28.05.2015
Total votes: 166
wissen.de Artikel

Die drei ??? - Das Geheimnis der Geisterinsel

Ein Blick hinter die Kulissen

Nach der Aufklärung ihres letzten Falles ist für "Die drei ???" erst einmal Urlaub angesagt, finden zumindest Peter Shaw (Zweiter Detektiv) und Bob Andrews (Recherchen und Archiv). Und selbst ihr Anführer Justus Jonas (Erster Detektiv) lässt sich nicht zweimal bitten. Denn Peters Vater hat die drei Jungs nach Südafrika eingeladen. Oder genauer gesagt: auf die Geisterinsel, wo er der steinreichen Miss Wilbur beim Bau eines Themenparks helfen soll. Doch ein mysteriöses Ungetüm, der so genannte Tokolosh, treibt sein Unwesen und sorgt für Angst und Schrecken unter den Arbeitern. Klare Sache: ein Fall für „Die drei ???“! Und schon stecken „Die drei ???“ mitten in einem aufregenden Abenteuer, das alles übertrifft, was sie bisher erlebt haben ...

Rocky Beach in Südafrika

Als Hauptquartier für die Produktion wählten die Filmemacher die südlichste Stadt Afrikas, Kapstadt. In und um die Metropole am Kap der Guten Hoffnung sollte der komplette Dreh abgewickelt werden. „Kapstadt hat eine hervorragende Film-Infrastruktur“, gibt Produzent Malte Grunert, Leiter des Kompetenz-Centers SHIP - Studio Hamburg International Production, zu Protokoll. „Das war sicher ein entscheidender Grund, warum wir Südafrika als Drehort gewählt haben. Es gab aber auch inhaltliche Gründe, weshalb Kapstadt sich anbot. Im Zuge der Modernisierung des Originalromans hatten wir ja beschlossen, die Handlung in Südafrika spielen zu lassen. Und rein geografisch ist Südafrika nicht zu schlagen: Ein Teil unserer Geschichte und der ganzen Buchreihe spielt stets in Rocky Beach, also einem südkalifornischen Vorort. Genau solche Vorortmotive findet man auch in Kapstadt. Diese Überlegungen gaben den Ausschlag, den Film einfach komplett dort anzusiedeln und auch inhaltlich zu verwurzeln.“

 

Auch Regisseur Florian Baxmeyer war begeistert von der Wahl des Drehorts: „Ich war sehr froh, dass die gesamte Geschichte nach Südafrika verlegt wurde, weil wir das Land, das so viel bietet, nicht verstecken wollten. Und natürlich gab es auch pragmatische Gründe: Man hätte allein wegen des Linksverkehrs einen unglaublichen Aufwand betreiben müssen, um Amerika vorzuspielen. Und man hätte vieles nicht zeigen können wie den Tafelberg oder die schöne Küstenlinie. Das war ein großer Schritt nach vorne.“

Ein eingespieltes Team

Um sich entsprechend für den Dreh zu wappnen, nahm der Regisseur seine wichtigsten Mitstreiter aus Deutschland mit. „Mitgebracht habe ich Sebastian Ballhaus, mit dem ich zuvor schon einen Zweiteiler gedreht habe. Er ist ein sehr erfahrener erster Regieassistent. Das klappte super. Ihm unterlag die ganze Planung, und er machte weitaus mehr, als für einen Regieassistenten sonst üblich ist. Er war mein erster Ansprechpartner im Hinblick auf die gesamte Organisation. Außerdem hatte ich den Kameramann Peter Krause mit dabei. Beide waren neben den Schauspielern meine wichtigsten Partner bei dem Projekt.“ Und Malte Grunert meint: „Dazu gab es noch weitere deutsche Heads of Department, z. B. Kostümbildnerin Esther Walz. Das hat auch praktische Gründe, weil ein Teil dieser Departments weit im Vorfeld zur eigentlichen Produktion mit ihrer Arbeit beginnt. Es ist gut, die Nähe zu haben zu Regie und Produktion, um die nötigen Entscheidungen gemeinsam zu treffen. In dem Augenblick, in dem es praktisch wurde, das Team zu vergrößern und in die eigentliche Preproduction des Drehs zu gehen, sind wir nach Südafrika gegangen. Von da an stießen eigentlich nur noch Südafrikaner dazu.“

 

Florian Baxmeyer jedenfalls war zufrieden: „Die Leute vor Ort sind sehr professionell, da sie viel Dreherfahrung mitbringen. Es klappt wunderbar.“ Und auch Grunert weiß nicht von eventuellen Kommunikationsproblemen zu berichten: „Unsere deutsche Crew ist international sehr erfahren. Peter Krause hat in Los Angeles gearbeitet, Sebastian Ballhaus ist Mitglied der Nordamerikanischen Regiegilde und hat sehr viel in den USA gearbeitet. Das Gleiche gilt für unseren Camera Operator – viele in unserem deutschen Team haben internationale Erfahrung, genauso wie das südafrikanische Team. Kommunikationsprobleme bestehen hier überhaupt nicht, weil alle mit demselben System und demselben Erfahrungshintergrund arbeiten.“ Auch der Dreh auf Englisch bereitete keinerlei Probleme. Baxmeyer berichtet: „Wenn ich wirklich unsicher war, habe ich unsere englischsprachige Script-Continuity gefragt. Ansonsten war es relativ klar, weil der Autor Amerikaner ist und wir in langen Sitzungen alles durchgesprochen hatten. Ich bin da sehr sicher, wie sich die Dinge anhören müssen. Mein Englisch ist außerdem gut genug, dass es keinerlei Missverständnisse gibt.“

