21.05.2015
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Überblick über die private Altersvorsorge

Der wohlverdiente Ruhestand - endlich die Zeit für Reisen, Hobbys und ein unbeschwertes Leben. Doch auch gerade unter finanziellen Gesichtspunkten will die Pensionierung gut geplant sein, damit der erreichte Lebensstandard gehalten werden kann. Mit der gesetzlichen Rente scheint dieser Traum indes kaum noch erfüllbar. Dem informierten Anleger bieten sich jedoch zahlreiche Anlage-Alternativen, mit denen er im Alter nicht alt aussieht.

Kapital-Lebensversicherung

Mit diesem Klassiker lassen sich entweder Hinterbliebene absichern oder der eigene Lebensabend angenehmer gestalten. Teils Risikoschutz, teils Sparvertrag bedeutet diese Form der Geldanlage zwar viel Sicherheit, leider aber auch ein ebenso bescheidenes Rendite-Niveau. Das Prinzip ist denkbar einfach: Im Erlebensfall erhält der Versicherte zusätzlich zu dem vereinbarten Betrag auch noch einen so genannten Überschussanteil aus den erwirtschafteten Erträgen. Erlebt die versicherte Person den Ablauf der Vertrags-Laufzeit nicht, erhalten die Hinterbliebenen die vereinbarte Summe zuzüglich der bis zu diesem Zeitpunkt fälligen Überschussbeteiligung.

Steuerhinweis: Beiträge zur Kapital-Lebensversicherung gelten als Sonderausgabe, die von der Steuer abgesetzt werden kann. Die hierfür geltende Obergrenze wird durch die Beiträge zu Kranken-, Pflege-, Unfall- und Haftpflichtversicherungen allerdings schnell erreicht. Erlebt die versicherte Person das Laufzeit-Ende nicht, müssen die Hinterbliebenen Erbschaftssteuer zahlen. Die Auszahlung einer steuerfreien Versicherungssumme im Erlebensfall ist an einige Voraussetzungen gekoppelt. U.a. muss der Vertrag zwölf Jahre gelaufen sein und der Versicherungsnehmer zumindest fünf Jahre Beiträge entrichtet haben.

Private Rentenversicherung

Diese Art der Lebensabend-Absicherung bietet in der Regel ein Prozent mehr Rendite als die Kapital-Lebensversicherung. Allerdings erhalten die Hinterbliebenen im Todesfall nicht einen Euro Auszahlung.

Am Ende der Vertragslaufzeit bekommt der Versicherte entweder eine (lebenslange) monatliche Rente oder eine (einmalige) Kapitalabfindung. Die Höhe der Summe ist teilweise garantiert, sie hängt aber auch davon ab, wie viele Überschüsse das Versicherungsunternehmen erwirtschaftet.

Fondsgebundene Altersvorsorge

Wer sich für fondsgebundene Renten- oder Lebensversicherungen entscheidet, bekommt in etwa die Leistungen, die auch Fonds-Sparpläne und Versicherungen bieten. Bei fondsgebundenen Versicherungen profitiert der Versicherungsnehmer - je nach Anlageansatz kurzfristig oder langfristig - von möglichen Kursgewinnen an den Kapitalmärkten. Die Auszahlungssumme zum Zeitpunkt des Vertragsendes richtet sich nach dem aktuellen Wert der Fondsanteile, danach beziehen die versicherte Person oder Begünstigte eine einmalige oder monatliche Zahlungen.

Die Auswahl des Fonds wird dabei für den Anleger zur Charakterfrage. Nichts wird in der Finanzwelt leidenschaftlicher betrieben als die Suche nach der renditestärksten Anlageform. Fonds zählen dabei seit jeher zu einem der beliebtesten Investmentmodelle, weil sie das Risiko anteilig streuen sollen.

Fonds-Anbieter sind Banken und Fondsgesellschaften, die Fondssparpläne schon ab 50 monatlich anbieten. Das Fondsmanagement verwaltet aktiv das eingezahlte Geld und passt es den Bedürfnissen des Marktes an. Privatanleger können je nach Anlageverhalten in ganz unterschiedliche Segmente investieren. Die Renditechancen steigen dabei proportional zur Risikobereitschaft.

