01.06.2015
Total votes: 76
wissen.de Artikel

Open Source-Programme – eine Alternative

Es muss nicht immer das teure Software-Paket von Microsoft sein. Im Internet tummeln sich in virtuellen Arbeitsgemeinschaften Programmierer aus der ganzen Welt, die an so genannten "Open Source"-Anwendungen tüfteln. Bei solchen Programmen wurde deren Quellcode irgendwann einmal frei ins Netz gestellt. Nun können sie von jedem Programmierkundigen verbessert, nach eigenen Bedürfnissen umgeschrieben und wieder im Internet veröffentlicht werden.

Freie Software

Dieses Bild ist leider nicht verfügbar. - wissen.de

Was viele Surfer nicht wissen, der Apache Webserver wird am Internet am häufigsten benutzt - und ist ein Open-Source-Projekt. Zu den bei Anwendern bekanntesten "Open Source"-Produkten gehören der Browser "Mozilla" oder "Open Office", nicht zu vergessen das Betriebssystem Linux, das inzwischen auch in Behörden eingesetzt wird. In der Regel sind Open-Source-Programme und ihre Updates kostenlos - von den Online-Gebühren einmal abgesehen, die beim Download der Software anfallen.

Um den Begriff der freien Software ranken sich einige Missverständnisse, auch wenn sich Entwickler auf Web-Plattformen wie www.gnu.org redlich Mühe geben, diese auszuräumen. An dieser Stelle ein Insider-Zitat: „»Freie Software« hat etwas mit Freiheit zu tun, nicht mit dem Preis. Um das Konzept zu verstehen, ist an »frei« wie in »freier Rede«, und nicht wie in »Freibier« zu denken.“

Was bedeutet das in der Praxis für den Anwender? Wer die Diskussionen zum Kopierschutz verfolgt, wird es zu schätzen wissen, dass freie Software beliebig eingesetzt, kopiert und weitergegeben werden darf.

Zum Vergleich: Bei so genannter Freeware, d.h. kostenloser Software, ist das nicht prinzipiell der Fall, sondern hängt von den Lizenzbedigungen des Autors ab. Auch der Quellcode muss nicht zugänglich sein.

Die Offenlegung des Quellcodes stellt dagegen das Grundprinzip der Open-Source-Software dar. Der Begriff bedeutet nichts anderes als „offene Quelle“.

Auf der Suche nach mehr Individualiät

Geboren wurde die Idee der “freien Software irgendwann Anfang der 1980er Jahre, als zahlreiche Programmierer darüber brüteten, wie vorhandene Software nach eigenen Anforderungen weiterentwickelt werden könnte. Die Entwickler standen damals allerdings vor zwei großen Hürden: Erstens fehlte ihnen der Quellcode der kommerziellen Software, der zur Abänderung und Weiterentwicklung nötig ist, und zweitens fehlte den Programmierern schlicht und einfach die juristische Genehmigung z.B. an Bill Gates Frühformen von Word oder DOS feilen zu dürfen.

Schließlich fand der US-Amerikaner Richard Stallman 1983 eine wegweisende Lösung: Er gründete in den USA die “Free Software Foundation, die sich zum Ziel setzte, freie Software zu entwickeln, die zum schon damals sehr komplexen, aber äußerst stabilen und ausbaufähigen Betriebssystem UNIX kompatibel sein sollte.

Wissensaustausch über Newsforen

Die “Free Software Foundation entwickelte sich schnell zu einem der ersten Online-Projekte und das über 15 Jahre vor Geburt der New Economy: Programmierer zwischen Los Angeles und Istanbul tauschten ihr Wissen und neue Entwicklungen der Quellcodes über Usenet-Newsgroups aus. So erreichten die nicht-kommerziellen Software-Entwickler eine große Online-Gemeinde, die nahezu ständig an in der Praxis auftretenden Problemen tüftelte. Wenn einem Entwickler in Istanbul ein Bug in einer Open-Source-Software auffiel, teilte er es per Usenet dem Forum mit und fand häufig eine Nacht später eine “gereinigte Version in den Newsgroups. Auch heute noch können sich Anwender, z.B. der Linux-Software, fast täglich eine neue Version des Herzstücks des nicht-kommerziellen Operating Systems, den Kernel, herunterladen.

Linux als Ansporn

Nicht-kommerziell bedeutet allerdings auch, dass die Entwickler in der Vergangenheit und in der Regel noch heute höchstens Anerkennung für ihre Mühen ernten. Statt Geld treibt Open-Source-Programmierer auch die Möglichkeit an, mit einem neuen Code weltweiten Ruhm zu ernten - und vielleicht so berühmt zu werden wie Linus Torvalds.