 

Mit Hilfe der in Südafrika ansässigen deutschen Produktionsfirma Two Oceans Production löste man nicht nur die logistischen Probleme, sondern suchte auch nach den passenden Locations, die für den Dreh benötigt wurden. „Während der Arbeit am Drehbuch gab es bereits mehrere Motiv-Reisen nach Kapstadt. Dazu kommt, dass wir bei Studio Hamburg mittlerweile selbst eine sehr ausführliche Bibliothek von Motiven in Kapstadt haben.“

Dramatische Stunts 

Interessant ist, dass die Produktion ausdrücklich entschied, im Film die Realität von Südafrika nicht unter den Teppich zu kehren. Teile des Films spielen in Townships. Eine besonders beeindruckende Stuntszene, in der ein Lastwagen eine Wellblechhütte dem Erdboden gleichmacht, wurde in Kayalishta gedreht, dem mit knapp zwei Millionen Einwohnern größten Township von Kapstadt und dem drittgrößten Township von ganz Südafrika. „Ich hielt das für sehr wichtig“, betont Florian Baxmeyer. „Zum einen ist es so, dass in der Originalgeschichte auch das Thema Diskriminierung auftaucht. Das haben wir in die heutige Zeit übersetzt. Und ich denke, man konnte den Film gar nicht drehen, ohne diese Problematik zu zeigen. Dadurch wird auch die Geschichte aufgewertet, ohne dass ein großes Sozialdrama herauskommt. Man sieht es, aber es wird nicht im Dialog thematisiert.“

 

Mit Hilfe der Kontakte von Two Oceans Production verlief der Dreh in Kayelitsha absolut reibungslos. „Das war eine sehr gute Erfahrung“, erinnert sich der Regisseur. „Die Leute waren sehr nett. Wir hatten keinerlei Probleme. Es war gar nicht so, wie man sich Slums im landläufigen Sinne vorstellt. Es ist dennoch unglaublich bizarr, wenn man diesen krassen Unterschied zwischen Arm und Reich sieht, die als Nachbarn nebeneinander leben.“

 

Als weitaus aufreibender erwies sich der Dreh einer aufwändigen Stuntsequenz, in der sich Justus, Peter, Bob und Chris mit Paraglidern von einer Bergwand stürzen und Kurs auf das weit unten gelegene Kapstadt nehmen, um die Verfolgung des Bösewichts des Films aufzunehmen. Natürlich sieht man in diesen Szenen nicht die jugendlichen Hauptdarsteller, sondern ausgebildete Stuntleute. Aufgrund der unberechenbaren Fallwinde, die man am Ende des südafrikanischen Sommers im April immer wieder erleben kann, mussten die Aufnahmen für diese wichtige Szene immer wieder verschoben werden – so oft, dass die Produzenten anfingen, sich ernsthafte Sorgen zu machen, ob sie die Einstellung überhaupt noch in den Kasten bekämen. Und gerade als man kostspielige Alternativen in Erwägung zu ziehen begann, klappte es doch noch. Die Winde ließen nach, die Szene konnte gedreht werden. Es war der einzige schwierige Moment in einem Dreh, der harmonischer nicht hätte ablaufen können.

Alte Bekannte

Und schließlich konnten sich Creative Producer Ronald Kruschak und Regisseur Florian Baxmeyer noch über ein echtes Highlight freuen. Um sich ein eigenes Bild von dem zu erwartenden Film mit den „Die drei ???“ zu machen, statteten Andreas Fröhlich, in den deutschen Hörspielen seit 1979 der Sprecher von Bob Andrews, sowie sein Kollege Oliver Rohrbeck, deutsche Hörspiel-Stimme von Justus Jonas, der Produktion einen Besuch in Südafrika ab. Diese Chance ließen sich Kruschak und Baxmeyer nicht entgehen und fragten beide, ob sie Lust auf einen kurzen Gastauftritt im Film hätten. So kann man jetzt ziemlich am Anfang den deutschen Original-Bob erleben, wie er auf dem Schrottplatz von Onkel Titus einen Super-Papagei erwirbt. Doch nicht nur diese augenzwinkernde Anspielung auf einen weiteren Fall der „Die drei ???“ wird Fans ein Schmunzeln entlocken: Man sieht auch, wie Cameron Monaghan, der Darsteller des Bob im Film, an Andreas Fröhlich vorbeigeht und die beiden sich einen kurzen Blick zuwerfen. „Es sieht aus, als würden sie denken ’den hab ich doch irgendwo schon mal gesehen’“, lacht Baxmeyer. „Das fand ich einfach schön, es ist ein Gimmick, der Fans hoffentlich Freude bereitet.“ Oliver Rohrbeck ist gegen Ende des Films als Hotelgast zu sehen, der dem Film-Justus einen Guten Morgen wünscht.

 

Abschließend meint Florian Baxmeyer: „Die größte Herausforderung war im Allgemeinen, dass man den Grat finden musste zwischen einem modernen Film, der überall auf der Welt verstanden und als gut empfunden wird, ohne das Herz der ‚Die drei ???’ zu verletzen. Sie stammen nun mal aus den 60er Jahren und beziehen ihren Reiz auch daraus, dass sie einen gewissen altmodischen, klassischen Charme ausstrahlen. Die richtige Mischung zu finden, war eine schwierige Aufgabe.“ Und er meint selbstbewusst: „Man sollte sich diesen Film unbedingt im Kino angucken, weil er sehr spannend ist, wahnsinnig viel Spaß macht und das Gefühl eines perfekten Sommers hinterlässt.“

Buena Vista