Immobilienfonds

Immobilienfonds erlebten etwa im Börsen-Crash-Jahr 2001 ein beachtliches Comeback; sie profitieren in Krisenzeiten an der Börse von der Volksweisheit, dass Immobilien grundsätzlich mit den Jahren an Wert gewinnen sollten.

Gemischte Fonds oder Dachfonds

Gemischte oder Dachfonds wagen einen Spagat zwischen verschiedenen Anlage-Segmenten, die - je nach Marktlage - flexibel variieren können; allerdings sind Dachfonds in Deutschland erst seit einigen Jahren zugelassen und entbehren daher einem langjährigen Performance-Vergleich.

Aktienfonds

Der Königsweg zur großen Rendite verläuft über Aktienfonds, die allerdings auch den größten Marktschwankungen unterliegen. Im Artikel “Altersvorsorge mit Aktien“ stellen wir Ihnen diese Option ausführlich vor.

Spezialfall AS-Fonds

Einen besonderen Zuschnitt auf die Altervorsorge mit Fonds bieten zudem so genannte AS-Fonds (AS: Altersvorsorge-Sondervermögen), mit denen ein finanzielles Polster bei überschaubarem Risiko aufgebaut werden kann. Um einen hohen Ertrag zu gewährleisten, haben AS-Fonds (hauptsächlicher Inhalt: Aktien und Immobilienwerte) eine Mindestlaufzeit von 18 Jahren bzw. die Vollendung des 60. Lebensjahres zur Bedingung.

Angenehm für den Sparer ist die ständige Verfügbarkeit des eingezahlten Kapitals: Er kann während der Laufzeit seine Sparquote variieren und sogar Fondsanteile verkaufen. Zwar wirkt sich das auch auf die Höhe der zukünftigen Zusatzrente aus, der Versicherungsnehmer bleibt jedoch jederzeit flexibel.

Fonds-Besteuerung

Ähnlich wie bei den Anleihen mischt sich der Staat auch hier erst dann ein, wenn Sie Ihre (gewinnbringenden) Anteile vor Ablauf eines Jahres verkaufen. Ferner muss der Gewinn über 512 Euro liegen, um versteuert zu werden.

Unbedingt steuerpflichtig sind allerdings die Dividenden, die die im Fonds vertretenen Unternehmen ausschütten. Dem kann allerdings in den meisten Fällen der Sparerfreibetrag (Ehepaare: 3202 Euro, Ledige: 1601 Euro) entgegenhalten werden.

Anleihen

Wem die Anlage in Fonds zu risikoreich erscheint, hat auch die Möglichkeit, in zahlreiche konservativere Vorsorgeformen zu investieren. Eine beliebte Anlageform sind Anleihen.

Anleihen sind festverzinsliche Wertpapiere, die oft auch Renten, Bonds oder Obligationen genannt werden. Anleihen werden von Staaten (Staatsanleihen), Banken (Schuldverschreibungen) und Unternehmen (Industrie- oder Unternehmensanleihen) ausgegeben, wenn diese Kapital für anstehende Investitionen benötigen. Die Kreditnehmer (Emittenten) verpflichten sich gegenüber dem Käufer (Gläubiger), die auf der Anleihe vermerkte Summe an einem bestimmten Tag in der Zukunft zurückzuzahlen und dem Besitzer regelmäßig Zinsen zu vergüten. Im Unterschied zu Sparbriefen werden die Zinsen der Anleihe jedoch nicht wieder angelegt, sondern einmal jährlich an den Besitzer ausgezahlt.

Es gibt aber auch Anleihen ohne festen Zinssatz. Bei dieser Variante können Sie nur auf eine positive Differenz zwischen An- und Verkaufskurs hoffen. Steuerrechtlich sind Anleihen ebenso zu behandeln wie gewöhnliche Wertpapiere: Bei Kursgewinnen über 512 innerhalb eines Jahres ist der erzielte Gewinn zu versteuern.

Pfandbriefe

Pfandbriefe sind eine Sonderform der Anleihen. Sie werden hauptsächlich von öffentlich-rechtlichen Kreditanstalten und Hypothekenbanken angeboten und helfen den Unternehmen dabei, ihre Kreditgeschäfte auf dem Immobilienmarkt zu refinanzieren.

