21.05.2015
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Zypern

Zypern heute

Zypern, das sich noch heute gern die "Insel der Aphrodite" nennt, ist ein kleiner Inselstaat im östlichen Mittelmeer. Schon lange übt Zypern mit seinem mediterranen Klima, seinen landschaftlichen Schönheiten und kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten auf den Besucher große Anziehungskraft aus. Doch rückt Zypern auch durch den griechisch-türkischen Konflikt und die damit verbundene Teilung der Insel immer wieder ins Interesse der Weltöffentlichkeit. Zudem zieht der Nahostkonflikt die Republik gelegentlich in Mitleidenschaft, denn Zypern liegt nahe am Krisenherd Palästina.

Geschichte

Zypern gehört zu den ältesten Kulturstätten der Erde, wo eine mindestens achttausendjährige, wechselvolle Geschichte ihre Spuren hinterlassen hat. Die Rundbauten von Khirokitia vom Anfang des 6. Jahrtausends v.Chr. lassen Rückschlüsse auf steinzeitliche Lebensformen im östlichen Mittelmeerraum zu. Während der Erimi-Kultur zwischen 3000 und 2300 v.Chr. wurde auf der Insel Kupfer entdeckt, wodurch sich Zypern zu einem wichtigen Handelsplatz im östlichen Mittelmeer entwickelte. Ab 1500 v.Chr. beherrschten die Ägypter die Insel, bis mit den mykenischen Achäern im 13. Jahrhundert v.Chr. zum ersten Mal Griechen den Boden Zyperns betraten. Die Assyrer lösten 1050 v.Chr. die Herrschaft der Achäer ab. Ihnen folgten die Ägypter und ab 525 v.Chr. die Perser. 333 v.Chr. schloss sich die Insel dem Reich Alexanders des Großen (356-323 v.Chr.) an. Nach seinem Tod wurde Zypern 295 v.Chr. ptolemäische Provinz, bis die Römer 58 v.Chr. die Insel erobern konnten. 395 wurde Zypern dann bis 1184 Byzanz unterstellt.

Eine kurze Phase der Unabhängigkeit endete 1191 mit der Eroberung durch die Kreuzfahrertruppen unter Richard I. Löwenherz (1157-1199). Er verkaufte die Insel an die französische Dynastie Lusignan. Während ihrer rund dreihundert Jahre dauernden Herrschaftszeit geriet Zypern unter starken abendländischen Einfluss. Durch Heirat fiel die Insel 1489 an die Seegroßmacht Venedig.

Der griechisch-türkische Konflikt

Die Wurzeln des bis heute andauernden griechisch-türkischen Konflikts auf Zypern reichen bis in die Zeit der ersten türkischen Invasion im Jahre 1570 zurück. In den dreihundert Jahren türkischer Herrschaft lebten die griechischen Einwohner zwar in relativer Eigenständigkeit, doch waren die türkischen Beamten wegen Ausbeutung und der Zwangsansiedlung anatolischer Bauern verhasst.

1878 gelangte Zypern unter britisches Protektorat. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges annektierte Großbritannien die Insel und ernannte sie 1925 zur britischen Kronkolonie. Der schon seit dem 19. Jahrhundert von der Mehrheit der Zyprioten unter Führung der orthodoxen Kirche geforderte Anschluss (Enosis) an Griechenland, der sich zunächst gegen das Osmanische Reich richtete, wendete sich später gegen die britische Kolonialmacht. In den 50er Jahren lebte die Enosis-Bewegung unter Erzbischof Makarios (1913-1977), dem Haupt der griechisch-orthodoxen Kirche auf Zypern, verstärkt auf und wurde seit 1955 durch Georgios Grivas (1898-1974) und die Widerstandsbewegung EOKA fortgesetzt. Der Interessenkonflikt zwischen Großbritannien, Griechenland und der Türkei konnte erst 1959 durch das Londoner Abkommen beigelegt werden, in dem Zypern die Unabhängigkeit zugesichert wurde, die 1960 in Kraft trat.

Die Sitze im Parlament wurden entsprechend dem Anteil an der Bevölkerung zwischen türkischen und griechischen Zyprioten aufgeteilt. Als das Staatsoberhaupt Erzbischof Makarios 1963 eine Verfassungsänderung zugunsten der griechischen Bevölkerung anstrebte, kam es nach vorangegangenen Straßenschlachten zur Teilung der Hauptstadt Nicosia in den türkischen Norden und den griechischen Süden.

