01.06.2015
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Das “Burning Man”-Festival – Die Wüste brennt

In der Woche vor dem amerikanischen Labour Day findet in der Black Rock Wüste von Nevada, etwa 70 Meilen nördlich von Reno, das “Burning Man-Festival statt. Jedes Jahr begeben sich Tausende voller Sehnsucht auf diesen Selbsterfahrungstrip, um Urlaub von der Normalität und Realität zu nehmen. Für eine Woche entsteht in der staubigen, heißen und lebensfeindlichen Einöde eines ausgetrockneten Salzsees auf vierhundert Quadratmeilen aus dem Nichts eine autonome Zeltstadt, in der es um Freiheit, Kreativität und Miteinander, Ideen und Fantasie, Feiern, Erleben und Überleben geht.

Trip für Herz und Seele

“No spectators! nicht zuschauen, “mitmachen ist die einzige Regel an die es sich in Black Rock City zu halten gilt, ansonsten ist fast alles erlaubt und erwünscht. Die Organisatoren kümmern sich lediglich um die Genehmigung für die Wüstenstadt “Playa (spanisch für Strand). Alles andere liegt in den Händen der Teilnehmer. Die lange Anreise und die extremen Temperaturen von tagsüber weit über 45 Grad im Schatten halten Voyeure oder Trittbrettfahrer von vornherein ab. Wer sich auf diesen Trip einlässt ist mit Herz und Seele dabei auf eigene Verantwortung.

Darauf wird auch explizit auf der offiziellen Burning Man-Homepage, in Broschüren und auf den Eintrittskarten, die zwischen 145 und 200 US-Dollar kosten, hingewiesen. Das Festival findet weit entfernt von Konsum und Kommerz statt, und daher muss alles, was für das Überleben in der Wüste benötigt wird vor allen Dingen ausreichend Wasser selbst mitgebracht werden. Die Playa ist ein Tauschbasar, auf dem es keine Waren oder Dienstleistungen zu kaufen gibt.

Freakshow der Superlative die Wüste lebt

Die Black Rock City, die wie eine Fata Morgana aus dem Nichts zu entstehen scheint, beheimatet eine Multi-Kulti-Familie aus Erlebnistouristen, Neo-Hippies, Pyrotechnikern, Ravern, Computerfreaks, Freigeistern und Rebellen, die eine Woche lang ihre Träume, Visionen und Fantasien freizügig ausleben. Was jeder einzeln oder in der Gruppe in monatelanger Planung erdacht hat, wächst hier in verschiedenen Themencamps zu einem bizarren, interaktiven Kunstzirkus zusammen. “Außerirdische vermischen sich mit Elfen, Riesen mit Feuerspuckern. Mad Max tanzt mit Hexen, Yogis, Nackten, Vampiren und griechischen Sagengestalten zu jeder erdenklichen Art von Musik.

Es werden schillernde Theaterstücke, Filme und Opern aufgeführt, riesige Installationen, Skulpturen, Tempel und Stupas entstehen in Rekordzeit. Kamelkarawanen ziehen neben chromblitzenden Haifischen und gigantischen Insekten über die Playa. Art-Cars, umgebaute, geschmückte Autos, Trucks, Limousinen und Busse lenken die Aufmerksamkeit auf sich, und am Himmel ziehen Heißluftballons und Drachenflieger vorbei. Die Wüste ist voller Leben, alles scheint sich zu einem surrealen Karneval zu verbinden. In der Nacht wirkt das Schauspiel wie ein glühender, fluoreszierender und blinkender Cyberspace, über dem sich monumental der neonglühende Burning Man erhebt, der auf seinen spektakulären Feuertod in der letzten Nacht wartet.

In den letzten Jahren hat der technologische Aspekt immer mehr an Bedeutung gewonnen. So gibt es zum Beispiel mittlerweile auch das PlayaNet, ein kabelloses Netzwerk, das dem Camp als Intranet dient. In dieser Woche alles sehen und an allem teilnehmen zu wollen ist fast unmöglich. Um zumindest zu erfahren, was wann und wo stattfindet gibt es die beiden lokalen Zeitungen “Black Rock Gazette und “Piss Clear.

Geschichte und Symbolik des brennenden Mannes

Seinen Anfang nahm das Happening im Jahr 1986, als der liebeskranke Kalifornier Larry Harvey am Baker Beach von San Francisco das hölzerne Gegenstück seines Nebenbuhlers in Flammen aufgehen ließ. Dieser rituelle Akt der symbolischen, geistigen Reinigung ist in vielen Kulturen und Religionen zu finden, und sollte nicht mit den zerstörerischen Kräften wie etwa dem Voodoo-Zauber verwechselt werden. Vielmehr sind Parallelen im keltischen Glauben zu finden, in dem zur Wintersonnenwende die Wiedergeburt der Sonne, der Triumph des Lichtes über die Dunkelheit und die Geister des Winters gefeiert wird.

Auch die christliche Tradition feiert die Auferstehung Jesu als Zeichen neuer Hoffnung mit einem Osterfeuer, und in einer hinduistischen Feuermeditation werden mit Hilfe von Mantren und Opfergaben belastende Schwingungen und Spannungen der Glut übergeben. Feuer wurde von jeher durch seine vernichtende Kraft als Quelle tiefer, geistiger Neutralisierung und Reinigung angesehen, die eine Chance auf Neubeginn beinhaltet.

Im ersten Jahr war “The Man noch eine wackelige, 2,60 m hohe Holzpuppe. Das Happening fand im trauten Kreis von 20 Freunden statt. Das Ritual sollte sich jedoch Jahr für Jahr wiederholen, und nicht nur der Kreis der “Jünger wuchs, sondern auch “The Man nahm immer größere Ausmaße an. 1990, als der Event vertrieben von der Polizei seine Premiere in der Einsamkeit der Black Rock Wüste feierte, war die Fangemeinde bereits auf 800 und “The Man auf 13 Meter gewachsen. Mittlerweile pilgern jährlich rund 25.000 Menschen nach Nevada, um dem einzigartigen Spektakel beizuwohnen.

Buch-Tipps

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Dick Nelson und Sharon Nelson: Wüsten-Survival

Castleman, Deke: Nevada Handbook