerade Paare, die Ihr erstes Kind erwarten, Kontakt zu "Gleichgesinnten". Viele Fragen tauchen jetzt auf einmal auf, und sicherlich auch gelegentlich verschiedene Ängste - schließlich ist es Ihr "erstes Mal"! Der Erfahrungsaustausch - außer mit der eigenen Mutter, Freundin oder der Ärztin - kann jetzt helfen, diese Befürchtungen abzubauen - und vielleicht schließen Sie auf diesem Weg neue Freundschaften. Besonders leicht knüpfen Sie Kontakte in einem Schwangerschaftskurs. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Frauenarzt, Kliniken oder Geburtshäusern, welche Treffs in Ihrer Nähe angeboten werden. Ist für Sie nichts geeignetes dabei, können Sie auch einen Aushang bei Ihrem Arzt machen.

Schwangerschaft bringt neue Leidenschaft

Nichts spricht gegen Sex in der Schwangerschaft und schon gar nicht das Kind: Es liegt ja durch das Wasserpolster wunderbar geschützt in Ihrem Bauch. Viele Frauen haben in der Schwangerschaft allerdings zunächst Probleme, sich dem Liebesspiel hemmungslos hinzugeben. Sie befürchten, ihr Partner könne sie unattraktiv finden. Die meisten Männer, so haben Umfragen ergeben, finden ihre Partnerin in dieser Zeit jedoch besonders sexy und schön. Genießen Sie Ihre Sexualität also, wenn Ihnen danach ist, und erschrecken Sie nicht, wenn Ihre Bauchdecke beim Orgasmus hart wird - das ist vollkommen normal. Auch während der Schwangerschaft gilt: Erlaubt ist, was gefällt. Einschränkungen gibt es nur, wenn Sie Blutungen, eine gesprungene Fruchtblase oder das Risiko einer Fehl- oder Frühgeburt haben. Auch bei Schmerzen im Unterleib sollten Sie ganz auf den Liebesakt verzichten.
Neben der veränderten körperlichen Liebe werden Sie und Ihr Partner Ihre Beziehung während dieser neun Monate völlig neu erleben. Genießen Sie es, miteinander zu kuscheln, und freuen Sie sich gemeinsam auf ein baldiges Leben zu dritt. Auch wenn sich das ganze Augenmerk jetzt auf Sie richtet, versuchen Sie, die etwaige Rat- und Hilflosigkeit Ihres Partners zu verstehen. Auch er hat jetzt Ängste, macht sich Gedanken über seine neue Rolle als Vater und das Mehr an Verantwortung. Gleichzeitig entdeckt er vollkommen neue Seiten an Ihnen. Er wird die schwangerschaftsbedingten Gefühlsschwankungen nicht immer nachvollziehen können: Mitten in der Nacht wecken Sie ihn vielleicht, weil Sie eine nicht zu bändigende Lust auf einen Hamburger verspüren. Liebevoll seufzend zieht er halbverschlafen los um Ihren Wunsch zu erfüllen. Doch kaum steht er mit dem gewünschten Essen vor Ihnen, sind Sie bitter traurig anstatt sich zu freuen - schließlich hat er mangels "weiser Voraussicht" das Schokoladeneis vergessen, das Ihnen doch jetzt viel lieber wäre... Der Arme weiß nun gar nicht mehr, wie ihm geschieht. Bei aller Liebe: Leicht haben es "schwangere Männer" eben auch nicht immer... Sprechen Sie jetzt viel miteinander und erklären Sie Ihrem Partner, was in Ihnen vorgeht.

Der schönste Grund sich verwöhnen zu lassen!

