01.06.2015
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wissen.de Artikel

Spaßbäder - Karibische Gefühle unter Kunstpalmen

Wer braucht da noch Urlaub?

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50-Meter-Becken und Dreimeter-Sprungturm - das klassische Hallenbad lockt allenfalls noch Rentner und Leistungssportler, die stur ihre Bahnen ziehen wollen. Fitnessschwimmen im öden Rechteck hat seine Attraktivität verloren. Wellness und Spaßbaden unter Kunstpalmen und Wasserfällen sind angesagt. Wer heute baden geht, will den Alltag vergessen und sich entspannen. In den vergangenen 15 Jahren sind Erlebnisbäder wie Pilze aus dem Boden geschossen. Einen regelrechten Bauboom gab es in den neuen Bundesländern. Kein Wunder, denn Subventionen von EU, Bund und Ländern garantieren bis zu 80 Prozent der Baukosten. Und die haben es in sich. Für einen Umbau konventioneller Anlagen oder den Neubau von Spaßbädern müssen zwischen 10 und 30 Millionen Euro hingeblättert werden. Dafür bekommen Besucher bei subtropischen Temperaturen einiges geboten. Wellenreiten, türkisches Bad, Eisgrotte, Riesenrutsche, Wellness-Massage - inzwischen graben sich die Spaßbäder schon mit immer neuen Attraktionen gegenseitig das Wasser ab.

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Bäder wie die Therme Erding bei München oder die Carolus Therme in Aachen sind etwas für Ruhe- und Erholungssuchende. Heiße Quellen, römische und türkische Bäder, Saunawelten, Fitness- und Wellness-Bereiche mit Massage und Kosmetik bieten Entspannung für Körper und Seele. Die Erdinger haben mit Erlebnis- und Spielbereich auch an die Kinder gedacht, genauso wie die Salztherme Lüneburg, kurz SaLü. Das Sole-Erlebnisbad im Norden schwimmt mit Riesenrutsche, Laser-Diskoshow und Wildwasserkanal auf der Welle der Spaßgesellschaft. Aber die Betreiber haben Fitness-Freunde und Wellness-Suchende fest im Blick. Nach Aqua-Jogging und Fitnesstraining sollen sich Aktive bald in Öl-, Heu- und Aromasauna erholen können.

Auch im Atlantis-Freizeitpark in Neu-Ulm gibt es Fun und Wellness im Doppelpack. Während sich Papa und Mama im marokkanischen Schlammbad aalen und im osmanischen Hamam durchwalken lassen, amüsieren sich die Kinder auf Röhren- und Wildwasserrutschen oder in der Brandung des Wellenbeckens. Das La Ola in Landau macht seinem Namen alle Ehre und produziert auf Wunsch fünf verschiedene Wellenarten in einem Becken. Wer es gruselig mag, erklimmt die Rutsche "Black Hole" und schlittert durch dunkle Welten.

Es vergeht kein Tag, da sich die Badbetreiber nicht neue Attraktionen ausdenken. Das Aqualand in Köln-Niehl veranstaltet regelmäßig Orientalische Saunaabende bis zwei Uhr nachts mit Tanz und Büffet. Langweilig wird es auch an gewöhnlichen Badetagen nicht. Natursole, Jodsprudelbecken und Sauerstofftherapie sollen wie ein Jungbrunnen wirken. Friseur, Kosmetikerin und Boutique kümmern sich um die äußere Erscheinung. Wer nur die Seele baumeln lassen will, atmet sich in Orangen- und Zitrussauna frei oder lässt sich mit Lichttherapie in die richtige Stimmung versetzen.

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Erlebnisparks wie der Stralsunder HanseDom sprengen die Dimensionen eines einfachen Spaßbades. Besucher bringen sich vor dem Bad gerne mit Beachvolleyball, -fußball oder -badminton auf Touren. Wer es ruhiger mag, spielt Minigolf oder Tischtennis. Im 25-Meter-Wettkampfbecken ziehen Sportler ihre Bahnen. Springer haben ein eigenes Becken mit 1-,3- und 5-Meter-Turm. Die Mehrzweckhalle bietet Platz für sämtliche Vereinssportarten, zwei Tennishallen und drei Plätze, Badmintonfelder und Squash-Courts drängen die Wassererlebniswelt beinahe in den Hintergrund, wären da nicht diverse Highlights: Thermenlagune, Wellenbecken, Kamikaze-Rutsche und Wildwasserkanal. Und weil das komplette Programm nicht an einem Tag zu schaffen ist, schließt sich gleich ein Hotel mit 218 Betten, nebst Restaurant und Konferenzräumen an.

Das Geschäft blüht nicht mehr so wie vor wenigen Jahren. Manches Bad hat Pleite gemacht und nicht nur das. Auch gesundheitlich herrscht mancherorts dicke Luft, wie eine Stichprobe der Zeitschrift Ökotest aus dem Jahr 2000 ergab. Die Tester wiesen in elf von zwölf getesteten Bädern krebserregendes Chloroform in der Luft nach. Die meisten Bäder reagierten daraufhin prompt und verbesserten ihre Lüftung. Mehr Informationen über Standorte und das Angebot von etwa 200 deutschen Erlebnisbädern finden Sie z.B. im Internet.