21.05.2015
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wissen.de Artikel

Zeitmanagement für junge Eltern

“Überlebens-Tipps für Mütter

Ist das erste Kind da, ändert sich im Leben der frischgebackenen Eltern alles.

Ist das erste Kind da, ändert sich im Leben der frischgebackenen Eltern alles.

“Gute Mütter sind in den ersten Monaten schlampig auf diese einfache Formel bringen die beiden Ratgeber-Autoren Steve und Sharon Biddulph ihre “Überlebens-Tipps für die Zeit nach der Geburt. Erziehungs-Experten aus Deutschland sehen das ähnlich: Eltern sind nicht nur Mutter und Vater, sondern auch Geliebte und Geliebter, Frau und Mann mit eigenen Bedürfnissen.

Netzwerk hilft im Alltagsstress

Die Strategie für diese erste schwierige Phase zu dritt heißt nicht, alles möglichst perfekt zu machen, sondern auch mal bewusst etwas liegen lassen zu können. “Ich habe manchmal tagelang nur Schokolade und Tütensuppe gegessen, berichtet Xenia Frenkel ohne falsche Scham.

Die Journalistin und Sachbuchautorin aus München besitzt einige Erfahrung in Sachen Familien-Management: Sie hat zeitgleich studiert, gearbeitet und vier Kleinkinder versorgt. “Ohne ein funktionierendes Netzwerk wäre es nicht gegangen, sagt Frenkel im Rückblick. So habe sie nie mit einem genervten Baby im Schlepptau durchs Kaufhaus ziehen müssen, das Einkaufen habe sie sich stets mit einer Freundin geteilt. “Eine Woche bin ich losgegangen, die andere sie. Und weil sie die Kinder gut aufgehoben wusste, habe zum Großeinkauf immer auch das gemütliche Kaffee trinken und der Gang ins Kino gehört.

Zeit nehmen für wichtige Dinge

Babybetreuung im Wechsel: Sowohl Papa als auch Mama brauchen mal eine Auszeit.

Babybetreuung im Wechsel: Sowohl Papa als auch Mama brauchen mal eine Auszeit.

Nur mit Liebe und Hingabe allein lässt sich ein Familienalltag nicht organisieren und die dringend benötigte Aus-Zeit für den Vater oder die Mutter erst recht nicht. Gerade beim ersten Kind glauben viele Eltern allerdings, mit etwas gutem Willen werde sich schon alles fügen, sagt Sabine Koopmann, Hebamme in Rendsburg. “Ich rate immer, dass sich der Vater Urlaub nimmt und die Mutter schon vor der Geburt überlegt: Welche Person kann mich in den ersten Wochen nach der Geburt unterstützen?

Ist das Schlafdefizit groß, sollten sich Mütter grundsätzlich hinlegen, wann immer das Baby schläft auch tagsüber, fordert Koopmann. “Das heißt aber auch, dass man es aushalten muss, den Abwasch und die Wäsche stehen zu lassen. Ohnehin sei es sinnvoll zu überlegen, ob sich die Hausarbeit reduzieren lasse. So brauche eine Wohnung nicht jeden Tag gesaugt werden, zwei Mal wöchentlich reiche meist auch. Sehr oft schaffe es auch Erleichterung, wenn eine Putzhilfe für zwei bis drei Stunden ins Haus komme.

Überforderung droht

Haushalt und Kind verlangen viel von jungen Müttern.

Haushalt und Kind verlangen viel von jungen Müttern.

Weil viele Mütter vor der Geburt berufstätig gewesen sind, glauben sie allerdings oft, Haushalt und Kind im Alleingang bewältigen zu können, sagt Koopmann. Eine verbreitete und gefährliche Selbstüberschätzung, denn bei permanenter Überforderung schlägt Tapferkeit irgendwann in Bitterkeit um, die sich schnell auch gegen den Partner richten kann.

Frauen, die nächtelang nicht schlafen, erwarten verständlicherweise Hilfe von ihrem Partner, sagt der in München praktizierende Familientherapeut Hannes Niggenaber. Doch ein Vater, der morgens früh raus müsse, sei damit fast immer überfordert. “Ganz häufig fühlen sich Männer zudem zurückgesetzt, sie erleben Frau und Nachwuchs als unzertrennliches Mutter-Kind-Duo eine Konstellation, in der die Väter zu verschwinden drohten, zumal viele von ihnen weniger mit ganz kleinen Kindern anfangen könnten, als sie sich selbst einzugestehen wagten.

Organisation hilft

Damit im Alltag noch Platz für die Begegnung als Paar bleibt, rät Niggenaber, sich frühzeitig nach Eltern, Schwiegereltern oder einem Kindermädchen umzusehen. “Es geht gar nicht um Sex. Es geht darum, sich nicht nur als Mami und Papi zu erleben. Auch sollten beide Partner versuchen, ihre eigenen Interessen nicht zu vernachlässigen. Dabei sollte der scheinbar weniger gestresste Vater ebenso zu seinem Recht kommen wie die Mutter.

“Väter brauchen ebenso wie ihre Partnerin freie Wochenenden oder Ferientage, an denen Sie alleine sind oder sein können, betonen die Psychologen Claudia Clasen Holzberg und Oskar Holzberg aus Hamburg in dem Ratgeber “Kursbuch Familie. Väter sollten die Bereitschaft mitbringen, verbindliche Verpflichtungen einzugehen. Wer sich auf Termine für die Familienarbeit festlege, könne die eigenen Wünsche besser durchsetzen.

Freizeit, so das Psychologen-Paar, hat man nicht einfach, sie muss erkämpft und organisiert werden: “Eine Familie ist wie eine Füllmasse, die sich automatisch in jeden Zeitrest ergießt. Und ihn nahtlos ausfüllt. Als Anti-Stress-Tipps für Mütter empfehlen die Autoren eine Tasse Tee zwischendurch, laut Musik hören, Yoga-Übungen oder ein Telefonat mit der Freundin. Nach etwa drei bis vier Monaten können die meisten Eltern wieder ein bisschen durchatmen, sagt Hebamme Koopmann. Das Baby schlafe besser, habe weniger Magen-Darm-Probleme, weine seltener und wenn doch, dann seien jetzt zumindest die Eltern soweit, dass sie die Äußerungen ihres Kindes besser einordnen könnten.