01.06.2015
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wissen.de Artikel

Wenn die Haare ausfallen...

Mehr als 10 Prozent aller Menschen in Deutschland leiden unter Haarausfall. Dieser millionenfache Haarverlust kann verschiedene Ursachen haben: Krankheiten, Begleiterscheinungen von Schwangerschaft oder Wechseljahren, genetische Vorgaben oder hormonelle Störungen. Viele der Betroffenen leiden stark unter dem Verlust ihrer Haarpracht. Minderwertigkeitsgefühle und Verunsicherung sind oft die Folge. Direkte körperliche Beschwerden entstehen hingegen nicht. Menschen können problemlos auch ohne ein einziges Haar auf dem Kopf leben.

Haare fallen jeden Tag aus

Jeder Mensch verliert bedingt durch den natürlichen Wachstumszyklus täglich bis zu 100 Haare. In dieser Größenordnung ist Haarausfall vollkommen unbedenklich, denn kontinuierlich nachwachsende Haare erhalten die alte Fülle.
Auch ein Haarverlust über das natürliche Maß hinaus muss nicht dauerhaft sein. Das Phänomen des "kreisrunden Haarausfalls" beispielsweise führt zum Verlust ganzer Haarbüschel, und das praktisch über Nacht. Die Kopfhaut liegt dann in runden oder ovalen Flächen unterschiedlicher Größe frei. Die Ursache ist wahrscheinlich eine unerwünschte Reaktion des Immunsystems in der Kopfhaut. Beim "kreisrunden Haarausfall", lateinisch alopecia areata, handelt es sich aber meist um eine vorrübergehende Erscheinung und das Haar wächst zum Glück wieder nach.
Kopfbedeckungen oder Frisuren können ebenfalls Haarausfall auslösen. Der dauernde Druck eines Schutzhelms oder einer Schwesternhaube, aber auch die Zugkraft einer geflochtenen Haartracht können dafür sorgen, dass Haare vorrübergehend ausfallen. In der Regel kehrt auch in diesem Fall die Haarfülle schnell zurück, wenn sich Druck oder Zug wieder lockern.

Glatzen sind nur selten rückgängig zu machen

Anders bei der klassischen Glatze: Hier gehen die Haare dauerhaft verloren, Hoffnung auf Wiederkehr besteht kaum. Davon betroffen sind praktisch nur Männer: Jeder zweite deutsche Mann muss im Laufe seines Lebens mit mehr oder weniger starkem Haarverlust rechnen. Nicht immer endet dieser mit einer kompletten Glatze. Der Verlauf der Glatzenbildung ist jedoch immer derselbe. Zuerst entwickelt sich der Haaransatz von der Stirn her zurück, die sogenannten Geheimratsecken entstehen. Gleichzeitig dünnt sich der Haarbestand am Hinterkopf aus und wird zur freien Fläche, der gefürchteten Tonsur. Schreitet die Glatze weiter fort, entsteht ein "Stirnband", das im Laufe der Jahre ebenfalls weichen muss. Die so entstandene Halbglatze erstreckt sich über die gesamte obere Kopfhaut. Nur ein Haarkranz an den Seiten bleibt übrig. In einigen Fällen verschwindet auch dieser und die Glatze ist perfekt.
Die Ursachen für diesen traurigen Schwund finden sich in den Haarwurzeln. Dort sitzen Steuerzellen, die für die Ausschüttung verschiedener Haarwachstumsfaktoren verantwortlich sind. Bei vielen Männern aber wird dieser Prozess durch das männliche Hormon Testosteron gestört. Über die Blutbahn gelangt es zu den Steuerzellen. Kommt es dort mit bestimmten Enzymen in Kontakt, entsteht DHT: Dihydrotestosteron. Dieses sorgt unter bestimmten Bedingungen dafür, dass die Steuerzellen an den Haarwurzeln keine Wachstumsfaktoren mehr ausschütten. Das Haar dünnt nach und nach aus und wächst nicht mehr nach.

Glatzen sind erblich

Ob sich eine Glatze bildet oder nicht, hängt nicht von der Menge des ausgeschütteten Testosterons ab. Die Glatze sagt also nichts über die "Männlichkeit" des Betreffenden aus. Entscheidend ist vielmehr die Testosteron-Empfindlichkeit der jeweiligen Steuerzellen an den Haarwurzeln. Je sensibler die Steuerzellen auf das DHT reagieren, desto schneller wächst die hohe Stirn. Diese Steuerzellen-Empfindlichkeit scheint erblich zu sein. Hat der Vater eine Glatze, muss demnach auch der Sohn mit Haarausfall rechnen. Dabei sind europäische Männer deutlich stärker vom erblichen Haarverlust betroffen als afrikanische oder asiatische: Knapp 80 Prozent erben die Glatze von ihrem Vater. Bei den Afrikanern sind es nur 25 Prozent, bei den Asiaten sogar nur 15.

Haarwuchsmittel halten selten, was sie versprechen

Kräftiges und gesundes Haar ist für viele Menschen ein Symbol für Schönheit und Vitalität. Menschen mit Haarausfall leiden oft stark unter ihrem übermäßigen Haarverlust und sehnen sich nach einer vollen Haarpracht. Viele Glatzenträger sind durchaus bereit, einiges für die Rückkehr ihrer Mähne auszugeben. Dementsprechend vielseitig ist das Angebot an Mitteln, die versprechen, Haarausfall zu stoppen und das Haarwachstum wieder anzukurbeln. Die Liste von rezeptfreien und rezeptpflichtigen Präparaten ist schier endlos. Weit verbreitet sind beispielweise Vitamin B12- oder Vitamin H-Präparate. Ebenfalls für teures Geld erhältlich sind Haarwuchsmittel, die praktisch ausschließlich aus Gelatine bestehen. Eines haben fast alle diese Produkte gemeinsam: Trotz ihres hohen Preises ist die Wirkung eher bescheiden. Anlass zur Hoffnung für die Haarlosen gibt eine Studie der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Wissenschaftler untersuchten dort die Wirkung des Präparats Finasterid, das die Entstehung von Dihydrotestosteron entscheidend hemmt und so die Steuerzellen in den Haarwurzeln positiv beeinflusst: Der Haarausfall wird reduziert. Leider bestehen zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch immer zu starke unerwünschte Nebenwirkungen.

Oft bleibt nur der Griff zum Toupet

Da der Griff in den Medikamentenschrank meist ohne Wirkung bleibt, ist eine Haartransplantation für viele Glatzenträger der letzte Ausweg, dauerhaft wieder zu eigenen Haaren zu kommen. Für viel Geld lassen sie sich in mehreren Sitzungen an kahlen Stellen fremde oder eigene Haare einsetzen. Doch auch solche Eingriffe führen längst nicht immer zum gewünschten Ergebnis. Nicht fachgerecht durchgeführte Transplantationen lassen die Glatze oft nur wandern. Zudem können sich die Implantate entzünden und so starke Schmerzen verursachen.
Die deutlich einfachere Lösung ist ein Toupet. Zwar sind hochwertige Haarteile ebenfalls nicht günstig, von unerwünschten Nebenwirkungen und Schmerzen bleiben Toupetträger aber in der Regel verschont.
Oder man steht eben zu seiner Glatze! Prominente Beispiele wie Telly Savalas, Yul Brunner, Bruce Willis oder Heiner Lauterbach beweisen, dass auch Glatzen eine nicht unerhebliche Anziehungskraft ausüben. Und zur Zeit ist die Glatze sowieso voll im Trend, besonders bei jungen Männern ...