Der Linux-Erfinder begann 1991 nach Vorbild der "Free Software Foundation", ein eigenes UNIX-kompatibles System zu basteln. Er deklarierte seine Version, die er "Linux" taufte, als allgemein zugänglich, indem er sie unter die so genannte "General Public License" stellte, die alle Open Source-Programme gemeinsam haben. Getreu den Gepflogenheiten der "Free Software Foundation" bat Torvalds übers Internet Programmierer aus der ganzen Welt, ihm bei der Weiterentwicklung seines UNIX-Systems zu helfen.

GPL: Was steckt dahinter?

Auch wenn das Ziel der “Free Software Foundation lautet, freie Software zu schreiben, gilt es trotzdem, die Freiheit dieser Software rechtlich zu schützen. Bei der “offenen Software erlaubt die Stallmans Foundation zwar jedem, Open Source Programme zu vervielfältigen, zu verbessern und wieder zu verbreiten. Allerdings muss sich ebenfalls jeder Open Source-Entwickler an die “General Public License (GPL) binden, die besagt, dass alle Veränderungen und Verbesserungen an Open Source-Software stets “offen verbreitet und nicht kommerzialisiert werden sollen.

Trotzdem sind Open Source-Projekte nicht immer völlig kostenlos. Für einige Distributionen wird manchmal eine Bearbeitungs- oder Vertriebsgebühr verlangt, die sich aber preislich in aller Regel im Rahmen hält.

“The Gimp für die Bilder

Mittlerweile sind im Internet und im Fachhandel zahlreiche andere Software-Pakete erhältlich, die eine GP-Lizenz tragen. Dies gilt zum Beispiel für die Bildbearbeitungssoftware "The Gimp": Sie wird bei zahlreichen Linux-Distributionen automatisch mitgeliefert, ist aber ebenfalls für Windows oder Mac OS X im Netz erhältlich.

"The Gimp" ist ein nicht-kommerzielles Pendant der Profi-Bildbearbeitungssoftware Photoshop aus dem Hause Adobe. So wird mit einer ähnlichen Logik wie bei Photoshop gearbeitet, aber für Anwender ohne Unix-Erfahrung ist das User Interface gewöhnungsbedürftig. Ein offizielles Online-Tutorial hilft Einsteigern weiter. In jedem Fall kann sich die Einarbeitung lohnen, nachdem Photoshop rund 1000 Euro teurer ist - und die Updates kommen noch hinzu.

Open Office Konkurrenz für Microsoft?

Seit Jahren versuchten Software-Unternehmen Microsofts Office-Monopol auf dem Markt zu brechen - bislang erfolglos. Doch das US-Software-Unternehmen SUN bietet jetzt ein Office-Paket an, das auf demKern von Star Office basiert: Open Office kann sowohl von Privat- als auch von Geschäftskunden gratis aus dem Internet heruntergeladen werden - MS Office kostet dagegen rund 700 Euro.

Im Jahr 2000 hatte Sun den Quellcode von Star Office freigegeben, der 18 Monate lang von circa 10 000 Programmierern freiwillig weiterentwickelt wurde, bis die Developer ihr 54 MB großes Ergebnis, das auf Windows-, Linux- und bald auch auf Mac-Rechnern läuft, stolz im Netz präsentierten.

Open Office mit den Modulen "Writer" (Textverarbeitung), "Calc" (Tabellenkalkulation), „Math“ (Formel-Editor), "Impress" (Präsentationswerkzeug), „Draw“ (Zeichnungen) besticht unter anderem durch Rechtschreibprüfung, Wortergänzung und die Import-Möglichkeit von MS Office-Dateien. Zwar erscheint Open Office in einem etwas anderen Gewand auf dem Monitor als der große Konkurrent von Microsoft , doch nach kurzer Zeit ist der Benutzer mit dem alternativen Interface vertraut.

Stabile Browser-Alternative Mozilla

Als Microsoft den Internet Explorer kostenlos zugänglich machte, schien er auf dem Weg zur Monopolstellung und der altbekannte Netscape Navigator so gut wie gestorben.

Nachdem Netscape im Jahr 1998 die Version 5 des Browers nicht mehr selbst zu Ende bringen wollte, stellte die Firma den Quellcode des Browsers der Open Source Gemeinde zur Verfügung und begründete das so genannte Mozilla-Projekt. Mozilla und der heutige Netscape Navigator haben die selbe Code-Basis, nur wird der Netscape Navigator vom Hersteller eigenen Vorstellungen angepasst.

So sind die zwei Browser auf unterschiedliche Bedürfnisse zugeschnitten, bieten beide weitaus mehr Sicherheit vor Computerviren als der Internet-Explorer und stellen eine echte Alternative für die Surfer dar.

Buch-Tipps

Online bestellen:

Axel Metzger & Till Jäger: Open Source Software