21.05.2015
Total votes: 98
wissen.de Artikel

Bodybuilding: Projekt Körper

Im Wandel der Zeit

Dieses Bild ist leider nicht verfügbar. - wissen.de

Keine Frage, die Bodybuilder der frühen Stunde gehörten einer besonderen Spezies an. Die wenigen Kraftstudios hatten oft nur einige Male in der Woche für wenige Stunden geöffnet und die spärlichen, abenteuerlich anmutenden Geräte stammten mehr oder weniger aus Eigenproduktion. Die Begriffe "Folterkammer und "Muckibude erinnern noch heute an die spartanische Ausstattung. Niemand, der hier trainierte, dachte an Fitness, Toning oder Cardio. Es ging um Muskeln: Je mehr, desto besser. Heute hingegen steht ein perfektes Körperdesign, auch Bodyshaping genannt, im Vordergrund. Daneben verlagert sich der Schwerpunkt immer mehr vom optischen Gewinn auf den gesundheitlichen Nutzen.

Schattendasein der Pioniere

Dieses Bild ist leider nicht verfügbar. - wissen.de

In der "Pionierzeit" galt die massenweise Zufuhr von Eiweiß als oberste Priorität: Man trank literweise Milch, aß Quark, Eier und Fleisch. Vor Wettkämpfen reduzierten die Bodybuilder die Kohlenhydrate gegen Null und kämpften gegen den übermächtigen Hunger an. Der Rest war mehr oder weniger planvolles Training. Die wenigen Informationen, die man dazu fand, stammten in der Regel aus den USA. Die Mehrheit jedoch ahmte einfach nach, was diejenigen taten, denen man das Training bereits ansah.

Die Öffentlichkeit nahm das Tun der starken Jungs - Frauen waren zu diesem Zeitpunkt noch die absolute Ausnahme - eher belustigt zur Kenntnis. Dilettantische Posing-Darbietungen rückten die ersten Wettkämpfe zudem in die Nähe schlecht geplanter Zirkusnummern, deren sich die Medien mit entsprechender Häme annahmen. Eine Flut von Vorurteilen ergoss sich über die kleine Schar der Hantelschwinger. Die wehrte sich mit hilfloser Arroganz: "Bodybuilders - the few, the proud, the great prangte es noch Ende der 60er Jahre auf den T-Shirts der Muskelmänner.

Auf Arnolds Spuren

Dieses Bild ist leider nicht verfügbar. - wissen.de

Die Wende kam erst mit den frühen Filmen von Arnold Schwarzenegger in den 70er Jahren. Ein gut gebauter Körper mit möglichst niedrigem Körperfettanteil war plötzlich das große Ziel. Für die junge Hollywood-Garde wie Brad Pitt oder Tom Cruise gehört das Training heute ebenso zum Job wie das Rollenstudium. Meist verlassen sich die Stars dabei auf Personal Trainer, nach deren Anleitung mehrmals pro Woche ein individuelles Programm durchgearbeitet wird. In den USA übrigens nichts Neues: Schon in den 30er und 40er Jahren ließen sich einige Hollywood-Größen von solchen Privattrainern in Form bringen.

Mittlerweile hat sich daraus ein regelrechter Berufszweig entwickelt. Auch in Deutschland sind immer mehr Fitnesshungrige bereit, ca. 50 Euro pro Stunde für einen Privattrainer auszugeben. Der ist nicht nur für den reinen Trainingsablauf zuständig, sondern dient gleichzeitig auch als Motivationsstütze.

Shaping, Toning, Styling

Dieses Bild ist leider nicht verfügbar. - wissen.de

Doch die Mehrheit der neuen Fitness-Jünger strebt keine überdimensionalen Muskeln, sondern einen rundum gut trainierten Körper an. Die neue Generation von Studio-Besuchern will trainieren, ohne in die immer noch als etwas anrüchig geltende Ecke des Bodybuildings gedrängt zu werden. Zwar gründete sich der Fitness-Boom der 80er Jahre auf das klassische Bodybuilding-System, doch die Marketing-Strategen fanden inzwischen neue Namen für das Modellieren des eigenen Körpers: Nun heißt es Bodyshaping, Bodytoning oder Bodystyling.