Spüren Sie ein leichtes Zusammenziehen der Gebärmutter, ist das ein unmissverständliches Zeichen, dass Sie Ihrem Körper zuviel zugemutet haben. Diese Signale sollten Sie unbedingt ernst nehmen, denn Sie zeigen Ihnen, dass Sie jetzt etwas kürzer treten müssen!
- Keine schweren Einkaufstüten schleppen... keine anstrengende Hausarbeit... regelmäßige Ruhepausen... Na, das klingt doch gar nicht so schlecht, nicht wahr?! Wenn Sie vorzeitige Wehen vermeiden wollen, sollten Sie diesen Punkt wirklich äußerst ernst nehmen! Hier einige Tipps, wie Sie das am besten in Ihren "neuen" Alltag einplanen können: Sorgen Sie zu Hause und am Arbeitsplatz für regelmäßige kurze Pausen, in denen Sie die Beine hoch legen oder sich etwas Bewegung verschaffen. Genießen Sie es, in dieser Zeit von Kollegen und Freunden verwöhnt und umsorgt zu werden - ist Ihr Kind erst einmal auf der Welt holt Sie der Alltag schon früh genug wieder ein!
- Machen Sie zwischendurch immer einmal einige Entspannungsübungen oder halten Sie Zwiesprache mit Ihrem Kind.
- Lernen Sie, auch zu Hause unwichtige Arbeiten zurückzustellen. Bitten Sie Ihren Partner, einige belastende Aufgaben im Haushalt zu übernehmen. Vielleicht stellen Sie sogar erstaunt fest, wie viel Energie Sie bisher in die in diese Arbeit gesteckt haben und dass es auch recht gemütlich sein kann, wenn nicht alles tipp topp glänzt. Ein Grossteil der Zeit und Energie, die Sie bisher in Haushaltsarbeit investiert haben, werden Sie in Zukunft ohnehin in Windelwechseln, Stillen & Co. stecken wollen und müssen, wenn Ihre kleine Familie erst einmal komplett ist. Je eher Sie lernen, mit Ihrer Kraft zu haushalten, umso besser - fangen Sie am besten gleich damit an!

Mit allen Sinnen entspannen

Die eigene Körperwahrnehmung, Entspannung und Intuition - der Mutterinstinkt - sind jetzt besonders wichtig. Vermutlich verspüren Sie - besonders im letzten Drittel der Schwangerschaft - ein starkes Bedürfnis, ruhig in sich hineinzuhören und mit Ihrem kleinen Schatz zu kommunizieren. Sie und Ihr Kind bilden eine untrennbare Einheit - dies macht die Schwangerschaft so unbeschreiblich schön und einzigartig und so mancher Mann beneidet seine Frau um diese Laune der Natur. Diese Momente gehören meist ganz alleine Ihnen und Ihrem Kind. Lauschen Sie den Klängen Ihrer Lieblingsmusik oder einer schönen, entspannenden CD - z.B. sanfte Klavierstücke oder beruhigende Melodien, vielleicht sogar mit Naturgeräuschen unterlegt. Legen Sie sich dazu auf eine weiche Unterlage, etwa ein Wolldecke, oder kuscheln Sie sich in Ihren Lieblingssessel. Konzentrieren Sie sich ganz auf Ihr Kind, indem Sie sich seine Umgebung in Ihrem Bauch vorstellen und versuchen, sich in diesen Schutzraum, in dem es heranwächst, hineinzudenken. Scheuen Sie sich nicht, sich richtig mit Ihrem Kleinen zu unterhalten - es bekommt in seiner kleinen, geborgenen Welt bereits sehr viel mehr mit als nur die Geräusche Ihres Körpers. Sagen Sie ihm, was Sie heute alles gemacht haben, worüber Sie sich gefreut oder auch geärgert haben. Erzählen Sie ihm, wie Sie sich die Zeit mit ihm vorstellen, wenn es auf der Welt ist, was Sie alles unternehmen werden, wie sein Zimmer aussieht. Bei soviel Wärme und Ruhe wird sich Ihr Partner sicher auch gerne des öfteren auf ein "vorgeburtliches Schäferstündchen zu dritt" einlassen und sie können dann diese kostbaren Augenblicke, von denen Sie vermutlich noch lange zehren werden, miteinander teilen. Legen Sie die Hände auf Ihren Bauch und versuchen Sie die Reaktionen zu spüren - Ihnen und dem zukünftigen Papa wird das Herz aufgehen, wenn Ihr Baby versucht, sich in die Nähe der warmen Hände einzuschmiegen, was manche Kinder im Mutterleib durchaus versuchen.
Wenn Ihnen danach ist, wiegen Sie sich sanft zur Musik oder tanzen Sie verträumt durch das Zimmer - alles, was Ihrer Entspannung und der Beziehung zu Ihrem Ungeborenen dient, ist erlaubt. Vielleicht kommen Ihnen und Ihrem Partner in diesen Situationen auch schon schöne Vornamen in den Sinn - erzählen Sie Ihrem kleinen Schatz auch davon. Je mehr Sie mit ihm oder ihr reden, umso eher wird es sich an die beruhigende Stimme seiner Mutter und seines Vaters gewöhnen.

