21.05.2015
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Goldgelbes Energiebündel

So gelb, so strahlend blüht er - der Raps. Noch bis Anfang Juni stehen die Felder in voller Blütenpracht. Doch bis zur Ernte warten die Landwirte noch bis Juli oder sogar August. Abgesehen von seiner Verwendung als Speiseöl bei der Zubereitung von Salaten und Gebratenem, hat der Kreuzblütler eine Bedeutung als erneuerbarer Energieträger gewonnen. Das Stichwort lautet hier "Biomasse". Und aus Raps wird "Bio-Diesel" gewonnen. Doch Biosprit hat Sympathiepunkte eingebüßt: Seine Erzeugung gilt zumindest nach massenmedial verbreiteter Meinung als Preistreiber für Nahrungsmittel.

 

Von der Nutzpflanze zur Energiepflanze

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Raps
Wird Raps allein zum Zweck der späteren Energiegewinnung angebaut, spricht man auch von Energiepflanzenanbau. