01.06.2015
You voted 4. Total votes: 182
wissen.de Artikel

Die Geburt

Die Eröffnungsphase

MEDICA - Band 4 - Der Menschliche Körper - Seite 319

Körperhaltung Eröffnungsphase Geburt

Durch die Geburt wird das Kind aus der Gebärmutter entlassen. Treibende Kraft sind die Wehen, koordinierte Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur. Die Geburtsdauer liegt zwischen 4 und 18 Stunden und verläuft in drei Phasen.
Mit dem Einsetzen der ersten regelmäßigen Wehen beginnt die Eröffnungsphase. Sie endet mit der Muttermundöffnung. Um dies zu erreichen tritt der Kopf des Kindes tiefer und Gebärmutterhals und Vagina formen sich zu einem Trichter.
Das Übergangsstadium leitet die zweite Phase ein. Jetzt platz die Fruchtblase und das Kind rutsch in den Geburtskanal. Dadurch wird das Wehenhormon Oxytocin ausgeschüttet, welches die Intensität der Kontraktionen verstärkt. Das Übergangsstadium ist wahrscheinlich der anstrengendste Geburtsabschnitt.

 

Die Austreibungsphase

In der Austreibungsphase wird das Kind durch den Geburtskanal aus dem mütterlichen Körper hinausgestoßen und macht seinen ersten Atemzug. Die Gebärende empfindet die Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur jetzt als Presswehen, die etwa alle 2 bis 3 Minuten auftreten. Zuerst wird der Kopf des Kindes sichtbar. Danach sind nur noch wenige Wehen erforderlich, um das Kind auf die Welt zu bringen. In Fällen, in denen die Fruchtblase bis zum Auftreten der Presswehen noch nicht geplatzt ist, wird diese spätestens jetzt durch den Geburtshelfer oder die Hebamme gesprengt. Wenn das Kind den Geburtskanal verlassen hat und bereits selbständig atmet, ist es immer noch über die Nabelschnur mit dem Körper der Mutter verbunden. Da die Blutgefäße der Nabelschnur zu diesem Zeitpunkt nicht mehr benötigt werden, erfolgt die Durchtrennung.

 

Die Nachgeburtsphase

Geburt

Sobald die mütterlichen Kontraktionen nach der Geburt des Kindes nachgelassen haben, kann die Nabelschnur durchschnitten werden. Üblicherweise wird die Nabelschnur erst durchtrennt, wenn die Plazenta sich von der Gebärmutterwand löst, gelegentlich auch erst nach erfolgter Nachgeburt.

Die Nachgeburt besteht aus der Plazenta und den dazugehörigen Eihäuten. Nachdem das Kind auf die Welt gebracht worden ist, setzen die sogenannten Nachgeburtswehen ein, die zur Ablösung der Plazenta von der Gebärmutterwand und zu ihrer Ausstoßung führen. Wenn die Nachgeburt vollständig ausgetrieben worden ist, ziehen sich die Blutgefäße der Gebärmutter zusammen, um größere Blutverluste zu vermeiden. Die Plazenta muß auf Vollständigkeit überprüft werden, da eventuell in der Gebärmutter verbliebene Reste zum Auslöser für erneute Blutungen werden können.
Falls während der Geburt ein Dammschnitt gemacht wurde, wird dieser nach Beendigung der Nachgeburtsphase unter örtlicher Betäubung genäht.

 

Die operative Entbindung

Geburt

Eine Zangenextraktion kommt bei fetalem Sauerstoffmangel, bei einer stark verzögerten Austreibungsphase oder bei großer Erschöpfung der Mutter zur Anwendung. Die Zangenlöffel werden zu beiden Seiten des kindlichen Schädels angelegt. Wenn nötig, wird der Kopf des Kindes bei der Herausleitung aus dem Geburtskanal vorsichtig gedreht.

Oftmals ist es erforderlich, chirurgisch einzugreifen, um das Kind sicher auf die Welt zu bringen. Gründe für diese operative Entbindung können sein: Wehenschwächen, Lageanomalien des Kopfes, z.B. Beckenendlage, und ein Sauerstoffmangel des ungeborenen Kindes (intrauterine Asphyxie), die ein schnelles Eingreifen erforderlich machen.

Die Methoden der operativen Geburtsbeendigung: Bei Fehllagen des Kindes kommt oftmals die Zangenentbindung zum Einsatz. Zur Erleichterung einer vaginalen Geburt ist es manchmal erforderlich, einen Dammschnitt (Episiotomie) durchzuführen. Hierbei wird die zwischen Vagina und After liegende Beckenbodenmuskulatur durchtrennt, um ein Zerreißen der Vagina zu verhindern. Ein Kaiserschnitt (sectio cesarea) bedeutet, daß das Kind durch einen Schnitt in der Bauchdecke und Gebärmutter entbunden wird.

 

Die Zeit nach der Geburt

Geburt: Mutter mit Neugeborenem

Durch richtige Vorbereitung und fachliche Unterstützung ist es heute vielen Frauen wieder möglich, sich auf eine Geburt in vertrauter Umgebung einzulassen. Gerade bei Erstgebärenden scheint die private Atmosphäre Komplikationen vorzubeugen, die durch Angst oder Unsicherheit entstehen können.

Die ersten sechs bis acht Wochen nach der Geburt des Kindes, dienen zur Rückbildung der Fortpflanzungsorgane in den Urzustand. Diesen Zeitraum bezeichnet man als Wochenbett (Purperium). Die Gebärmutter schrumpft in dieser Zeit auf ihre frühere Form und Größe. Durch den Abbau der nicht mehr benötigten Gebärmutterschleimhaut kommt es zum Wochenfluß (Lochien). Eine Rückbildungsgymnastik fördert die Rückbildungsprozesse von Vagina, Bandapparat und Gebärmutter. Vor allem Bauch- und Beckenbodenmuskulatur müssen wieder gestärkt werden, da es sonst zu Senkungserkrankungen kommen kann.


Drei bis vier Tage nach der Geburt kommt es zum Milcheinschuß, die Brüste schwellen an und die Mutter beginnt zu Stillen. Das Stillen führt zur Ausschüttung von Hormonen, die für einige Monate den Menstruationszyklus unterbrechen.