Ob Bewegung, Essgelüste oder Reiselust - Babys Wunsch ist Ihr "Befehl"

Baby wird die Welt bald zum allerersten Mal in seinem Leben erkunden und hat daher mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch nie etwas von "Onkel Churchill" und dessen "ablehnender" Einstellung zum Sport gehört. Dennoch wird es Ihnen dankbar sein, wenn Sie es gerade gegen Ende Ihrer beider "Erlebnisreise Schwangerschaft" etwas ruhiger angehen lassen. Verzichten Sie also auf sämtliche extremen Zeitvertreibe wie Tiefseetauchen, die Besteigung des Mount Everest oder Sprungreiten. Und sollten Sie sich schon immer einmal gefragt haben, was es wohl für ein Gefühl sein mag mit dem Fallschirm der Erde entgegenzugleiten, gilt auch hier: Gedulden Sie sich mit der Antwort noch eine Weile. Jetzt ist weder der Zeitpunkt für Experimente noch für irgendwelche "halsbrecherischen" Fun-Sportarten - auch nicht, wenn Ihre Hormone Sie zu regelrechten Höhenflügen anspornen wollen!
Generell gilt: Sie selbst entscheiden, was gut für Sie ist und was nicht - aber einige Regeln sollten Sie beachten. Hören Sie im wahrsten Sinne des Wortes auf ihren Bauch und verzichten Sie wegen der erhöhten Sturz- und Verletzungsgefahr auf einige turbulentere Sportarten wie Surfen, Skifahren und Inline-Skaten. Frauen, die regelmäßig Sport treiben und dies - natürlich in angepasster Form und Dosierung - auch während der Schwangerschaft weiterführen, leiden weniger an den bekannten Begleiterscheinungen der Schwangerschaft und bewältigen die körperlichen Anstrengungen der Geburt oft besser. Auch wenn Sie bisher weniger auf Ihre Fitness geachtet haben: Beginnen Sie jetzt mit geeigneten Übungen.
Generell gilt: Sicherlich gibt es Bewegungsarten, die Ihnen jetzt sogar mehr Spaß machen und die Sie jetzt ganz neu entdecken können wie Wassergymnastik, Schwimmen, Gehen oder Yoga- nutzen Sie diese Gelegenheit, um sich auf neues Terrain zu wagen.
Wofür auch immer Sie sich am Schluss entscheiden, achten Sie auf alle Fälle darauf, bei den Übungen Ihre Rücken- und Bauchmuskulatur nicht zusätzlich zu belasten. Und machen Sie nach der Geburt weiter - körperliche und seelische Fitness helfen Ihnen auch bei der Bewältigung Ihrer neuen Aufgaben.

Fernes Hawaii oder lieber heimatliche Gefilde?

