21.05.2015
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Neue Berufsbilder

Frischer Wind am Stellenmarkt

Das Image steht: Deutschland - das Land der Zeugnisse und Diplome. Ausbildungsgänge sind streng geregelt. Das sichert Qualität. Aber die Dynamik der Wachstumsmärkte hat den Regulierungsbedarf längst überholt. Ein Blick in den Stellenmarkt zeigt: Unternehmen definieren ihre Berufsbilder anhand ihrer Bedürfnisse oft selbst. Ob aufgeblähte Worthülse oder Zukunftsberuf mit Substanz -es herrscht Wildwuchs, und das Bundesinstitut für Berufsbildung, verantwortlich für die Entwicklung neuer Berufe, kommt nur zögernd nach. Aber auch hier ist die Rasanz des Marktes nicht spurlos verpufft. Allein zwischen 1996 und 2000 wurden 37 Berufsbilder entworfen, viel Innovation für eine Behörde, die sonst in einer Dekade gerade mal durchschnittlich fünf neue Ausbildungsgänge konzipieren musste.

Kaufmann/-frau für den Eventbereich

Ein Beispiel für die Neugestaltung: Die dreijährige Ausbildung zum Kaufmann oder zur Kauffrau für den Eventbereich. Gesucht: Die Profis mit Sinn für Entertainment und Zahlen. Von der kleinen Verkaufsmesse bis zur Expo - Veranstaltungen müssen ausgefeilt und professionell in Szene gesetzt werden. Die Konkurrenz ist groß, die Reizschwelle der Konsumenten hoch. Gleichzeitig dürfen die Ausgaben nicht aus dem Ruder laufen. Die Veranstaltungskaufleute kümmern sich um den finanziellen Rahmen. Bühnenaufbau, Beleuchtung oder Pyrotechnik - an einer Großveranstaltung sind durchschnittlich 50 verschiedene Zulieferer beteiligt, wer da nicht auf Kostendisziplin achtet, rutscht schnell in die roten Zahlen.

Kaufmann/-frau für Gesundheits- und Sportbereich

Analog gibt es zwei weitere neue kaufmännische Ausbildungsberufe: Kaufmann/-frau im Gesundheitswesen und für den Bereich Sport und Fitness. Sie arbeiten an der Nahtstelle von Serviceleistung und Kostenbewusstsein. Wie lässt sich das Dienstleistungsunternehmen Krankenhaus gleichzeitig kostengünstig und medizinisch qualitätsbewusst betreiben?

Die kaufmännischen Fachleute rund um den Sport recherchieren Kundenbedürfnisse und kalkulieren zu welchen finanziellen Bedingungen Unternehmen der Fitnessbranche ein marktgerechtes Angebot präsentieren können.

Wellness-Trainer/-in

Neben dieser regulierten Ausbildung bietet die wachstumsstarke Wellnessbranche zahllose Berufsbilder, die in einem Austausch von Angebot und Nachfrage fließend entstehen. Kennzeichen: Keine festgelegte Berufsausbildung, dafür aber ein hoher Bedarf. Dies trifft für den Wellness-Trainer zu. Er muss "günstige Verhaltensweisen zur Förderung der Gesundheit vermitteln können, die Motivation hoch halten und dafür sorgen, dass das Gelernte in Eigenverantwortung weiter umgesetzt wird." So sieht es jedenfalls der deutsche Wellness-Verband, und entsprechend viele Möglichkeiten des Quereinstiegs gibt es. Heilpraktiker, Masseure , Sportpädagogen aber auch Arzthelferinnen können sich mit Erfolg in dieser Boom-Branche versuchen. Potenzielle Arbeitsplätze bieten vor allem Wellness-Hotels.

Fraud-Analyst

Als Wachstumsmotor für neue Berufe gilt immer noch das Internet. Das weltumspannende Medium schuf sich mit atemberaubenden Tempo seine Berufsbilder selbst. Eine multifunktionale Netzpräsenz sowie Systematisierung und Schutz der Daten fordern fast täglich neue Fähigkeiten und aktualisiertes Wissen. Mit der Expansion des Cyber-Space wächst aber auch die Gefahr seines Missbrauchs. Das ruft den Fraud-Analysten (fraud; engl: Betrug/Schwindel) auf den Plan. Er ist der Detektiv der digitalen Welt, spürt Computerviren und Software-Raubkopien auf und ermittelt gegen Datennetz-Hacker. Zumeist sind es Großunternehmen, Banken und Versicherungsgesellschaft, die sich die Arbeit eines Fraud-Analysten sichern. Eine ausgewiesene Berufsausbildung gibt es noch nicht, aber der Fraud-Analyst sollte Informatik-Kenntnisse besitzen und mit dem Umfeld des Unternehmens bestens vertraut sein. Die Ruhr-Universität Bochum bietet als optimale Voraussetzung einen Studiengang "Sicherheit in der Informationstechnik" an.

E-Jurist/-in

Eine Synthese aus etablierter Wissenschaft und neuen Anforderungen ergibt sich in der Ausbildung zum E-Juristen. Sinnvoll ist ein Studium mit Schwerpunkt Rechtsinformatik, wie es zum Beispiel die Universität Hannover anbietet. Das Ziel: Spezialisierung auf Online-Recht. Das beinhaltet Abwicklung von Provider- und Lizenzverträgen, Datenschutzauflagen bei Online-Banking, Rechtsbeistand im E-Business. Wahrscheinlich wird der künftige E-Jurist Probleme lösen, die er jetzt noch gar nicht kennt. Die Dynamik des Webs lässt grüßen.