21.05.2015
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Das Land der drei Meere

... mit der 8300 km langen Küste

"Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn [...]?". Mit dieser Frage spielte Goethe einst auf Italien an. Gut möglich, dass er heutzutage auch die Türkei erkundet hätte, denn das Land lockt mit seiner antiken Tradition und den warmen Temperaturen zahlreiche ausländische Besucher an. Eine eindeutige Klassifizierung fällt hier allerdings schwer. Die Türkei ist das Land der Orangen - und Zitronenhaine, der Bananenstauden, der Avocados, des Oleanders, der Palmen, Feigen und Maulbeerbäume. Und das Land des Apfeltees, der Wasserpfeifen, der Hamams und des Raki natürlich.

Segelboot in Marmaris

Das beliebteste Urlaubsziel deutscher Touristen ist die Südküste, auch türkische Riviera genannt.

Ob diese Vielfalt daher rührt, dass die Türkei  mit ihrer ca. 8300 km langen Küste gleich an drei Meere grenzt? Ihre Westküste liegt an der Ägäis, einem Nebenmeer des Mittelmeers, ihre Südküste liegt am Mittelmeer und die gegenüberliegende Nordküste am Schwarzen Meer. Die vielen Facetten passen jedenfalls sehr gut zu dem Land auf zwei Kontinenten, zwischen Orient und Okzident, Moderne und Tradition. Eines bietet die türkische Küste all ihren Urlaubern, ganz gleich für welchen Ort sie sich entscheiden: Sonnenschein und Badewetter! Dennoch gibt es Unterschiede zwischen Süd- und Westküste. Die sollte man vor allem dann bedenken, wenn man sich entschließt, neben reinem Badeurlaub auch das kulturelle Angebot der Türkei wahrzunehmen – um, neben dem Meer oder dem Hotelpool, auch richtig in die türkische Kultur einzutauchen.  

Die türkische Riviera

Das beliebteste Urlaubsziel deutscher Touristen ist die Südküste, auch türkische Riviera genannt. Sie reicht von Antalya über Belek, Side und Incekum bis nach Alanya und wurde im Altertum Pamphylien genannt. Hier hat der Massentourismus in den letzten Jahren stark zugenommen, was sich an zahlreichen Hotelbauten zeigt, die sich an luxuriöser Ausstattung und bestem Service gegenseitig zu überbieten, an Preisen zu unterbieten suchen.

Kleopatras Badewanne

 

Ein Land, drei Meere

Die Westküste der Türkei liegt an der Ägäis, einem Nebenmeer des Mittelmeers, ihre Südküste liegt am Mittelmeer und die gegenüberliegende Nordküste am Schwarzen Meer.

Diese Wellness-Tempel auch einmal zu verlassen lohnt sich in jedem Fall – für einen Ausflug nach Antalya, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, zum Beispiel. Die hat sich in den letzten Jahren vom Küstenstädtchen zur Tourismusmetropole gemausert, glücklicherweise ohne den Altstadtkern zu beeinträchtigen. In Antalya kann man durch historische Viertel in der klassisch-osmanischen Bauweise laufen, mit Händlern um Lederware feilschen, frisches Obst und Gewürze auf den Märkten erstehen oder einfach nur die Hafenatmosphäre genießen. Wahrzeichen der Stadt ist das Yivli Minare.

Auch die Burg "Ic Kale", oberhalb von Alanya, einer zur Provinz Antalya gehörenden Küstenstadt, lohnt einen Ausflug. Die Festung wurde im 13. Jahrhundert von seldschukischen Herrschern erbaut und hat eine 6,5 km lange Außenmauer und über 150 Türme. Geschichtlich wurde Alanya bereits im 4.Jh.v.Chr. erwähnt: Der verliebte Kaiser Antonius schenkte es seiner Angebeteten Kleopatra zur Hochzeit. In "Kleopatras Badewanne", einer Felsformation im Wasser, kann man heute selbst ein Schönheitsbad nehmen und sein Näschen in den türkischen Himmel recken.

Geheimtipp: Çıralı - die Öko-Stadt

Ein echter Geheimtipp für Naturliebhaber und Individualurlauber ist die Stadt Çıralı, etwa 70 km südwestlich von Antalya an der lykischen Küste im Beydaglari-Nationalpark gelegen. Da hier ein Öko-Tourismus Projekt initiiert wurde, gibt es statt riesiger Hotel-Komplexe Pensionen, die als Familienbetriebe geführt werden. Ziemlich idyllisch – finden auch die Caretta-Carettas, Meeresschildkröten, die ihre Eier hier jährlich in den Sand legen.

Çıralı, wie auch das Naturschutzgebiet Olympos und die mehrere tausend Jahre alte Stadt Olympos liegen direkt am "Lykischen Weg". Auf diesem Wanderweg, der sich über 500 km von Fethiye nach Antalya erstreckt, finden sich Ruinen der Antike wie lykische Felsengräber oder die Überreste einstiger Städte.