1974 veranlasste der Putsch griechischer Offiziere gegen Erzbischof Makarios die zweite türkische Invasion in der Geschichte Zyperns, die einen Anschluss der Insel an Griechenland verhindern sollte. Der Nordteil Zyperns, knapp 40% der Gesamtfläche, wurde besetzt. In Folge der kriegerischen Auseinandersetzungen kam es durch Flucht, Vertreibung und Zwangsumsiedlungen zu großen Bevölkerungsbewegungen auf der Insel. Anfang 1975 wurde im Norden ein türkisch-zypriotischer Teilstaat errichtet und Rauf Denktaş (*1924) zum Präsidenten ernannt, der seinerseits 1983 die allein von Ankara anerkannte "Türkische Republik Nordzypern" ausrief. Der seit Ende 1974 wieder eingesetzte Staatspräsident Makarios wurde wie seine Nachfolger Spyros Kyprianou (*1932), Georgios Vassiliou (*1931) sowie der 1993 und 1998 gewählte Glafkos Klerides (*1919) nur vom griechischen Südteil -Zyperns anerkannt. 2003 konnte sich bei den Präsidentschaftswahlen im griechischen Inselteil der Oppositionskandidat T. Papadopoulos (Demokratische Partei) gegen Klerides durchsetzen. Eine neue Friedensiniative der UNO, die die Schaffung eines Bundesstaates nach Schweizer Muster vorsah, scheiterte im März 2003. Im April 2003 öffnete die türkisch-zypriotische Regierung überraschend die Grenze zwischen den beiden Inselteilen. Parlamentswahlen im türkischen Nordzypern gewann die eine Wiedervereinigung befürwortende Republikanische Partei. 2004 stimmten beide Bevölkerungsteile 2004 in getrennten Referenden über einen UNO-Wiedervereinigungsplan ab. Dieser fand nur in Nordzypern eine Mehrheit, so dass die Teilung des Landes bestehen blieb. Am 1. 5. 2004 wurde deshalb de jure zwar Gesamtzypern, de facto aber nur der griechische Inselteil in die EU aufgenommen. Denktaş wurde 2005 von M. Talat im Präsidentenamt abgelöst. Bei den Parlamentswahlen 2006 bestätigte die griechisch-zyprische Bevölkerung die den UNO-Plan ablehnende Regierungskoalition unter T. Papadopoulos. Dieser verlor in der Folgezeit durch seine unflexibele Haltung gegenüber der türkisch-zyprischen Führung an politischer Zustimmung. Die Präsidentschaftswahlen 2008 gewann daher Dimitris Christofias, der neue Verhandlungen mit der türkisch-zyprischen Seite in Aussicht gestellt hatte.

Landesnatur

Zypern ist mit 9251km² Fläche nach Sizilien und Sardinien die drittgrößte Mittelmeerinsel. Sie erstreckt sich über eine Länge von 225km und eine Breite von bis zu 95km. Landschaftlich ähnelt die Insel im östlichen Mittelmeer dem benachbarten mediterranen Kleinasien. Das Klima weist den gleichen Wechsel zwischen trockenheißen Sommern und feuchtmilden Wintern auf.

Im Norden der Insel erstreckt sich die Kette des Kyreniagebirges, das bis zu 1000m ansteigt und nach Nordosten in einer schmalen Halbinsel ausläuft. Im südlichen Zentrum Zyperns liegt das Gebirgsmassiv des Troodos mit dem Olympos als höchster Erhebung (1952m). Vor allem wiederaufgeforstete Pinienwälder überziehen dieses Mittelgebirge, das nahezu die Hälfte der gesamten Inselfläche einnimmt. Im Paphoswald gibt es in einem Tal noch rund 40000 Zedern. Zwischen den beiden Höhenzügen liegt die fruchtbare Ebene von Messaria, in deren Zentrum die Hauptstadt Nicosia liegt. Die Gesamtlänge der Küste beträgt 620km, wobei Sand- und Kieselstrände vorherrschen. Eine landschaftliche Besonderheit sind die beiden Salzseen bei Limassol und Larnaka.

