21.05.2015
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Wo Kohl Kult ist

Zwischen Hamburg und Sylt liegt das größte Kohlanbaugebiet Europas: Dithmarschen. In der deutschen "Kohlkammer" werden von 280 landwirtschaftlichen Gemüseanbaubetrieben jedes Jahr über 80 Millionen Kohlköpfe im Wert von 25 Millionen Euro geerntet. Die 275 Kohlbauern bewirtschaften rund 2.500 Hektar. Das entspricht einer Gesamtfläche von 2.500 Fußballfeldern. Der Weißkohl beansprucht mit 2.200 Hektar den meisten Platz, gefolgt vom Rotkohl (360 Hektar), Blumenkohl (129 Hektar) und Wirsing (83 Hektar). Ein Teil der Ernte wird direkt vom Feld an die verarbeitende Industrie und den Zwischenhandel geliefert. Das meiste – mehr als 80 Prozent – wird eingelagert und bis zur nächsten Ernte in ganz Europa verkauft. 107.000 Tonnen fassen die Kühllager in Dithmarschen. Hinzu kommen 30.000 Tonnen normale Lagerfläche.

Der Kohlanschnitt und das Kohlosseum

Kohl ist in Dithmarschen Kult. Die "Dithmarscher Kohltage" sind so etwas wie das nördliche Gegenstück zu den süddeutschen Weinfesten. 2007 finden sie zum 21. Mal statt, vom 18. bis 23. September. Es gibt Dutzende Kohlfeste und zwei Kohlregentinnen. Wie beim Anzapfen des ersten Oktoberfestbieres, werden die Ditmarscher Kohltage mit einem fachmännischen Kohlanschnitt auf einem Kohlfeld eröffnet, 2007 in Oesterwurth/Wesselburen.

Eine weitere Besonderheit ist das ganze Jahr über in Wesselburen (zwischen Heide und Büsum) zu besichtigen: das Kohlosseum. In der ehemaligen Zuckerfabrik ist ein Kohl-Museum untergebracht  – mit eigener "Krautwerkstatt", in der neue Kohl-Salate kreiert und Salben sowie Heilmittel zusammen gemixt werden.  

 

Vitaminbombe und Ballaststoffpaket

Die Kohlfamilie umfasst mehr als 30 Sorten. Neben dem Weißkohl landen vor allem der Blumen- und Rosenkohl, der Kohlrabi, der Wirsing- und Grünkohl in deutschen Töpfen. Und das ist gut so. Denn im Kohl steckt genauso viel Vitamin C wie in den italienischen Zitrusfrüchten. Außerdem enthält er die Vitamine B, A und E. Doch damit nicht genug: Kohl ist voller Mineralstoffe wie Magnesium, blutbildendes Eisen, Phosphor, Kalzium, Mangan und Zink. Außerdem macht er mit 25 Kalorien auf 100 Gramm garantiert nicht fett.

In den Blättern und Stängeln haben jüngst finnische Ernährungswissenschaftler krebshemmende "Isothiocyanate" entdeckt, die bei der Vergärung des Weißkohls zu Sauerkraut entstehen. Ohnehin seit langem bekannt ist, dass Sauerkraut das Immunsystem stärkt und bei Konzentrations- und Herz-, Kreislaufproblemen hilft.

Alle Kohlsorten sind zudem wahre Ballaststoffpakete. Sie machen satt und fördern die Verdauen. Apropos: Mit Zugabe von etwas Kümmel- und Fenchelsamen oder frisch geriebenem Ingwer lassen sich Blähungen vorbeugen. Und gegen den zuweilen strengen Kohlgeruch beim Kochen, hilft ein Schuss Essig ins kochende Wasser.  

von Michael Fischer, wissen.de