21.05.2015
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Europa – Meilensteine in der Geschichte

Altertum

Um 700 vor Christus verwendet der griechische Dichter Hesiod vermutlich als erster die Bezeichnung “Europa. In Griechenland entwickelt sich die erste Hochkultur auf dem Kontinent, es ist nicht nur der Geburtsort der Demokratie und Philosophie: Bereits um 750 vor Christus haben die Griechen das phönizische Alphabet übernommen und es zur ersten Buchstabenschrift umgeformt der Mutter der lateinischen Schrift.

Etwa zu gleichen Zeit (753 vor Chr.) gründen der Legende nach Romulus und Remus Rom. Am Anfang des 5. Jahrhunderts vor Christus entsteht die römische Republik, aus dem später das Römische Imperium (Imperium Romanum) hervorgeht.

Das Imperium weitet seinen Herrschaftsbereich kontinuierlich aus, im 4. Jh. Reicht es von Nordafrika im Süden bis nach Britannien im Norden, von Hispanien (heute Spanien, Portugal) im Westen bis nach Dakien im Osten (heute Rumänien, Moldawien). Es ist eine europäische Großmacht.

Ende des 4. Jh. kommt es zur kulturellen und religiösen Teilung des Imperiums: Im weströmischen Reich ist das Christentum Staatsreligion, die lateinische Schrift ist im Gebrauch; im oströmischen Reich mit dem Zentrum Konstantinopel (zuvor Byzanz, heute Istanbul) herrscht die griechisch-orthodoxe Kirche, hier wird griechisch gesprochen und geschrieben. Die Teilung hat kulturelle Folgen bis in die Gegenwart.

Bleibenden Einfluss haben das west- und oströmische Reich auch in der Rechtsentwicklung. So erhalten im Jahr 212 alle frei geborenen Bürger des Römischen Imperiums die römischen Bürgerrechte. Und der byzantinische Kaiser Justinian lässt zwischen 528 und 534 das antike Recht zum “Corpus iuris civillis weiterentwickeln (“Gesamtheit des Zivilrechts), das im gesamten Reich gilt.

Mittelalter

Unter Karl I., dem Großen (742?-814), König der Franken (seit 768), Römischer Kaiser (seit 800) entsteht ein neues großes europäisches Reich: Es umfasst weitgehend das heutige Frankreich,. Deutschland, die Benelux-Staaten, die Schweiz, Italien und Österreich. Nach seinem Tod zerfällt das Frankenreich 843 in ein West-, Mittel- und Ostreich.

1054 kommt es zum Morgenländischen “Schisma (griech. Trennung): dem Bruch der beiden christlichen Kirchen (katholische in Rom, griechisch-orthodoxe in Byzanz).

Bis in die Gegenwart reichen auch die Folgen, als 1095 Papst Urban II zum Kreuzzug gegen die Muslime aufruft, die heilige Stadt Jerusalem soll von ihnen “befreit werden. Ein Jahr später stechen die ersten Ritter ins Morgenland auf, wo sie mordend und plündernd gegen die muslimische und jüdische Bevölkerung vorgehen.

Das Hoch- und Mittelalter ist von Gegensätzen geprägt: Einerseits greift der religiöse Fundamentalismus um sich (Hexenverfolgungen), andererseits werden die Fundamente für den späteren Humanismus und die Aufklärung gelegt. So wird in Bologna 1088 in Bologna die erste Universität gegründet, auf dem Kontinent findet sie schnell Nachahmer. In England markiert das 13. und 14. Jh. den Beginn des Parlamentarismus. Und in Deutschland ermöglicht die Erfindung des Buchdrucks um 1455 durch Johannes Gutenberg, dass Schriften erstmals in großer Stückzahl produziert werden können für den Humanisten Erasmus von Rotterdam (1469-1536) oder den Kirchenreformator Martin Luther (1483-1546) wird es möglich, ihre Ideen auf dem ganzen Kontinent zu verbreiten.

