21.05.2015
You voted 2. Total votes: 104
wissen.de Artikel

Der Mann in Schwarz

Wer hat nach 90 Minuten ein riesiges Laufpensum absolviert und trotzdem kaum den Ball berührt? Der "Mann in Schwarz" natürlich. Während des gesamten Spiels muss er versuchen, in Ballnähe zu bleiben, denn nur dort kann er seine Aufgabe gewissenhaft erfüllen. Eine Fehlentscheidung könnte er sich zwar leisten, denn auf dem Platz ist sein "Pfiff" Gesetz, aber seinem Ansehen würde das schaden. Doch wer Schiedsrichter ist, der will das auch bleiben: Schließlich hat er den besten "Zuschauerplatz", den man sich denken kann.

Fairplay und Einhalten der Regeln

Dieses Bild ist leider nicht verfügbar. - wissen.de
Fußballschiedsrichter in Aktion

"Schiedsrichter zu werden kommt für mich nicht in Frage, schon eher etwas, was mit Fußball zu tun hat," meinte Lothar Matthäus einmal, und tatsächlich ist es nur knapp 150 Jahre her, dass noch alle Beteiligten so dachten. Als sich nämlich gegen Mitte des 19. Jahrhunderts Fußball und Rugby durch neue Regeln in getrennte Sportarten entwickelten, dachte keiner an so etwas wie einen Schiedsrichter. Die beiden Mannschaftskapitäne kümmerten sich um Fairplay und um die Einhaltung der Regeln.

Vom Spielfeldrand mitten ins Spielgeschehen

Erst 1873 wurde der Schiedsrichter nebst zweier Unterschiedsrichter ins Regelwerk aufgenommen. Er hatte aber lediglich die Funktion einer neutralen Schlichtungsstelle. Die Partie verbrachte der als Beobachter am Spielfeldrand, war nur für das Ergebnisprotokoll und die Spielzeit zuständig. Verstieß ein Spieler gegen die Regeln, wurden zunächst die beiden Unterschiedsrichter von den Kapitänen konsultiert. Und nur wenn auch diese sich nicht einigen konnten, musste der Schiedsrichter entscheiden. Immerhin erhielt er schon zu dieser Zeit die heute noch gültige Bezeichnung "Referee". Das Jahr 1878 brachte dann den ersten und letzten technischen Fortschritt für die Referees: Einer von ihnen kam auf die Idee, eine Pfeife mit auf den Platz zu nehmen, wohl um das Ende der Spielzeit für alle Beteiligten gut vernehmlich anzuzeigen. 1880 weitete das überarbeitete Regelwerk dann auch erstmalig die Befugnisse der Schiedsrichter aus. Jetzt konnten sie einen besonders rüden Spieler vom Platz stellen.

Und dann ging plötzlich alles sehr schnell. Im Jahre 1891 wurden die Unterschiedsrichter abgeschafft, an deren Stelle die Linienrichter traten. Der Schiedsrichter wurde alleiniger Leiter des Spieles und die Linienrichter waren ihm fortan unterstellt. Und: Er durfte endlich auch mit aufs Feld. Verändert hat sich an seiner Rolle dann bis heute nichts mehr, außer dass die früheren Linienrichter heute Schiedsrichter-Assistenten heißen.

Das einzige, was seither dem Zahn der Zeit zum Opfer fiel, war die Bekleidung. Bis in die 1940er Jahre konnte man noch modebewusste Vertreter der Zunft - wie den Belgier Jan Langenus - bewundern, die das Spielfeld niemals ohne Samtweste und Krawatte betraten. Heute ziehen die Referees, wie man weiß, im Allgemeinen eher sportliche Bekleidung vor. Die "berühmte" Farbe schwarz übrigens bürgerte sich unter den Schiedsrichtern nur ein, weil sie damals die Einzige war, die von keinem Verein getragen wurde

aus der wissen.de-Redaktion