21.05.2015
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Fusion und Übernahme

Fusionen

Fusionen sorgen bei Anlegern immer wieder für ein Kribbeln im Bauch. Denn daran, meinen sie, lässt sich trefflich verdienen. Oft reicht nur ein Gerücht, um den Kurs eines Unternehmens in die Höhe zu treiben. Dabei kommt eine Fusion den betroffenen Unternehmen und damit auch den Anlegern nicht immer zugute.

Prozedere

Grundsätzlich ist eine Fusion der Zusammenschluss von zwei oder mehreren bisher selbstständigen Unternehmen. Sowohl rechtlich als auch wirtschaftlich bilden die Unternehmen künftig eine Einheit.

Für den Vollzug einer Fusion gibt es zwei Möglichkeiten.

In der Praxis häufig: Ein Unternehmen kauft ein anderes und gliedert es ein. Dann bleibt eine der beiden Aktiengesellschaften rechtlich erhalten. Die Aktionäre der anderen Gesellschaft erhalten für ihre Papiere eine bestimmte Anzahl von Aktien der fortgeführten Gesellschaft. Meist geht diese Art der Fusion mit einer Kapitalerhöhung der übernehmenden Aktiengesellschaft einher. Wird die Verschmelzung in das Handelsregister eingetragen, endet die Existenz der aufgenommenen Gesellschaft.

Die Alternative: Beide Unternehmen gründen ein neues Gemeinschaftsunternehmen. In dieses werden dann beide Vermögen der verschmolzenen Gesellschaften eingebracht. Die fusionierenden Gesellschaften geben für das entstehende Unternehmen neue Aktien heraus. Die Altaktionäre der beiden Unternehmen tauschen ihre Papiere dann gegen die neuen Aktien. Nach diesem Verfahren ging beispielsweise Daimler/Chrysler vor.

Fusionieren große Unternehmen, muss dies in Deutschland dem Bundeskartellamt angezeigt werden. Diese Anzeige ist unter anderem erforderlich, wenn durch den Zusammenschluss ein Marktanteil von mindestens 20 Prozent erreicht wird. Nicht immer wird eine Fusion vom Kartellamt genehmigt. So untersagte es im Januar 2002 die Ruhrgas-Übernahme durch E.ON. mit der Begründung, dass Ruhrgas durch seine marktbeherrschende Stellung die Liberalisierung auf den Gasmärkten gefährden könne.

Ziele

Mit einer Fusion können die Beteiligten unterschiedliche Ziele verfolgen. Unter anderem folgende: die Verbreitung der Angebotspalette, Rationalisierung, die Sicherung von Absatzmärkten bzw. Beschaffungsmärkten. Neben steuerlichen Vorteilen kann aber auch die Kostenreduzierung eine Rolle spielen, da größere Unternehmen in der Regel preisgünstiger herstellen können. Der Zusammenschluss verbessert damit die Marktposition.

Probleme

Bei Fusionen zeigt sich immer wieder, dass in den einzelnen Unternehmen unterschiedliche Kulturen herrschen. Oft stellt sich heraus, dass diese sich nur schwer zusammenfügen lassen. Auch personelle Entscheidungen sorgen oft für Konfliktstoff, weil nicht mehr die gesamte Führungsriege bzw. Belegschaft gebraucht wird.

Beispiel Daimler-Chrysler: Beobachter glauben zwar, dass mit der Fusion beträchtliche Kosten gespart werden könnten. Viele meinen aber, dass letztlich die Kulturen der Unternehmen nicht zusammen gepasst hätten.

Eine Fusion sollte, gerade wenn viele beteiligt sind, möglichst schnell vollzogen werden. Letztlich scheiterte deswegen die Fusion zwischen der Deutschen und der Dresdner Bank. Die Verhandlungen dauerten nach Meinung von Beobachtern zu lang.

Aktionäre

Wenn Aktiengesellschaften fusionieren sprechen auch die Aktionäre ein Wörtchen mit. Fusionen werden nur dann wirksam, wenn auf der Hauptversammlung der Betroffenen die Aktionäre mit insgesamt mindestens drei Viertel des vertretenen Grundkapitals zustimmen. Wenn also eine entsprechende Anzahl von Aktionären das Angebot ablehnt, scheitert die Fusion.

Für manche der Aktionäre hätte es sich im nachhinein gelohnt, wenn sie gegen eine Fusion gestimmt hätten. Beispielsweise fällt der Kurs der Daimler-Chrysler Aktie seit zwei Jahren. Immer wieder nährt dieser Fall die Kritik an Großfusionen. Auch die Fusion von Thyssen und Krupp ließ die Herzen der Anleger nicht unbedingt höher schlagen. Im letzten Jahr wurden immerhin drei Gewinnwarnungen ausgegeben. Vielleicht wurde auch deswegen die Doppelspitze des Konzerns abgebaut. Bleibt abzuwarten, ob die Verschlankung des Managements den Börsenwert des Unternehmens erhöht.

Manchmal werden Aktionäre bei Fusionen nicht nur durch fallende Aktienkurse geschädigt. Im Fall der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone ermittelt eine Sonderkommission des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalens. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Mannesmann Klaus Esser und weitere Top-Manager sollen die Übernahme zur eigenen rechtswidrigen Bereicherung genutzt haben. So soll letztlich eine Abfindung in Höhe von 60 Millionen Mark Esser dazu bewogen haben, der Fusion zuzustimmen. Die Bewilligung einer solchen Zahlung seitens des Vodafone-Chefs Chris Gent ist für die Ermittler nicht nachvollziehbar. Insgesamt wurden rund 100 Millionen Mark an Abfindungen gezahlt. Geld, das womöglich jetzt im Unternehmen fehlt. Doch umgekehrt konnten sich die Vodafone-Aktionäre auch freuen. So meldete das Unternehmen im ersten Halbjahr 2001 einen deutlichen Anstieg seiner Gewinne. Analysten prognostizieren dem Unternehmen ein Umsatzwachstum von 5 Prozent im Jahr 2003.

Spekulationen

Gerne spekulieren die Börsianer auf Fusionen. Jüngstes Beispiel sind die Gerüchte über eine Fusion zwischen der HypoVereinsbank und der Commerzbank. Die Anleger spekulierten auf einen Zusammenschluss. So legte die HypoVereinsbank um 6,7 Prozent zu, als es hieß, dass die Münchener Rück ihren Anteil an der Commerzbank auf mehr als 10 Prozent aufgestockt habe. Der Kurs der Commerzbank stieg an dem Tag um 9,54 Prozent.

Private Anleger sollten grundsätzlich vorsichtig sein, wenn ein Unternehmen Fusionabsichten äußert. Nicht immer geht damit automatisch ein Kursanstieg der betroffenen Unternehmen einher. Auch fällt der Kurs schnell wieder nach solchen Ankündigungen. Nur wenn ein Investor ohnehin von zwei Unternehmen überzeugt ist, die nun eine Fusion anstreben, sollte er sein Geld investieren.

Schon gar nicht sollten Anleger auf Fusionsgerüchte reagieren. Solche Gerüchte, die die Kurse in die Höhe treiben können, gibt es immer wieder. Doch oft stellt sich später heraus, dass nichts dran war und der Kurs fällt erneut. Wer dies dann zu spät bemerkt, kann schnell viel Geld verlieren.