Bevölkerung und Wirtschaft

Zypern ist ein Zweivölkerstaat. Bei den Angaben über die Bevölkerungszahl ist man auf Schätzungen angewiesen, da es bis heute unklar ist, wieviele Einwohner mittlerweile im türkisch besetzten Norden der Insel leben. Die überwiegende Mehrheit der Zyprioten sind orthodoxe Griechen, weniger als 20% sind islamische Türken. Rund 3900 Soldaten der britischen Streitkräfte sind auf Zypern stationiert, deren Familienangehörige zum Teil gleichfalls auf der Insel leben, und auch die auf knapp 1200 Mann reduzierten UNO-Friedenstruppen sind längst Teil der Einwohnerschaft Zyperns geworden. Hinzu kommen ungefähr 4000 Armenier und 4000 Maroniten sowie andere Minderheiten, die ebenfalls auf der Insel leben.

Es gibt verschiedene Schätzungen, wieviele türkische Soldaten sich ständig im Norden Zyperns aufhalten, rund 30000 scheint nicht übertrieben zu sein. Auch die Zahl der Umsiedler aus den verarmten Regionen Ostanatoliens geht in die Zehntausende.

Der wichtigste Erwerbszweig der Menschen auf Zypern ist die Landwirtschaft. Die moderne Industrie entwickelt sich in Form von Verarbeitungsbetrieben landwirtschaftlicher Produkte und Textilbetrieben günstig. Durch die türkische Besetzung des Nordteils der Insel wurde die Wirtschaft jedoch stark geschädigt. Das gilt besonders für den Tourismus, der bis zur Teilung an Bedeutung gewonnen hatte.

Die Insel der Aphrodite und ihre Sehenswürdigkeiten

Für den kulturbeflissenen Urlauber ist Zypern ein geradezu ideales Reiseland, beherbergt die Insel doch auf kleinstem Raum landschaftliche und kulturelle Sehenswürdigkeiten erster Güte.

Im Nordosten liegt nur wenige Kilometer von der alten Hafenstadt Famagusta entfernt die antike Ruinenstadt Salamis. Besonders eindrucksvoll ist das römische Theater, das 20000 Besuchern Platz bietet.

Ebenfalls im türkisch besetzten Teil Zyperns liegen die Kreuzritterfestungen St. Hilarion, Buffavento und Kantara, die zusammen ein nördliches Verteidigungssystem auf dem Kyreniagebirge bildeten, das bis zu 1000m schroff aus dem Meer aufsteigt. Die ehemalige Abtei Bellapais bei Kyrenia, das die Türken Girne nennen, ist ein weiterer Anziehungspunkt für die Besucher Nordzyperns. Das rein gotische Bauwerk ist schon seit 1570 teilweise zerstört und präsentiert sich seit dieser Zeit als malerische Ruine.

Noch zahlreicher und beeindruckender sind die Sehenswürdigkeiten im griechischen Süden der Insel. Im "Haus des Dionysos" bei Paphos kann man großflächige römische Bodenmosaiken besichtigen, die im 4. Jahrhundert durch ein Erdbeben verschüttet und auf diese Weise für die Nachwelt konserviert wurden. Nur wenige hundert Meter davon entfernt liegen die sogenannten "Königsgräber", die zur Zeit der Ägypter als unterirdische Grabkammern dienten und später von den Römern als palastartige Katakomben umgebaut wurden.

Neben einem römischen Theater, Bädern und einem Aquädukt sind in letzter Zeit im Ruinenbezirk Kourion, westlich von Limassol, auch Skelette gefunden worden, die den Schluss nahelegen, dass die Stadt einem Erdbeben zum Opfer fiel.

Nur wenige Kilometer von Kourion entfernt liegt die trutzige Kreuzritterburg Kolossi. Der mächtige Turm wurde von den Johannitern erbaut und bietet heute einen weiten Blick über die fruchtbare Ebene zwischen Limassol und dem Massiv des Troodos sowie auf den Salzsee der Halbinsel Akrotiri.

Keine Sehenswürdigkeit im herkömmlichen Sinn ist der aus der Mythologie überlieferte Geburtsort der Aphrodite, Petra tou Romiou. An diesem Felsen soll die Liebesgöttin dem Schaum des Meeres entstiegen sein. Über Jahrhunderte hinweg frönten die Zyprioten daher dem Aphroditekult, der im Volksglauben in den Marienkult überging, nachdem die Insel zum Christentum bekehrt worden war.

Das größte und reichste Kloster Zyperns, Kykko, wurde im 11. Jahrhundert mitten in das abgelegene Bergland des Troodos gebaut. Zu seiner Glanzzeit hatte das Kloster sogar Besitzungen in Kleinasien und auf der Krim. Heute ist das Kloster der beliebteste Wallfahrtsort der Insel, zumal sich auch die Grabstätte von Erzbischof Makarios, der noch immer Volksidol ist, ganz in der Nähe von Kykko befindet.