Von einer Reise oder gar einer Fernreise in der ersten Schwangerschaftshälfte wird Ihnen Ihre Ärztin in der Regel nicht abraten. Erkundigen Sie sich ausführlich zu den Infektionsgefahren in dem Reiseland und den vorgeschriebenen Impfungen und deren Risiken für das Kind. Sie sollten darauf achten, jetzt nicht mit lebenden Krankheitserregern geimpft zu werden. Solche Impfstoffe werden vor allem gegen Masern, Röteln, Mumps, Windpocken und Tuberkulose gespritzt.
Geht es auf die Geburt zu, ist von Fernreisen generell abzuraten, denn lange Flugreisen und die Biorhythmusumstellung sind für Mutter und Kind anstrengend. Einige Fluggesellschaften befördern Schwangere daher nur bis zu einem bestimmten Schwangerschaftsmonat. Gerade bei Risiko- und Mehrlingsschwangerschaften ist die Gefahr einer Frühgeburt erhöht. Da Sie evtl. auf medizinische Versorgung im Ferienland angewiesen sein könnten, bedenken Sie, dass der medizinische Standard - gerade in fernen Gebieten wie Lateinamerika oder Asien - nicht immer mit unserem vergleichbar ist. Wenn Ihnen die vertraute ärztliche Betreuung wichtig ist, sollten Sie lieber auf eine Reise in ein fremdes Land verzichten.
Suchen Sie sich für Ihren Urlaub vor allem ein Reiseziel, das Ihnen körperliche und seelische Entspannung bietet.

Nicht ESSEN für zwei sondern WÄHLEN für zwei

Bereits in der Schwangerschaft müssen Sie für sich und ihren zukünftigen Wonneproppen denken. Das gilt besonders für die Auswahl der Nahrungsmittel. Heißhungerattacken können Sie ruhig einmal nachgeben - solange Sie sich ansonsten gesund ernähren von:

  • Vollkornprodukten und Nüssen
  • frischem Obst und Gemüse
  • vielen Milchprodukten
  • mindestens einem viertel Liter Milch pro Tag
  • 2-3 Eiern pro Woche
  • Fisch und mäßig Fleisch

Vor allem wegen der Gefahr der Infektion mit Toxoplasmoseerregern sollten Sie auf rohes Fleisch und Rohmilchprodukte verzichten.
Trinken Sie - wenn Ihre Frauenärztin nichts Gegenteiliges empfohlen hat - mindestens eineinhalb Liter pro Tag, möglichst Wasser, verdünnte Säfte und Kräutertee.

Vitamine und Mineralien

Einige Nährstoffe werden in der Schwangerschaft besonders wichtig. Dazu gehören die Vitamine A, B1, B2, B6 und B12, Vitamin C und D und schließlich Folsäure, die Rückenmarksfehlbildungen vorbeugt. Eine vielseitige, ausgewogene Ernährung enthält im Grunde die benötigten Mengen an Vitaminen ebenso wie die Mineralien Eisen, Jod, Magnesium, Kalzium, Phosphor und Zink.

Genussmittel

Verzichten Sie Ihrem Kind zuliebe auf Alkohol und Nikotin - beide Gifte gelangen ungehindert in den kindlichen Organismus und gefährden seine gesunde Entwicklung. Das Gleiche gilt für Medikamente und Drogen. Fällt es Ihnen schwer, das Rauchen aufzugeben, dann stellen Sie sich folgendes Bild vor: Bei jedem Zug an der Zigarette, liegt Ihr Kind in einem Raum voll Qualm, hustet erbärmlich und kann sich nicht dagegen wehren. Stellen Sie sich vor, dass jede Zigarette, die Sie rauchen, für Ihr Kind eine zehnmal höhere Menge bedeutet. Bei 2 Zigaretten pro Tag käme das einem Verbrauch von zwei Päckchen gleich. Schützen Sie sich und Ihr Ungeborenes auch gegen Passivrauchen. Und wenn Sie leidenschaftliche Kaffeetrinkerin sind: Reduzieren Sie diesen Genuss auf zwei Tassen am Tag und steigen Sie auf eine entkoffeinierte Sorte um, denn das Koffein macht auch das Ungeborene munter.

