21.05.2015
Total votes: 315
wissen.de Artikel

Bulgarien: Mehr als schwarzes Meer

Sonnenstrand für Kinder-Fun

Hundert Meter breit und fast sechs Kilometer lang: Der Sonnenstrand der bulgarischen Schwarzmeerküste ist ein Urlaubsparadies ganz besonders für Kinder. Feinsandige Strände fallen flach ins Wasser ab, selbst mehr als hundert Meter vom Ufer entfernt kann man noch bequem stehen. Ideale Bedingungen zum Spielen und Sandburgen bauen, zum Umhertollen und Plantschen. Und zwar mit großer Ausdauer, denn der Sonnenstrand trägt seinen Namen zu Recht. Bis zu elf sonnige Stunden pro Tag gibt's hier im Sommer, dazu wohlige 24 Grad Wassertemperatur.

Das Schwarze Meer ist ganz und gar nicht schwarz, sondern zumeist glasklar und von sehr guter Wasserqualität. Dank des geringen Salzgehalts kann man auch einmal einen großen Schluck nehmen. Das Schwarze Meer unterscheidet sich vom benachbarten Mittelmeer aber nicht nur durch den Salzgehalt, sondern auch durch die hier nur sehr schwach ausgeprägten Gezeiten. Das Meer an der bulgarischen Ostküste ist ein hervorragendes Terrain für Wassersportler jedweder Couleur - ob Windsurfer, Segler oder Taucher.

Zwischen Party und Tradition

Weil die Region mit besonders günstigen Preisen lockt, ist hier mittlerweile Party XXL angesagt. Wo ein komplettes Hauptgericht für zwei Euro zu haben ist und ein halber Liter Bier rund 80 Cent kosten, hat die Ballermann- und Disco-Fraktion ein neues Zuhause gefunden. Wer Vergnügen sucht und Geiz geil findet, erlebt an Bulgariens Ostküste ereignisreiche Tage. An den kilometerlangen Gestaden gibt es aber immer wieder beruhigte Zonen, an denen man dem Trubel entgehen kann.

Nördlich des Sonnenstrands liegt der nach seinem Hauptort benannte Goldstrand. Mit "nur" vier Kilometern weniger ausladend, aber nicht weniger attraktiv. Lang gestreckte Promenaden laden auch hier zum entspannten Schlendern ein. Nach Jahren kommunistischer Misswirtschaft erblühen nun wieder die traditionsreichen Seebäder - etwa das Heilbad Albena oder Bulgariens ältestes Seebad, Sveti Konstantin i Elena. Auf den Terrassen heller Kalksteinfelsen liegt Baltschik, die "weiße Stadt", eines der malerischsten Seebäder Bulgariens. Durch romantische Gassen führt der Weg hinunter zum kleinen Stadthafen. Sehenswert: Der ehemalige Sommersitz von Maria, Königin von Rumänien, im heutigen Botanischen Garten, das Sommertheater und die Kirche Sweti Nikolaj, in der regelmäßig bemerkenswerte Kunstausstellungen stattfinden.

Weltkulturerbe auf dem Balkan

Im Norden Donau und Rumänien, im Osten das Schwarze Meer, im Süden Türkei und Griechenland, im Westen Jugoslawien und Mazedonien. Rund zwei Flugstunden von Frankfurt entfernt, liegt der Balkanstaat Bulgarien an der Schnittstelle von Orient und Okzident. Dichte Wälder und zahlreiche Flüsse bestimmen die Topographie. Im Westen des Landes herrscht mitteleuropäisches Klima, im Süden und an der Schwarzmeerküste gibt es nahezu mediterrane Bedingungen.

 

In den Siebziger Jahren wurden eine Reihe bulgarischer Natur- und Kulturdenkmäler von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Darunter etwa das kleine Städtchen Nessebar in Sichtweite des Sonnenstrands. Griechische Siedler errichteten hier den Handelsplatz Mesambria, der bis ins Mittelalter zu einer der wichtigsten Zentren am Schwarzen Meer zählte. Von der Konkurrenz mit dem mächtigen Byzanz zeugt der "Reiter von Madara" westlich von Varna, im achten Jahrhundert in 23 Meter Höhe aus einer senkrechten Felswand herausgemeißelt und zugleich das einzige frühmittelalterliche Monumentalrelief in Europa. Rund 600 Hektar umfasst das Naturschutzgebiet Srebarna an der Donau mit vielen seltenen Vogelarten, etwa den vom Aussterben bedrohten Krauskopfpelikanen, die hier seit Jahrhunderten nisten.

Herzhafte Speisen, herausragende Weine

Wer die türkische Küche schätzt, wird auch die bulgarische mögen. Sie ist pikant und herzhaft, bodenständig und vielseitig. Besondere Leckerbissen: Kalte Joghurtsuppe mit Gurken, gefüllte Paprikaschoten und Auberginen und Kebapcheta, markant gewürzte Fleischröllchen. Ein Klassiker: Der Shopska Salat mit Tomaten, Pfefferschoten und Schafskäse. Dazu frisches Brot, diverse Käse und Loukanka, eine luftgetrocknete Wurst. Ebenfalls beliebt: Bansko Kapama, ein Eintopf mit Fleisch und Gemüse, und Dobroudjanska Banitsa, eine Suppe aus Donaufischen und Miesmuscheln.

Die Zeiten klebrig-süßer Traubensäfte sind mittlerweile Geschichte, heutzutage produzieren bulgarische Winzer ausgezeichnete Weine. Im Norden des Landes werden vorwiegend weiße gekeltert, im Süden dominiert der Rote. Das staatliche Weingut Ewksinograd am Schwarzen Meer ist nicht nur für herausragende Weine, sondern auch für seinen Brandy und Cognac bekannt.

Sofia: Die Kirche der heiligen Weisheit

Die bulgarische Hauptstadt blickt auf eine mehr als 3.000-jährige Geschichte zurück. Neben vielen historischen Zeugnissen bietet die Metropole bemerkenswerte Architektur aus der Blütezeit des Landes in den ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts. Schon in der Antike war Sofia bekannt für seine Mineralwasserquellen. Öffentlich sprudelt das gesunde Nass im Zentrum und in den Stadtvierteln Gorna Bania, Bankia, Ovcha, Kniazevo und Ivaniane.

Auf Grund der strategisch günstigen Lage zwischen Konstantinopel und Mitteleuropa war die Stadt immer wieder Ziel von Angriffen, unter anderem hunnischen Plünderungen im fünften Jahrhundert, bei welchen Sofia weitgehend zerstört wurde. Die wiederaufgebaute Stadt avancierte zu einer der bedeutendsten Festungen des Byzantinischen Reiches auf dem Balkan. Im 14. Jahrhundert erhielt Sofia seinen Namen, der sich wahrscheinlich von der Kirche der heiligen Weisheit (Sveta Sofia) herleitete.

(H&A medien/Paul Balthasar)