21.05.2015
Total votes: 219
wissen.de Artikel

60 Jahre BILD-Zeitung

Bild Dir Deine Meinung!

Der Titel BILD steht für einen einzigartigen Erfolg in der deutschen Mediengeschichte. Bild war lange Europas größte Tageszeitung. Die üppig bebilderte Zeitung erschien erstmals vor 60 Jahren, am 24. Juni 1952, mit einer Startauflage von 455 000 Exemplaren. Das Boulevard-Blatt überschritt schon nach ein paar Monaten die Millionengrenze und erreichte in den 80er Jahren mit 5,4 Millionen sein Auflagenhoch. Noch heute ist BILD die meistverkaufte Tageszeitung in Deutschland, auch wenn die Auflage in den letzten Jahren zurückging und heute bei ungefähr drei Millionen verkauften Exemplaren täglich liegt. Ob in der Straßenbahn oder der Frühstückspause in der Fabrikhalle, “die mit den großen Buchstaben erreicht mit ihrer kompakten und lesefreundlichen Aufmachung noch immer die Menschen. Und hat bereits die ein oder andere Debatte vom Zaun gebrochen.

 

Die gedruckte Antwort auf das Fernsehen

Axel Springer, Gründer des gleichnamigen Verlagshauses in Hamburg, revolutionierte 1952 mit der BILD-Zeitung die deutsche Medienlandschaft (Aufnahme von 1954).

Axel Springer, Gründer des gleichnamigen Verlagshauses in Hamburg, revolutionierte 1952 mit der BILD-Zeitung die deutsche Medienlandschaft (Aufnahme von 1954).

Die ebenso nahe liegende wie geniale Idee zu dem neuen Produkt hatte der damals schon größte Verleger Deutschlands, Axel Springer. Er krabbelte im Frühjahr 1952 auf allen Vieren durch das Wohnzimmer seines Hauses an der Elbe. Umgeben von Schere, Kleistertopf, Presseausschnitten, Schlagzeilen, Fotos und Zeichnungen war er dabei, eine neue Zeitung zu erfinden. “Wir sollten mal eine Zeitung machen, die nur Stoffe veröffentlicht, die 90 Prozent aller Leser interessieren, schlug er seinem Teilhaber vor. Der neue Titel sollte vor allem als “gedruckte Antwort auf das Fernsehen den Anforderungen des optischen Zeitalters genügen. Springer dienten Englands Massen-Zeitungen als Vorbild. Rot wurde zur Markenfarbe bestimmt und das Wichtigste der Preis auf 10 Pfennig festgelegt.

 

Feindbild der Linken: Ein Blatt als Politikum

Dunkles Kapitel in der BILD-Historie: Nach dem Attentat auf Rudi Dutschke boykottierten zahlreiche Demonstranten die Auslieferung der BILD und bezeichneten den Axel Springer Verlag als “Zentrum der systematischen Hetzkampagne gegen politische Minderheiten”.

Dunkles Kapitel in der BILD-Historie: Nach dem Attentat auf Rudi Dutschke boykottierten zahlreiche Demonstranten die Auslieferung der BILD und bezeichneten den Axel Springer Verlag als “Zentrum der systematischen Hetzkampagne gegen politische Minderheiten”.

In seinen Grundsätzen bekennt sich der Springer-Verlag unter anderem zur “Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen und zum “freiheitlichen Rechtsstaat Deutschland. Der Verleger dazu: “Hätte es BILD gegeben, wäre Hitler nicht gekommen. Die Macher wollten zudem stets, dass BILD als “Zeitung des kleinen Mannes gesehen wird. Auch deshalb sollte die Mischung aus Information und Unterhaltung vor allem das Gefühl ansprechen.

Kanzler Konrad Adenauer formulierte einst bezeichnend, er lese BILD, “weil ich als einfaches Gemüt immer sofort verstehe, was gemeint ist. Doch neben Erbaulichem rückten schnell auch Sex and Crime ins Blatt. Im Laufe der 60er Jahre entwickelte sich die Zeitung zudem zum Instrument des politischen Kreuzzuges von Verlag und Verleger. Springer trat als Vorkämpfer der Wiedervereinigung und Anti-Kommunist hervor.