Freunde der klassischen Musik sollten das 46 km westlich von Antalya gelegene Theater Aspendos aufsuchen, das aufgrund seiner phantastischen Akustik noch heute jährlich für Opernaufführungen genutzt wird. Auch die Bergruinen in Termessos, oben im Taurusgebirge, sind einen Ausflug wert. Apropos Taurusgebirge: Dieses bildet im Süden der Türkei den passenden Hintergrund zum Mittelmeer – ganz so, wie sich das für ein Urlaubsparadies gehört.

Der Südosten der Türkei

Im Südosten der Türkei, in Kilikien, dem rund 300 km langen Küstenabschnitt zwischen Antakya und Anamur, wird es wieder ein bisschen ruhiger. Hier ist der Massentourismus noch nicht angerollt. Dabei hat die Region historisch einiges zu bieten: Rund 200 antike Stätten finden sich hier. Beeindruckend sind zudem die Korykischen Grotten, auch Cennet und Cehennem (Himmel und Hölle) genannt, die vor Millionen Jahren entstanden.

Antakya, die Hauptstadt der Provinz Hatay, ist eine wichtige Pilgerstätte für Christen. Hier soll einst der Apostel Petrus gepredigt und die erste christliche Gemeinde gegründet haben. Vom Mittelmeer im Süden und Südosten kommen wir nun zur Westküste an der Ägäis.

Die Westküste

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Türkei, Bodrum

Im Jahre 1925 wurde der Schriftsteller Cevat Sakir Kabaagacli, genannt "Fischer von Halikarnassos",  wegen einer skandalösen Kurzgeschichte für drei Jahre ins Exil nach Bodrum geschickt – und blieb dauerhaft. Als "Blaue Reise" hielt er seine Erkundungen in seinen Roman fest – und legte damit den Grundstein für den Tourismus.

Auch die Westküste der Türkei hat einiges zu bieten, sie ist rauer als ihre populäre Schwester im Süden. An der Ägäis gibt es felsige Küsten, Pinienwälder, kühleres Wasser und viele Buchten. Mit Fethiye, Marmaris und Bodrum befinden sich hier zudem, nach Antalya, die bekanntesten und feierfreudigsten Tourismuszentren der Türkei.

Im Jahre 1925 wurde der Schriftsteller Cevat Sakir Kabaagacli, genannt "Fischer von Halikarnassos", wegen einer skandalösen Kurzgeschichte für drei Jahre ins Exil nach Bodrum geschickt – und blieb dauerhaft. Er begann mit seinen Freunden in kleinen Fischerbooten die Inseln zu erkunden und interessierte sich für die Geschichte und Mythologie dieser Region. Als "Blaue Reise" hielt er seine Erkundungen in einem Roman fest – und legte damit den Grundstein für den Tourismus. Nach seinem Tod führten seine Freunde die Tradition fort. Heute gibt es über 600 Charter-Yachten entlang der Küste, die den Schwerpunkt des Yachttourismus in der Türkei bilden.

Zu den berühmtesten und meistbesuchten Stätten der Türkei gehören die Ruinen der antiken Städte Priene und Milet sowie die des Apollon-Tempels von Didyma, alle im Gebiet zwischen Kuşadası und Bodrum gelegen. Die Lagunenlandschaft des Mäanderdeltas und der Bafa-See sind Naturparks mit reicher Flora und Fauna. Hier leben zahlreiche Wasservögel, seltene Amphibien und Reptilienarten.

Der bekannteste Ruinenort der ganzen Westküste ist das hellenistisch-römische Ephesos, von der Perserzeit bis in byzantinische Zeit die wichtigste Stadt der Küstenregion und unter den Römern die Hauptstadt der Provinz Asia. Heute gilt Izmir als kulturelles und wirtschaftliches Zentrum der Ägäisküste. Zur Provinz Izmir gehört auch die zwei Kilometer lange Bucht von Alaçatı im Süden der Halbinsel Çesme. Ein echtes Eldorado für Surf-Fans!

Der Nordteil der türkischen Ägäisküste wird touristisch kaum genutzt. Die Landschaft ist hier hügelig und etwas eintönig. Diese Region ist aber eine wichtige Durchreisestation für die sagenumwobenen Städte Troja und Pergamon. Zwar ist Troja keinesfalls die eindrucksvollste Ruine der Türkei, doch lockt sie, dank Homers "Ilias" und "Odyssee", zahlreiche Touristen an -  dass das hölzerne Pferd eine Nachbildung ist, stört kaum.

Die Nordküste grenzt an das Schwarze Meer zwischen Istanbul und Trabzon. Hier finden sich noch ursprüngliche Fischerdörfer, lange Strände und antike Bauten.

Eine besondere, nicht auf eine Region beschränkte türkische Attraktion ist übrigens die türkische Gastfreundschaft. Dazu noch ein Raki – was will man mehr?

von Lena Schilder, wissen.de