21.05.2015
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wissen.de Artikel

Reisetipp: Die Mecklenburgische Seenplatte

Für das strukturschwache Bundesland Mecklenburg-Vorpommern ist sie ein einziger Glücksfall. Denn die Mecklenburgische Seenplatte gehört nicht nur zu den schönsten Gegenden in ganz Deutschland, sondern seit dem Fall der Mauer auch wieder zu einem der attraktivsten Urlaubsziele.

Einzigartige Seenlandschaft

Deutschlands größter Binnensee: Die Müritz.

Deutschlands größter Binnensee: Die Müritz.

Die einzigartige Landschaft mit ihren mehr als 1.000 Seen, Flüssen und Kanälen erfüllt denn auch nahezu alle Erwartungen, die Feriengäste nur mitbringen können. Wanderer und Wassersportler, Kulturinteressierte und Hobbyhistoriker, Naturfreunde, aber natürlich auch Menschen, die einfach mal ausspannen wollen, finden im größten geschlossenen Seengebiet Europas genau das, was sie suchen.

Was nicht bedeuten soll, dass es hier nichts Unerwartetes gäbe. Im Gegenteil. Das in der letzten Eiszeit entstandene Urlaubs- und Erholungsgebiet wartet allerorten mit Überraschungen und immer wieder mit Sehenswürdigkeiten auf, die zum Staunen und Nachdenken anregen. Deshalb bietet eine Rundreise vielleicht die beste Möglichkeit, die ungeheure Vielfalt der Mecklenburgischen Seenplatte ein wenig näher kennen zu lernen.

Neuruppin: Schinkel, Fontane und Wasserski

Neuruppin: Ausflugsschiffe und Backsteingotik.

Neuruppin: Ausflugsschiffe und Backsteingotik.

Wir beginnen unsere Tour nordwestlich von Berlin, in der Geburtsstadt Karl Friedrich Schinkels und Theodor Fontanes. Neuruppin ist - der Fläche nach - die fünftgrößte Stadt Deutschlands und ein echtes Mekka für Wassersportler, die auf den herrlichen Gewässern der Ruppiner Seenkette rudern, paddeln, Wasserski fahren oder surfen können. Doch auch in der ehemaligen Garnisonsstadt selbst gibt es allerhand zu sehen. Etwa die Kühnsche Druckerei, Produktionsstädte der weltberühmten „Neuruppiner Bilderbogen“, die gotische Klosterkirche „St. Trinitatis“, der von Friedrich dem Großen in Auftrag gegebene Tempelgarten oder das im klassizistischen Stil erbaute Heimatmuseum, das die Geschichte der Stadt und Wissenswertes über ihre bekanntesten Bewohner dokumentiert. Und das obwohl sich Theodor Fontane, der seine Heimat in den Mittelpunkt des 1. Bandes der „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ stellte, nicht immer schmeichelhaft über dieselbe äußerte und vor allem die „Öde und Leere“ der militärischen Anlagen kritisierte.

Rheinsberg: Tucholsky und Opernfestival

Beindruckende Barockanlage: Schloss Rheinsberg.

Beindruckende Barockanlage: Schloss Rheinsberg.

Neben Neuruppin hat sich auch Rheinsberg einen Ehrenplatz in der deutschen Literatur gesichert, allerdings nicht so sehr durch Fontane als vielmehr durch Kurt Tucholsky. Der wortgewaltige Zeitkritiker verbrachte hier in jungen Jahren ein offenbar recht erfreuliches Wochenende mit seiner Angebeteten Else Weil, das ihn zu dem Bestseller „Rheinsberg. Ein Bilderbuch für Verliebte“ inspirierte. Die Kurt Tucholsky-Gedenkstätte hat ihren Sitz in dem Wahrzeichen der Stadt, dem mittelalterlichen Schloss Rheinsberg, das im 18. Jahrhundert durch Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff für die Bedürfnisse der preußischen Königsfamilie umgestaltet wurde. Heute sind Gebäude und Parkanlage Schauplatz zahlreicher Kulturveranstaltungen. Höhepunkt ist das internationale Opernfestival unter freiem Himmel, das alljährlich rund 20.000 Besucher anzieht.

Neustrelitz: Naturparadies mit herzoglichem Flair

Romantisch: Allee bei Neustrelitz.

Romantisch: Allee bei Neustrelitz.

Auch im nördlicher gelegenen Neustrelitz gab es einst eine imposante Schlossanlage, in der die Herzöge von Mecklenburg-Strelitz residierten. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges wurde das Gebäude jedoch fast vollständig zerstört, und so finden Besucher heute nur noch die prachtvolle, 1855-59 von F.W. Buttels erbaute Schlosskirche nebst Schlossgarten, Orangerie, Marstall und einer Gedächtnishalle für die Königin Louise vor. Vom quadratischen Marktplatz, den der Turm der großen Stadtkirche überragt, führen acht Straßen sternförmig in alle Himmelsrichtungen in die einzigartige Umgebung von Neustrelitz. Der Zierker See, Teil der Bundeswasserstraße, verbindet die Stadt mit der Müritz, aber auch mit Berlin und Hamburg. Wasserwanderer müssen sich hier wie im Paradies fühlen, und wer das Ganze mal aus einer anderen Perspektive betrachten will, hat dazu am bzw. im Brückentinsee, Krüselinsee oder Tollensesee, einigen der schönsten Tauchplätze der Region, reichlich Gelegenheit.

Die Müritz: Norddeutschlands größter See

Mit einer Fläche von 115 km2 ist die Müritz der größte See Norddeutschlands und auch der größte Binnensee, der im Gegensatz zum Bodensee ausschließlich auf dem Territorium der Bundesrepublik liegt. Äcker und Wälder, idyllisch gelegene Dörfer und Städtchen, Sumpf- und Moorgebiete machen die Müritz zu einem der reizvollsten Landstriche in ganz Europa. Damit das so bleibt, soll der Müritz-Nationalpark dazu beitragen, die hierzulande einzigartige Vielfalt der Flora und Fauna zu bewahren. In dem 315 km2 großen Wald- und Seengebiet wachsen Orchideen, Enzian und Sonnentau, aber auch Fischotter, Sumpfschildkröten, Kraniche, Fisch- und Seeadler haben hier eine seltene Heimstatt gefunden.

Trotzdem ist der Nationalpark, mit Ausnahme bestimmter Kernzonen, keineswegs von der Außenwelt abgeschlossen. Ein umfassendes Wander- und Radwegenetz lädt Besucher ein, die unvergleichliche Landschaft selbst zu erleben - und dann vielleicht auch zu ihrem Erhalt beizutragen ...

Malchow: Klosterkunst und Ostalgie auf der Insel

Westlich der Müritz liegt die letzte Station unserer Rundreise. Die reizvolle Kleinstadt Malchow ist eigentlich eine Insel und nur durch eine Drehbrücke mit dem Festland verbunden. Gerade das macht den Reiz der „Perle der Mecklenburgischen Seenplatte“ aus, die vor allem Wassersportler, aber auch passionierte Wanderer, Radfahrer oder Reiter anzieht. Besucher sollten sich auf keinen Fall die neugotische Klosterkirche mit ihren herrlichen Chorfenstern in Tiroler Glasmalerei entgehen lassen. Aber auch die Klosteranlage des Büßerinnen-Ordens, der Engelsche Garten, die Holländermühle und das ostalgische DDR-Museum sind wenigstens eine Stippvisite wert.