BILD und der Springer-Verlag schürten mit dumpfen Parolen den Volkszorn gegen die rebellierenden Studenten der 68er-Generation und wurden schnell zum Feindbild der linken Szene und akademischen Elite. Unter anderem wurde dem Springer-Verlag eine Mitverantwortung für das Attentat auf den Studentenführer Rudi Dutschke im Jahr 1968 zugesprochen. Der Konflikt gipfelte in Parolen (“Enteignet Springer!), Bomben- und Brandanschlägen sowie viel beachteten Anti-Bild-Publikationen (Bölls “Verlorene Ehre der Katharina Blum oder Wallraffs “Aufmacher). Nach Jahren harter Auseinandersetzungen hatte BILD 1971 fast eine Million an Auflage verloren.

 

Boulevard pur: Kampagnen und Schlagzeilen

Das erste Titelblatt der BILD: “Deutschlands modernste Zeitung” besticht vor allem durch populäre Themenauswahl, kurze Texte und zahlreiche Fotos.

Das erste Titelblatt der BILD: “Deutschlands modernste Zeitung” besticht vor allem durch populäre Themenauswahl, kurze Texte und zahlreiche Fotos.

Gleichwohl fanden die Redaktionsteams um die häufig wechselnden Chefredakteure, darunter namhafte wie Peter Boenisch, immer wieder geeignete Mittel, um dem Blatt zur Beachtung zu verhelfen. Unter anderem schuf sich BILD nach amerikanischem Muster auch eigene Nachrichten durch Kampagnen: So kippte mit dem Aufruf “Schluss mit der Post-Diktatur! gegen Postminister Richard Stücklen indirekt der Bundestagsbeschluss zur Gebührenanhebung. “BILD artikulierte und kanalisierte den Volkszorn und lenkte ihn auf ein bestimmtes Ziel, heißt es zu solchen und ähnlichen Kampagnen in der Festschrift “50 Jahre Axel Springer Verlag.

Auch journalistische Kabinettstückchen verbinden sich mit dem Namen der BILD: Unvergessen ist die Mondlandungs-Schlagzeile “Der Mond ist jetzt ein Ami, die in Prägnanz und Kürze (kein Wort länger als fünf Buchstaben!) Boulevardblatt-Maßstäbe setzte. Kanzler Helmut Kohl wurde als “Der Umfaller bezeichnet, illustriert mit einem von der Senkrechten in die Horizontale gebrachten Ganzkörper-Foto und auch die Schlagzeile "Wir sind Papst" aus dem Jahre 2005 ist vielen noch gut im Gedächtnis. In der Euphorie des Mauerfalls erschien die BILD, viele werden sich erinnern, zudem mit Schwarz-rot-goldenem Titel (“Guten Morgen Deutschland. Es war ein schönes Wochenende).

Aktionen dienten als weiteres Instrument der Leser-Bindung: “Ein Herz für Kinder-Aufkleber pappten ab 1978 millionenfach an Autos, und mit dem Glücksspiel “Bingo schnellte die Auflage 1982 auf über fünf Millionen.

 

Die Armut des Millionenerben

Für Schlagzeilen und Storys nahmen es die BILD-Journalisten dabei mit der Wahrheit häufig nicht so genau, was für einige Zeitungsenten sorgte (“Juhnke: 17 Millionen von Stahlerbin; kurz darauf: “17-Mio-Juhnke wieder arm). In einem ZEIT-Interview (1980) wird Axel Springer so zitiert: “Wie oft leide ich, wenn ich morgens die BILD-Zeitung lese. In Hunderten von Briefen beschwor ich die Chefredaktion, alles zu unterlassen, was gegen die Würde des Menschen verstößt.

In der Praxis jedoch setzt BILD eher auf verkaufsfördernde Schlagzeilen um jeden Preis. Vielfach wurde das Blatt vom Deutschen Presserat gerügt.

 

BILD: Marke und Meilenstein

Blick auf das Verlagshaus des Axel Springer Verlags in Hamburg

Blick auf das Verlagshaus des Axel Springer Verlags in Hamburg

Trotz der gelegentlich zweifelhaften Haltung und Meinungsmache des Blattes (“BILD Dir Deine Meinung!): Mediengeschichtlich und wirtschaftlich gesehen ist die Zeitung ein Meilenstein und eine bedeutende Marke. 95 Prozent aller Deutschen kennen BILD. Kein Wunder also, dass der Verlag unter der Dachmarke BILD zur so genannten Line-Extension ansetzte und weitere Erfolgstitel schuf: Bild am Sonntag, Bild der Frau, Auto Bild, Sport Bild, Bild-Woche und Computer Bild.