Einen neuen Kontinent entdeckt Christoph Kolumbus 1492: Amerika (er hält es für Indien). Damit beginnt das Zeitalter der Kolonisation, das erst im 20. Jahrhundert sein Ende nimmt. Die von Luther ausgelöste Reformation findet schnell viele Anhänger, spaltet aber auch Europa: Es kommt zu Glaubenskriegen, die in den Dreißigjährigen Krieg münden (1618-1648). Der in Münster und Osnabrück geschlossene “Westfälischen Frieden beendet ihn.

Revolutionen

Der Sturm auf die Bastille (Stadtgefängnis) am 14. Juli 1789 in Paris ist der Auftakt der französischen Revolution; am 26. August verkündet die Nationalversammlung die “Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte. Unter Napoleon versucht Frankreich seinen Einflussbereich und seine Ideale gewaltsam in Europa auszudehnen. Eine Allianz aus Preußen, Russland, Großbritannien, Österreich und Schweden besiegt die französischen Truppen 1813 bei Leipzig (Völkerschlacht).

Im Februar 1848 erscheint in London das “Kommunistische Manifest von Karl Marx und Friedrich Engels; im selben Jahr brechen in Deutschland, Österreich und Italien Revolutionen aus die ein Jahr später scheitern.

Erster Weltkrieg

Die Ermordung des österreichischen Thronfolgers in Sarajewo (Bosnien) am 28. Juni 1914 löst eine Welle von Beistandsverpflichtungen aus der Weltkrieg beginnt (11. November 1918 Unterzeichnung des Waffenstillstands). Mit der Oktoberrevolution in Russland am 25. Oktober (russischer Kalender) bzw. 7. November 1917 wird der Sozialismus erstmals in einem europäischen Land zur Staatsdoktrin.

Totalitarismus, Zweiter Weltkrieg

Die Machtergreifung von Adolf Hitler am 30. Januar 1933 läutet eine 12-jährige Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten ein. Die gewaltsame Expansionspolitik Deutschlands führt nach dem Überfall auf Polen am 1. September 1939 zum Zweiten Weltkrieg. In Deutschland und in den besetzten Gebieten werden Millionen jüdische Bürger ermordet (“Endlösung). Am 8. Mai 1945 kapituliert die deutsche Wehrmacht.

Ost-West-Konflikt

Nach dem Krieg beginnt der “Ost-West-Konflikt. Die Sowjetunion dehnt unter Josef W. Stalin ihren Machtbereich auf die osteuropäischen Staaten aus, Westeuropa ist mit den USA eng verbunden. Beide Seiten bilden Militärpakte: Entlang der deutsch-deutschen Grenzen stehen sich NATO (1949 gegründet) und der Warschauer Pakt (1955 gegründet) gegenüber “Kalter Krieg und “eiserner Vorhang trennen Europa.

Als Lehre aus dem Krieg rücken in Westeuropa einige Staaten näher zusammen, übertragen teilweise Souveränitätsrechte auf supranationale Behörden: Die Gründung des Europarates 1949, der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl 1951 sowie der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atomgemeinschaft (EAG) 1957 sind der Beginn der “europäischen Integration.

Ab Anfang der 1970er Jahre setzt die Entspannungspolitik zwischen Ost und West ein, ein erster Höhepunkt ist die am 1. August 1975 unterzeichnete “Schlussakte der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE). Zehn Jahre später, im März 1985 läutet der neue Generalsekretär der KPdSU Michail S. Gorbatschow langsam die Wende in Osteuropa ein. Nach dem Fall der “Berliner Mauer am 9. November 1989 können sich die sozialistischen Regime in Osteuropa nicht mehr an der Macht halten. In der am 21. November 1990 unterzeichneten “Pariser Charta für ein neues Europa erklären NATO und Warschauer Pakt (WP) die Konfrontation für beendet; am 1. Juli 1991 löst sich der WP auf, Ende 1991 ist auch das Ende der Sowjetunion besiegelt.

Die Staaten Osteuropas führen in den folgenden Jahren die Demokratie und Marktwirtschaft ein, sie wollen Mitglied werden in der am 1. November 1993 gegründeten Europäischen Union (EU) und damit endgültig “nach Europa zurückkehren.