21.05.2015
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MMS - der neue SMS-Standard

Die Abkürzung MMS steht für Multimedia Message Service. Es handelt sich dabei um den offiziellen Nachfolger der SMS-Kurzmitteilung, auf den sich die gesamte Mobiltelefonbranche verständigt hat. Der große Vorteil: Per MMS lassen sich Grafiken, Fotos, Töne, Videos sowie unbeschränkt viele Schriftzeichen zu einer multimedialen SMS vereinen.

Technische Grundlagen

Von der Funktionsweise her hat die MMS nur noch wenig mit der SMS gemein. Streng genommen handelt es sich bei der MMS um eine Erweiterung des WAP-Dienstes. Im Gegensatz zur SMS erfolgt der Versand und Empfang einer MMS-Nachricht ausschließlich über das mobile Internet WAP. Statt der normalen Nutzung eines GSM-Kanals wie bei der SMS vollzieht sich die Übertragung zudem ausschließlich über den Datenbeschleuniger GPRS, um möglichst kurze Ladezeiten zu erreichen.

Die Netzbetreiber haben die GSM-Netze für den MMS-Dienst aufgerüstet. Neben einem MMS-Server als Sammel- und Verteilerstelle für alle MMS-Nachrichten wurde zusätzlich ein Anpassungsrechner namens Proxy-Relay-Server dazwischen geschaltet. Dieser zweiter Server fungiert als eine Art Kontrollstelle, die dafür sorgt, dass MMS-Nachrichten jeweils den Anforderungen des Empfangsgerätes angepasst werden. Hintergrund: Jedes mobile Endgerät verfügt über unterschiedliche technische Merkmale, wie beispielsweise eine andere Displaygröße, respektive -auflösung. Der Proxy-Relay-Server als kontrollierende Durchlaufstelle ist dafür verantwortlich, dass die digitalen Bild- und Tondaten im richtigen Format beim Empfangsgerät landen.

Ein MMS-Teilnehmer ist auf diese Weise sowohl über seine Rufnummer als auch über die E-Mail-Adresse erreichbar. Für Besitzer eines Mobiltelefons ohne MMS-Funktion gibt es die Möglichkeit, eine empfangene MMS-Nachricht im Internet in einem geschützten Bereich abzurufen. Das entsprechende Passwort und den Weblink erhält man per SMS.

Wie sieht eine MMS aus?

Die MMS gleicht einer Art Powerpoint-Präsentation im Kleinformat. Wie in einem Baukastensystem kann der Versender mehrere Seiten zur einer multimedialen Diashow zusammenfügen, wobei sich pro Seite ein längerer Text, ein Bild oder Foto sowie ein Soundschnipsel nach Wahl beliebig mixen lassen. Beispiel: Per Digitalkamera, die direkt ins Handy integriert ist, schießt der Urlauber am Strand ein Foto, nimmt per Diktiergerät mehrere Sekunden Meeresrauschen auf und “garniert das Ganze mit dem Text Liebe Grüße aus dem Urlaub! - fertig ist die digitale Postkarte. Eine MMS zu verfassen ist somit zwar deutlich aufwändiger als simsen, bietet dafür aber auch viel mehr Möglichkeiten.

MMS in der Praxis

Hersteller wie Nokia, Sony Ericsson, Siemens oder Motorola haben diverse Multimedia-Geräte auf den Markt gebraucht, um Handy-Benutzern die MMS schmackhaft zu machen. Auch für den normalen Geldbeutel sind solche Handys (inklusive Vertrag) mittlerweile erschwinglich. Alle Netzbetreiber in Deutschland haben den MMS-Dienst im Sortiment, wobei die Preise deutlich über denen für eine SMS liegen.

Welche (kostenpflichtigen) Dienste per MMS grundsätzlich möglich sind, zeigt ein Blick auf das in Japan erfolgreiche i-mode-Modell, das hierzulande von E-Plus angeboten wird. So können z.B. multimediale Informationen aus bestimmten Themengebieten (Politik, Gesellschaft, Sport) abonniert werden.

Zukunftsaussichten

Dass die MMS den Erfolg der SMS nahtlos weiterführen wird, ist sehr wahrscheinlich. Abgesehen davon, dass MMS auf breiter Front Unterstützung erhält, sind die Möglichkeiten um ein Vielfaches größer als bei einer klassischen SMS-Kurzmitteilung. Allerdings: Nach einem Bericht des Manager Magazins setzte Marktführer T-Mobile von Januar bis Oktober 2003 weltweit gerade einmal 15 Millionen MMS ab - SMS waren es im gleichen Zeitraum 20 Milliarden! Da die MMS-Nachricht mit höheren Kosten verbunden ist und vielfach eine schlichte Textbotschaft ausreicht, wird es also voraussichtlich noch lange eine Koexistenz beider Mitteilungsdienste geben.