28.05.2015
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wissen.de Artikel

Erstes Feedback aus der Jury

Interview mit Jens Poggenpohl

Seit Anfang April läuft auf wissen.de der 2. Literaturwettbewerb in Kooperation mit dem Magazin BÜCHER. Die User und Leser haben noch bis zum 7. Juni die Chance, ihre Geschichten zum Thema „Wasser“ bei wissen.de einzureichen. Wir haben mit Jens Poggenpohl - Chefredakteur von BÜCHER und Jurymitglied - gesprochen. Eine Zwischenbilanz.

wissen.de: Herr Poggenpohl, das ist der zweite wissen.de-Literaturwettbewerb, bei dem Sie als Jurymitglied dabei sind. Wer nimmt Ihrer Erfahrung nach daran teil? Gibt es bestimmte Charakteristika, z. B. eher Männer oder Frauen, eher ältere oder jüngere Schreiber?

Jens Poggenpohl

Chefredakteur von BÜCHER

Poggenpohl: Gemessen daran, dass Männer bekanntlich wenig lesen, war ich bei der Premiere vom relativ hohen Männer-Anteil überrascht. Bei den diesjährigen Einsendungen – zumindest bei denen, die ich schon gesehen habe – deutet sich aber eine große weibliche Mehrheit an. Ansonsten erkenne ich eine erfreulich bunte Mischung: Junge und Alte sind dabei, professionelle Autoren wie Amateure.

wissen.de: Welches Genre bevorzugen die Teilnehmer? (Krimi, Liebesgeschichte, Fantasy/Science Fiction…)

Poggenpohl: Gott sei Dank keines! Das wäre auf Dauer ja furchtbar langweilig.

wissen.de: Wie ist die Qualität der Beiträge?

Poggenpohl: Sehr unterschiedlich. Aber das macht nichts, im Gegenteil: Für mich macht das gerade den Charme dieses Wettbewerbs aus. Es ist schön zu sehen, wie viele Menschen eine Geschichte erzählen wollen.

wissen.de: Was macht eine Geschichte lesenswert?

Poggenpohl: Gute Frage! Und nur subjektiv zu beantworten. Für mich sind Geschichten dann lesenswert, wenn sie mich überraschen, wenn sie meinen Sinn für das, was möglich wäre, schärfen. Das hat weniger mit vordergründiger Spannung zu tun als vielmehr mit der Perspektive und der Atmosphäre. Ich schätze besonders Texte, die dabei ein Risiko eingehen, den Willen zu einer ganz eigenen Sprache verraten.

Von originellen Geschichten

wissen.de: Wann ist eine Geschichte originell?

Poggenpohl: Wenn sie ein Original ist! Wenn ich nicht schon nach dem ersten Absatz weiß, wie sie ausgeht oder mich frage, wo ich das schon genauso gelesen habe. Andererseits ist Schreiben nicht zuletzt auch Handwerk. Und gegen gutes Handwerk ist nichts einzuwenden.

wissen.de: Wie viel Zeit nehmen Sie sich für die Bewertung einer Kurzgeschichte? Wann (beim Lesen) entscheiden Sie, ob sie gut ist oder nicht?

Poggenpohl: Jeder Text erhält mindestens seine Chance – obwohl ich manchmal sehr früh ahne, dass er es schwer bei mir haben wird. Nach der ersten Lektüre versehe ich jeden Text mit einem Symbol und einem Kurzkommentar. Texte, mit denen ich gar nichts anzufangen weiß, kommen auf einen gesonderten Stapel: Es könnte ja sein, dass nicht der Text gescheitert ist, sondern ich an ihm – weil ich ungenau gelesen habe oder schlicht in der falschen Stimmung war. Im zweiten Durchgang treffe ich eine Auswahl meiner Favoriten. Damit gehe ich ins Gespräch mit den Jury-Kollegen. Zumindest habe ich das letztes Jahr so gemacht. Angesichts der Flut von Beiträgen sollte ich mir diesmal aber vielleicht ein neues Verfahren überlegen…

wissen.de: Für alle, die gern teilnehmen möchten, aber noch immer vor einem leeren Blatt Papier sitzen – was raten Sie, damit das Blatt nicht leer bleibt?

Poggenpohl: Das Problem kenne ich auch! Ich fürchte, allen Menschen, die Texte schreiben, bleibt nur eins übrig: anfangen, verwerfen, neu ansetzen, wieder verwerfen... Das Anfangen ist das Wichtigste. Und dabei hilft nur Disziplin.