21.05.2015
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Pinakothek der Moderne

Ein Rundgang durch die Pinakothek der Moderne

Seit September 2002 gehört München mit der Pinakothek der Moderne zur ersten Liga der europäischen Kunststädte. Das Bauwerk des Architekten Stephan Braunfels wird in einem Atemzug mit den großen Kunstmuseen der Welt der Tate Modern in London, dem Centre Pompidou in Paris oder dem Museum of Modern Art in New York genannt. Die Pinakothek beherbergt vier Sammlungen aus den Bereichen Kunst, Grafik, Design und Architektur des 20. Jahrhunderts.

Wo anfangen angesichts der opulenten Fülle von Kunstschätzen? Am besten beginnt der Besucher im Erdgeschoss und genießt zunächst den Blick von der Rotunde in die lichtdurchflutete Kuppel.

Grafik

Alfred Otto Wolfgang Wols (1913-1951); Ohne Titel, 1942/45; © Pinakothek der Mod

Alfred Otto Wolfgang Wols (1913-1951); Ohne Titel, 1942/45; © Pinakothek der Moderne, München

Zwischen Kasse und Auditorium führt der Weg in die Grafik-Sammlung, die mit berühmten Blättern nicht allein das 20. Jahrhundert abdeckt: El Greco, Mantegna, Raffael und Tizian sind hier ebenso zu finden wie die Künstler der "Brücke" und des "Blauen Reiters". Picasso, Kirchner, Klee, Marc, Magritte, auch Grafiken von Beuys, Polke, Kooning oder Naumann sind hier ausgestellt. Doch insgesamt hat nur eine kleine, wohl abgestimmte Auswahl der rund 400.000 Blätter Platz, die in den Depots der Staatlichen Grafischen Sammlung lagern.

Architektur

Raum 3 des Architekturmuseums – Exempla aus vier Jahrhunderten..jpeg

Raum 3 des Architekturmuseums – Exempla aus vier Jahrhunderten. © Pinakothek der Moderne, München

In einem Seitentrakt des Erdgeschosses hat das Architekturmuseum der Technischen Universität München, das größte seiner Art in Deutschland, sein Schaufenster eingerichtet. Anhand von 50 Beispielen ist hier dargelegt, wie neue Konstruktionen die Gestaltung von Räumen ermöglichen. Moderne Architektur wird so verständlich und anschaulich: Am Beispiel des Münchner Glaspalastes, an der Kuppel eines Richard Buckminister Fullers oder am Seilnetz des Münchner Olympiastadions (Büro Behnisch). Gezeigt werden Bausysteme und Konstruktionen von berühmten Architekten wie Le Corbusier, Peter Zumthor, Greg Lynn oder Daniel Libeskind, der u.a. das Jüdische Museum in Berlin gebaut hat.

Auch das Architekturmuseum hat Mühe, aus den 350.000 Zeichnungen von 700 Architekten eine Auswahl zu treffen. Hinzu kommen 100.000 Fotografien und 500 Modelle, die in Wechselausstellungen dem Publikum nach und nach vor Augen geführt werden.

Staatsgemäldesammlung

Künstlerraum Georg Baselitz; © Pinakothek der Moderne, München.jpeg

Künstlerraum Georg Baselitz; © Pinakothek der Moderne, München

Im Obergeschoss, in den wohl schönsten Räumen unter transparenten Glasdächern, sind die Schätze der Staatsgemäldesammlung ausgestellt. Den Anfang markiert Olaf Metzels bunte Säule "Die Reise nach Jerusalem". Östlich und westlich der Rotunde haben die großen Künstler des 20. Jahrhunderts eigene Räume erhalten: Angefangen mit den Malern der "Brücke" um Kirchner, Hecke oder Nolde.

Wer will, kann die Entwicklungsgeschichte der Malerei nachvollziehen, indem er chronologisch die Hauptwerke des Kubismus, Futurismus oder der Neuen Sachlichkeit studiert. Einer der Höhepunkte der Pinakothek überhaupt ist der Max-Beckmann-Saal, der spektakuläre Erwerbungen zeigt, etwa das Triptychon "Die Versuchung des Hl. Antonius". Direkt neben Beckmanns expressiven Porträts hat Pablo Picasso einen eigenen Saal erhalten und so hat der Besucher die Chance, zwei der größten Maler des vergangenen Jahrhunderts zu vergleichen. Die Sammlung Wormland präsentiert eine weitere Auswahl von Werken des Expressionismus.