Natürlich ist jeder Griff zu Gewichten, der dem Muskelaufbau oder der Muskelstraffung dient, Bodybuilding. Lediglich die Zielsetzung ist eine andere: Nicht die Größe des Muskels steht im Mittelpunkt der Anstrengung, sondern die individuell gewünschte Modellierung.

Dabei werden nicht nur Muskeln auf-, sondern auch Körperfett abgebaut. Während einzelne Fettpölsterchen nicht isoliert "wegzutrainieren" sind, können Muskeln durch gesteuertes Training gezielt aufgebaut werden. Dementsprechend mehrgleisig sieht das Training im Idealfall aus: Gewichte für den Muskelaufbau, Ausdauertraining und bewusste Ernährung für den Fettabbau. Gewandelt hat sich deshalb mit den Jahren auch das Ernährungsverhalten der Studiomitglieder: Statt kohlenhydratarmer Eiweißmast setzen immer mehr gesundheitsbewusste Fitnesssportler auf fleischarme oder auch vegetarische Kost.

Expandierende Branche

In den 70er Jahren lösten Frauen wie Jane Fonda mit Trainingsvideos und Bekenntnissen zu Fitness einen regelrechten Boom aus. Frauen-Bodybuilding wurde erst in den USA und allmählich auch in Europa populär. Die Fitnesswelle rollte. Videos weltbekannter Models wie Claudia Schiffer und Cindy Crawford sorgten für die Verbreitung der Übungen in unzählige Haushalte.
Mit dem Boom kam auch das große Geld. Nicht nur die Sportbekleidungsindustrie profitierte von der Fitnesswelle. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich ein völlig neuer Industriezweig: Unternehmen für hochwertige Trainingsmaschinen und Nahrungskonzentrate schossen wie Pilze aus dem Boden. Im Jahr 2001 betrug der Gesamtumsatz der deutschen Fitnessstudios nach Angaben des Deutschen Sportstudio Verbandes rund 3 Milliarden Euro (1990: 820 Millionen Euro). Zur zentralen Informationsbörse wurde die weltweit größte Fitness-Messe, die FIBO in Essen.

Dopingzentrum Fitnessstudio?

© Eyewire; PhotoDisc, Inc..jpeg

© Eyewire; PhotoDisc, Inc.

Das Training im Fitnessstudio bietet Menschen aller Altersgruppen Möglichkeiten zum Erhalt der Gesundheit. Dennoch hält sich ein Vorurteil hartnäckig: Studios seien die Hochburgen des Dopings. Dieser Vorwurf ist sicherlich nur zum Teil berechtigt, zumal in vielen der mittlerweile fast 6000 deutschen Sportstudios kaum noch "klassische" Bodybuilder anzutreffen sind.

Heute bedient sich nahezu jeder professionell betriebene Sport pharmazeutischer Hilfsmittel, die es dem Athleten ermöglichen, seine natürlichen Leistungsgrenzen zu steigern. Dieser Versuch ist übrigens so alt wie der menschliche Leistungsvergleich: Schon die spartanischen Krieger verwendeten zur Steigerung ihrer Kampfkraft die "schwarze Suppe von Sparta. Ein Gemisch, das vorwiegend aus Rinderblut bestand.

In den Hochleistungsbereichen der Kraftsportarten, vor allem im Bodybuilding, werden Anabolika eingesetzt. Dazu gehören das körpereigene Geschlechtshormon Testosteron und seine zahlreichen Abkömmlinge. Anabolika verbessern in erster Linie die Eiweißsynthese im Muskel, aber auch die Regenerationsfähigkeit nach dem Training. Dazu werden im Hochleistungssport weitere Mittel eingenommen, etwa das Wachstumshormon STH, IGF1, Insulin, entwässernde Medikamente (Diuretika) und Schilddrüsenhormone zur Fettverbrennung. Die Liste der Nebenwirkungen dieser Medikamente ist lang. Dies gilt insbesondere, wenn sie kombiniert und langfristig eingenommen werden.