21.05.2015
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Frida Kahlo

Malerin der Schmerzen

In der lateinamerikanischen Kunstgeschichte nimmt die Malerin Frida Kahlo (1907–1954) eine einzigartige Stellung ein. Mit ihren Bildern legte sie künstlerisch Zeugnis von ihrer Leidensgeschichte ab. Seit den 1970er Jahren machten Ausstellungen ihr künstlerisches Werk weltweit bekannt. Sie wurde zum Mythos und ihr Leben zur Künstlerlegende.

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Frida Kahlo

Frida Kahlo wurde als Tochter eines emigrierten Deutsch-Ungarn und einer Mexikanerin am 6. Juli 1907 in Coyoacán nahe Mexiko-Stadt geboren. Mit 18 Jahren erlitt sie bei einem Busunglück schwerste Verletzungen: Eine Haltestange bohrte sich durch Rücken und Unterleib. Dieser Unfall und die ständigen Schmerzen begleiteten sie ein Leben lang.

Frida Kahlo wurde als Tochter eines emigrierten Deutsch-Ungarn und einer Mexikanerin am 6. Juli 1907 in Coyoacán nahe Mexiko-Stadt geboren. Mit 18 Jahren erlitt sie bei einem Busunglück schwerste Verletzungen: Eine Haltestange bohrte sich durch Rücken und Unterleib. Dieser Unfall und die ständigen Schmerzen begleiteten sie ein Leben lang. In den Monaten nach dem Unfall fast bewegungslos ans Krankenbett gefesselt, brachte sich Frida Kahlo das Malen bei. Auch als sie mithilfe eines Spezialkorsetts wieder gehen konnte, blieb sie der Malerei treu. 1928 lernte sie den Künstler Diego Rivera kennen und bat ihn um die Beurteilung ihres Talents. Er war begeistert, nicht nur von ihren Bildern. Aus einer Affäre wurde 1929 eine Ehe. Zwei Unfälle, sagte sie später, hätten ihr Leben geprägt: das Busunglück und die Begegnung mit Diego Rivera.

Eine schwierige Verbindung

Diego Rivera war damals einer der renommiertesten mexikanischen Maler, Schöpfer monumentaler Wandbilder, überzeugter Kommunist, für Frida Kahlo ein bewundertes Vorbild. Aber seine Egozentrik, seine Rücksichtslosigkeit, seine ständigen Affären, auch mit ihrer Schwester, belasteten die Beziehung schwer. Schließlich beanspruchte Frida Kahlo ebenfalls Freiheiten. Beziehungen zu zahlreichen Männern und Frauen sind verbürgt. Ob allerdings auch der russische Revolutionär Leo Trotzkij dazu gehörte, dem sie zeitweise ihr Haus zur Verfügung stellte, ist ungewiss.

Den großflächigen Fresken ihres Mannes stellte Frida ihre sehr persönlichen kleinformatigen Bilder entgegen. 1938 zeigte eine New Yorker Galerie erstmals einige ihrer Werke. Dank ihrer Freundschaft mit dem französischen Schriftsteller und einflussreichen Surrealisten André Breton (1896–1966) konnte sie ihre Bilder 1939 in Paris präsentieren. Im selben Jahr nahm sie in Mexiko-Stadt an der Internationalen Surrealistenausstellung teil. Damals kam es auch zur Scheidung. Doch kurz darauf heirateten Frida Kahlo und Diego Rivera zum zweiten Mal – es wurde eine Neuauflage des ersten Eheunglücks. Wieder wurde das künstlerische Schaffen von der Flucht in Liebschaften, Alkohol und Drogen begleitet. Frida Kahlo ruinierte ihren geschwächten, gemarterten Körper vollends und wartete auf die öffentliche Anerkennung als Malerin. Erst 1953 bekam sie in der Heimat eine große Einzelausstellung. Nur ein Jahr später verstarb sie.

Bilder eines Lebens

Das Werk Frida Kahlos umfasst 143 meist kleinformatige Gemälde. Ein Drittel davon sind Selbstporträts, voller Emotionalität, Poesie, aber auch erschütternder Direktheit. "Kunst wie mit einer farbigen Schleife um eine Bombe", schrieb André Breton enthusiastisch. So verarbeitete sie im Gemälde Henry Ford Hospital (1932), das sie im Blut befleckten Krankenbett zeigt, eine Fehlgeburt. Berühmt wurde das doppelte Selbstbildnis Die zwei Fridas (1939), auf dem sie sich als europäische und als mexikanische Frida mit herausgeschnittenem Herzen darstellt – Ausdruck ihrer inneren Zerrissenheit während Ehekrise und Trennung. Ihr Werk ist von einer bedrückenden Symbolik des Leidens geprägt und zeigt starke Einflüsse der mexikanischen Volkskunst.