Auch Joseph Beuys ist mit Objekten, Bildern und dem "Basaltblock-Rudel" (Süddeutsche Zeitung) mit Namen “Das Ende des 20. Jahrhunderts“ gut vertreten. Die Zeit von 1950 repräsentieren Baselitz, Jeff Wall, Flavin, Fontana oder junge Gegenwartskünstler, die allerdings eher sparsam und wohl dosiert vorkommen.

Design

Vom Funktionalismus zur Weltraumeuphorie: Designpositionen der Sixties; © Pinako

Vom Funktionalismus zur Weltraumeuphorie: Designpositionen der Sixties; © Pinakothek der Moderne, München

Auch für das Untergeschoss, in dem "Die Neue Sammlung" für Design und angewandte Kunst untergebracht ist, benötigt der Besucher eigentlich einen ganzen Tag. "Die Neue Sammlung" zählt zu den führenden Museen seiner Art im Bereich "Industrial Design" ist es wohl das international bedeutendste.

Seit der Gründung im Jahr 1925 war die Design-Sammlung in einem Provisorium untergebracht. Deshalb war die Eröffnung der Pinakothek der Moderne für Direktor Florian Hufnagel ein außergewöhnlicher Tag. Hufnagel hat in den vergangenen Jahrzehnten überall auf der Welt Design-Raritäten aufgetrieben und die Sammlung mit teilweise kuriosen Neuerwerbungen systematisch erweitert. Zu den schönsten Stücken zählen Wohndesigns, Bauhaus-Prototypen, sagenhafte Automobile wie Flaminio Bertonis Citroen DS 19, aber auch viele Alltagsgegenstände bis hin zum modernen Handy oder Jogging-Schuh.

Am Anfang waren die Stifter

Das Perpetuum Mobile der Gegenwart; © Pinakothek der Moderne, München.jpeg

Das Perpetuum Mobile der Gegenwart; © Pinakothek der Moderne, München

Noch vor zehn Jahren glaubten nur kühne Visionäre, dass das 120 Millionen Euro teure Museum für moderne Kunst jemals Wirklichkeit werden würde. Noch dazu in einer so günstigen Lage in der Münchner Maxvorstadt und in unmittelbarer Nachbarschaft zu den beiden großen Kunsttempeln der Stadt: der Alten Pinakothek des königlichen Baumeisters Leo Klenze (1836 eröffnet) und der Neuen Pinakothek von Alexander von Brancas (1986).

Ursprünglich sollte auf dem Gelände der einstigen Türkenkaserne eine Fakultät der Technischen Universität München errichtet werden. Doch Bayerns damaliger Kunst- und Wissenschaftsminister Hans Zehetmair (CSU) stoppte die Pläne in letzter Minute. Die Staatsregierung wollte wegen der sich abzeichnenden Finanznot 1993 den Bau aber nur in die Wege leiten, wenn sich private Sponsoren mit einem Anteil von mindestens zehn Prozent an den Baukosten beteiligten. Dies gelang auf eindrucksvolle Weise: Umgerechnet rund 13 Millionen Euro steuerte die "Stiftung Pinakothek der Moderne" bei, ohne deren Initiative der Bau wohl nie realisiert worden wäre.

Im Grunde haben die Spender und Mäzene aber auch gleich den Inhalt für das Museum mitgeliefert. Viele Kunstwerke konnten nur gekauft werden, weil Privatleute insbesonders der Staatsgemäldesammlung großzügige Schenkungen machten. Allein das Künstlerehepaar Sofie und Emanuel Fohn steuerte einst 30 Gemälde, 120 Druckgrafiken und 220 Zeichnungen und Aquarelle bei; der Wittelsbacher Herzog Franz von Bayern stellte sich ganz in die Tradition seiner königlichen Vorfahren, indem er seine schönsten Gemälde der Öffentlichkeit zugänglich macht.

Besuch des Museums

Öffnungszeiten:
Täglich außer Montag 10-17 Uhr
Donnerstag, Freitag 10-20 Uhr

Eintritt:
Tageskarte 9 Euro / ermäßigt 5 Euro
Freier Eintritt an Sonntagen

Kontakt

Pinakothek der Moderne
Kunstareal München, Barer Straße 40, 80333 München
Telefon: (089) 23805-360
EMail: info@pinakothek.de