21.05.2015
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Wer wird der nächste Papst?

Nach dem Tode Johannes Paul II. blühen die Spekulationen: Wer wird der Nachfolger des Ausnahmepapstes aus Polen? Wird es wieder eine Sensation geben wie bei dessen Papstwahl im Jahr 1978?

“Totopapa“: Ratespiel um die Kandidaten

Im Vatikan machen Namenslisten mit dem Nachfolger die Runde. Experten schätzen, dass der nächste Papst nach Johannes Paul II. mit Wahrscheinlichkeit ein Italiener wird. Auch ein Kardinal aus Lateinamerika hätte gute Chancen. Eine Überraschung wird es aber aller Voraussicht nach wohl nicht geben.

Kaum zeigt ein Pontifex erste Anzeichen von Schwäche, beginnen die Spekulationen über seinen Nachfolger. Namenslisten der „papsttauglichen" Eminenzen kursieren, „Totopapa" heißt in Italien das Ratespiel um die Kandidaten. Niemand beeinflusst die Wahl des Nachfolgers in der Reihe der Päpste so sehr wie der Vorgänger. Nach einem langen Pontifikat, wie dem von Johannes Paul II., wollen die Kardinäle wahrscheinlich ein kürzeres und wählen einen wesentlich älteren Kandidaten.

Wichtig: Persönlichkeit und Nationalität

Oft entscheiden sich die Kardinäle für einen Pontifex, der sich in der Persönlichkeit deutlich von seinem Vorgänger unterscheidet. Auf den asketischen und aristokratischen Pius XII. folgte der joviale und bäuerliche Johannes XXIII., sein Nachfolger war der kompetente Manager Paul VI., diesem folgte der lächelnde Seelsorger Johannes Paul I. Und diesem der robuste, selbstsichere Johannes Paul II.

Überdies spielt die Nationalität eine Rolle, die der „Papstmacher" und die der Kandidaten. Nur mehr knapp die Hälfte der Wahlberechtigten kommt aus Europa, der Rest aus Nord- und Lateinamerika, Afrika, Asien und Ozeanien. Wenn nicht alles täuscht, haben sowohl US-amerikanische wie auch deutsche und osteuropäische Kardinäle kaum eine Chance. Ein Pontifex aus den Vereinigten Staaten würde weithin mit der Supermacht USA identifiziert. Gegen einen deutschen Papst spricht noch immer die Hypothek der jüngsten Geschichte. Und nach Karol Wojtyla wird wohl nicht sofort wieder ein Osteuropäer ins höchste Kirchenamt aufsteigen. Und auch das Debüt der Kirchen der Dritten Welt im Papstamt lässt wohl noch einige Jahrzehnte auf sich warten.

Die Zeit scheint noch nicht reif für einen Kandidaten aus Schwarzafrika oder Asien zu sein. Gerade der Reiz, mit einem solchen Papst eine neue, revolutionäre Offenheit zu signalisieren, könnte die Kardinäle von einer solchen Entscheidung abhalten.

Sensation unwahrscheinlich

Vatikan-Kenner könnten sich am ehesten einen lateinamerikanischen Papst oder erneut einen Italiener vorstellen. Denn schließlich bilden die Italiener noch immer das stärkste nationale Kontingent unter den Kardinälen, wenn auch nicht mehr die absolute Mehrheit. Die Wahrscheinlichkeit spricht für einen Italiener. An eine Sensation, wie bei der Wahl von Johannes Paul II., aber glaubt kaum einer.

Chronik Bildbiografie Johannes Paul II.