Käufer von Pfandbriefen können sich relativ sicher fühlen, da der Staat eine so genannte Umlaufgrenze und eine "aussonderungsfähige Deckungsmasse" vorschreibt. Auf diese Weise ist garantiert, dass der Pfandbrief-Inhaber zumindest den Großteil seiner Beiträge erstattet bekommt.

Bankeinlagen

Deutschland gilt als Nation der konservativen Sparer. Gerade die Bankeinlagen weisen in diesem Zusammenhang eine enorme Tradition auf. Zu den geläufigsten Einlageformen zählen die traditionellen Spareinlagen (Sparbuch, Sondersparformen), Ratensparverträge (Prämiensparen, Bonussparen, Wachstumssparen), Festgelder - so genannte Tages- und Termingelder - (Tages-, Wochen-, Monats- und Jahresgelder) und Sparbriefe (abgezinster Sparbrief, Zinsansammlungssparbrief, Dynamiksparbrief).

Zumeist fällt die Rendite aus Bankeinlagen deutlich niedriger aus als die der Anleihen und Bundesschatzbriefe. Ist der Sparerfreibetrag (siehe oben) erst einmal überschritten, muss der Gewinn zudem versteuert werden.

Sparbuch

Obschon Finanzmarktexperten immer wieder die Nase rümpfen, erfreut sich das Sparbuch gerade bei älteren Menschen ungebrochener Beliebtheit. Offenbar setzt sich das Bewährte immer noch gegen die niedrige Rendite (zur Zeit meist ein bis 1,5 Prozent) durch. Unter den Begriff Sondersparformen fallen Festzinssparen - Laufzeit: ein bis vier Jahre, fester Zins ab zwei Prozent - und Stufenzinssparen. Letzteres läuft gewöhnlich vier bis sieben Jahre und wartet mit stetig angehobenen Zinsen auf.

Ratensparvertrag

Wer bereit ist, monatlich mindestens vier Jahre lang ab 50 zu sparen, kann einen Ratensparvertrag abschließen, der neben einem Basiszins (etwa 1,5 Prozent) am Ende der Laufzeit durch eine Prämie als Zugabe lockt. Doch Vorsicht: Die Prämie kann nur einstreichen, wer die volle Vertragslaufzeit durchhält.

Festgeld

Etwas mehr Spielraum bietet dagegen Festgeld. Abhängig von Laufzeit (Entscheidungsspanne von einigen Tagen bis mehreren Jahren) und eingezahltem Betrag können auf Festgeld-Konten je nach Leitzins-Niveau derzeit knapp drei Prozent Rendite verdient werden.

Sparbriefe

Drei bis zehn Jahre verpflichten sich Anleger bei Sparbriefen, die mit einer Rendite von zur Zeit gut vier Prozent die Spitzenposition in Sachen Bankeinlagen-Ertrag einnehmen.
(Alle zuvor genannten Zinssätze beziehen sich auf den Stand Januar 2002. Über die aktuellen Zinssätze informieren alle Banken und Sparkassen.)

Bundesschatzbriefe

Bundesschatzbriefe gehören zu den solidesten Anlageformen im mitunter wirren Investment-Dschungel. Bei ihnen können auch spekulationsscheue Anleger mit einer ordentlichen Rendite rechnen, ohne an Flexibilität einzubüßen. Bundesschatzbriefe bieten ein Höchstmaß an Sicherheit, weil in diesem Fall der Staat als Schuldner gerade steht. Wählen kann man zwischen zwei Anlageformen:

Typ A läuft über sechs Jahre und bringt jährlich Zinsen. Ein Jahr mehr Laufzeit und jährlich neu angelegte Zinsen, die am Ende des Vertrages ausgezahlt werden, zeichnen Typ B aus. Steuerhinweis: Zinseinnahmen müssen voll versteuert werden. Dadurch fällt Typ B besonders nachteilig auf, da die Zinsen am Ende auf einen Schlag ausgezahlt werden.

Bausparverträge

Wer irgendwann in seinen eigenen vier Wänden wohnen möchte ohne Miete zu zahlen, könnte ein Anlage-Modell im Bausparen finden. Ein Bausparvertrag (wird von Bausparkassen angeboten) ist im Grunde eine Kombination aus schlechtem Sparvertrag (magere Zinsen, etwas über Sparbuch-Niveau) und günstigem Baudarlehen.