Der Countdown läuft

In der zweiten Schwangerschaftshälfte wird es Zeit, dass Sie sich Gedanken darüber machen, wo und wie Sie Ihr Kind gebären wollen. Grundsätzlich haben Sie die Wahl zwischen einer stationären oder ambulanten Geburt und zwischen Geburtseinrichtungen wie Klinik, Geburtshaus oder Ihr eigenes Zuhause. Erkundigen Sie sich über die verschiedenen Möglichkeiten und die konkreten Angebote in Ihrer Umgebung.
In folgenden Fällen ist allerdings weder eine Hausgeburt noch eine Niederkunft im Geburtshaus durchführbar:

  • Mehrlingsschwangerschaft
  • Lageanomalien des Ungeborenen
  • Bestimmte Erkrankungen der Mutter, z.B. Diabetes mellitus oder Bluthochdruck
  • Beckenanomalien der Mutter
  • Grünes Fruchtwasser
  • Zustand nach Gebärmutter-Operation (evtl. Myomentfernung)
  • Die Plazenta liegt vor dem Muttermund

Vor- und Nachteile abwägen

Bei Kliniken gibt es Unterschiede vom kleinen Provinzkrankenhaus bis hin zur Universitätsklinik mit angeschlossener Kinderklinik. Letztere bietet sich vor allem dann an, wenn Sie mit Komplikationen oder einer Frühgeburt rechnen müssen oder wenn Ihr Kind nach der Geburt sofort ärztlich behandelt werden muss.
Besuchen Sie den Kreißsaal der ausgewählten Klinik bzw. das Geburtshaus. Es sollte alles in freundlichen Farben gehalten sein. Medizinische Geräte sollten nicht offen im Raum stehen. Es sollte ein breites Bett, eine Wanne und ein Gebärhocker vorhanden sein sowie verschiedene Kissen, Polster, Tücher oder Seile zum Festhalten und auch ein Gymnastikball.
Sprechen Sie mit den Hebammen. Durch sie erhalten Sie wichtige Informationen über die Abläufe während einer Geburt. Das schafft Vertrauen, denn die Hebammen sind die Personen, die Sie während der Geburt begleiten, auch wenn sie nur Statisten und Sie selber die Hauptdarstellerin sind.
Nutzen Sie das Informationsmaterial, das Ihnen zur Verfügung gestellt wird. Erkundigen Sie sich bei der Klinik oder dem Geburtshaus Ihrer Wahl außerdem, ob und in welcher Form man dort Medikamente während der Geburt einsetzt. Eine weitere wichtige Entscheidung ist, ob Sie stationär oder ambulant entbinden möchten. Beides hat Vor- und Nachtteile und richtet sich nach Ihrem persönlichen Empfinden. Sollten Sie sich für ein Wochenbett (so werden die ersten Tage nach einer Geburt genannt) zu Hause entscheiden, sorgen Sie rechtzeitig für eine Nachsorgehebamme. Wenn Sie die Wochenstation bevorzugen, wählen Sie die Klinik, in der Ihr Kind Tag und Nacht in Ihrem Zimmer bleiben kann. Viele Kliniken bieten inzwischen auch Ihrem Partner die Möglichkeit, länger mit seiner Familie zu verbringen.
Stellen Sie sich rechtzeitig eine Liste zusammen, was Sie speziell für die Geburt mitnehmen wollen, z.B. auch den tragbaren CD-Player und die entsprechende Musik.