Zypern: Daten und Fakten

Das Land
LageSüdosteuropa/Vorderasien; zwischen 34° 33' und 35° 40' nördlicher Breite sowie 32° 17' und 34° 40' östlicher Länge
GrenzenAllseitig Mittelmeer
ZeitzoneMEZ +1 Stunde
Fläche9251 km2 (13% Wald, 47% Ackerland, 10% Wiesen und Weiden)
AusdehnungSW-NO 220 km, N-S 90 km
LandesnaturIm N Kyreniagebirge, südlich davon die zentrale Schwemmlandebene Messaria, im S vulkanisches Troodos-Massiv, anschliessend weiter nach S und W ebenes Küstenland
Höchster PunktOlympos (1952 m)
GewässerPedieos, Ezouza, Dhiarrizos
KlimaMediterranes Klima; Levkosia 18,9 °C/371 mm
SehenswürdigkeitenPaphos; antikes Kition; Troodosgebirge
Die Menschen
Bevölkerung790 000 (85,1% griechische Zyprioten, 11,7% türkische Zyprer, 3,2% Sonstige)
Bevölkerungswachstum+0,7%
Bevölkerungsdichte85 Ew./km2
Stadtbevölkerung55%
Analphabetismus6%
Geburtenziffer1,6%
Sterbeziffer0,8%
LebenserwartungFrauen 79 Jahre, Männer 75 Jahre
ReligionGriechisch-orthodoxe Kirche, Islam (Sunniten)
SpracheGriechisch und Türkisch; Englisch
Wichtige StädteLimassol (Lemesós), Larnaka (Larnax), Famagusta (Ammóchostos)
Wirtschaft
Währung1 Euro = 100 Cent
Bruttoinlandsprodukt8,2 Mrd. US-$
BSP je Einwohnerüber 9656 US-$
Anteil der Wirschaftssektoren am BIPLandwirtschaft 4%, Industrie 23%, Dienstleistungen 73%
ErwerbstätigeLandwirtschaft 10% Industrie 24% Dienstleistungen 66%
Arbeitslosigkeit3,0%
Inflationsrate4,3%
Straßen10857 km (5860 km asphaltiert)
ImportgüterErdöl und -produkte, elektronische Maschinen und Geräte, Textilien, Transportmittel, chemische Produkte
ExportgüterIndustrielle Fertigwaren, Agrarprodukte, v.a. Kartoffeln, Zitrusfrüchte,Wein, Kupfer- u. Eisenkies, Asbest
HandelspartnerGroßbritannien, Deutschland u.a. EU-Länder, USA, GUS
Staat
Amtlicher NameRepublik Zypern
HauptstadtLevkosia (früher Nikosia)
RegierungsformRepublik, Präsidialdemokratie
StaatsoberhauptPräsident
RegierungschefPremierminister
Verwaltungsgliederung2 Landesteile
LegislativeGriechisch-zypriotischer Landesteil: Abgeordnetenhaus mit 56 auf 5 Jahre gewählten Mitgliedern; Türkisch-zypriotischer Landesteil: Abgeordnetenhaus mit 50 auf 5 Jahre gewählten Mitgliedern
GerichtswesenOberster Rat der Rechtsprechung, 1 Oberster Gerichtshof, Assisengerichte, Distrikts- und Familiengerichte
Nationalfeiertag1. Oktober
Geschichte
1925Zypern wird britische Kronkolonie
1960Zypern erlangt die Unabhängigkeit; Erzbischof Makarios wird Präsident
1963Kämpfe zwischen den griechischen und türkischen Zyprioten brechen aus
1974Makarios wird gestürzt; die Türkei besetzt den Norden Zyperns; die Insel wird in einen griechischen und einen türkischen Landesteil geteilt; Makarios kehrt in das Präsidentenamt zurück
1983Der Norden erklärt sich einseitig zur unabhängigen "Türkischen Republik Nordzypern", die aber international (mit Ausnahme von der Türkei) nicht anerkannt wird
2003Grenzöffnung durch die türkisch-zypriotische Regierung
2004Griechische Zyprioten stimmen gegen Wiedervereinigungsplan; Zypern wird Mitglied der EU
2008Zypern feiert die Einführung des Euro; Dimitris Christofias wird Präsident