Körper und Seele auf die Geburt vorbereiten

Besuchen Sie - möglichst in der für die Geburt ausgesuchten Einrichtung - einen Geburtsvorbereitungskurs. Neben ausführlichen Informationen zu allen Aspekten rund um die Geburt erhalten Sie hier Anleitung zu verschiedenen Atem- und Entspannungstechniken, die Ihnen während der Geburt eine große Hilfe sein werden. Der Austausch mit anderen Schwangeren und der Hebamme kann Ängste abbauen, Ihr Selbstvertrauen stärken und damit die Geburt deutlich erleichtern.
Wenn Sie sich wünschen, dass Ihr Partner bei der Geburt anwesend ist, sollte er Sie sinnvollerweise auch zu diesem Kurs begleiten, damit er Sie während der Geburt unterstützen kann. Ihre Frauenärztin gibt Ihnen sicher gern Auskunft über die Anlaufstellen und Kurse in Ihrer Nähe.

Der Geburtstermin rückt näher - jetzt bloß nichts vergessen!

Bereits gegen Ende der Schwangerschaft kommt es zu sogenannten "Übungswehen". Sie erkennen Sie daran, dass Ihre Bauchdecke sich auf einmal deutlich härter anfühlt. Dies geschieht besonders nach Anstrengung oder seelischem Stress. Wird Ihr Bauch anschließend wieder weich, besteht kein Grund zur Beunruhigung. Die Tasche für den "unerwarteten-erwarteten" Klinikbesuch sollte jetzt dennoch bereitstehen.
Sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin wird Ihnen nun auch am Arbeitsplatz eine »Schonkur« verordnet - Ihr Mutterschutz beginnt. Sie haben nun mehr Zeit für sich und können sich in Ruhe auf das bevorstehende Ereignis einstimmen.
Nehmen Sie sich täglich Zeit für:

  • Beckenbodenübungen
  • Atemübungen
  • Entspannungsübungen
  • "Beckenkreisen à la Elvis"

Ruhen Sie sich aus und machen Sie kleinere Spaziergänge - kümmern Sie sich ausschließlich um sich und Ihr Kind. Nehmen Sie sich Zeit für entspannende und stärkende Gespräche mit Ihrem Partner oder Freunden. Richten Sie mit Freude das neue Zuhause Ihres Kindes ein und schauen Sie, was Sie bereits vor der Geburt anschaffen sollten. Folgende Erstausstattung wäre zu empfehlen:

  • 4-6 Hemdchen aus Baumwolle, Größen 56, 62 und 68
  • 4-6 Jäckchen, Größen 62 und 68
  • 4-6 Strampelanzüge, Größen 56, 62 und 68
  • Evtl. 2-4 einteilige Schlafanzüge, Größen 62 und 68
  • Warme Jacke oder Pullover
  • Warme Socken und Mütze
  • Im Winter außerdem einen gestrickten Wollsack und Handschuhe
  • Tragetuch oder -sack
  • Schaffell
  • Baby-Autositz
  • Kinderwagen
  • Wiege mit Kissen und Wäsche
  • Wickelunterlage
  • Windeleimer mit Deckel
  • Badethermometer
  • Weiche Haarbürste

Neue Kleidung sollte vor dem ersten Gebrauch mehrmals gewaschen werden, da ein Großteil der heutigen Textilien behandelt ist und Rückstände von Schadstoffen enthalten kann.
Bestens vorbereitet können Sie sich getrost auf die Geburt Ihres Kindes freuen - viel Glück und alles Gute!

Kontakt

Aktionsgruppe Babynahrung e.V.
Untere Maschstr. 21
37073 Göttingen
Telefon: 0551 - 53 10 34
http://www.babynahrung.org
Bund Deutscher Hebammen e.V.
Postfach 1724
76006 Karlsruhe
Telefon: 0721 - 981 890
http://www.hebammen.de
Gesellschaft für Geburtsvorbereitung - Familienplanung und Frauengesundheit - Bundesverband e.V.
Dellestr. 5
40627 Düsseldorf
Telefon: 0211 - 25 26 07
http://www.gfg-bv.de
Mütterzentren - Bundesverband e.V.
Müggenkampstr. 30a
20257 Hamburg
Telefon: 040 - 40 17 06 06

Verband alleinerziehender Mütter und Väter
Beethovenallee 7
53173 Bonn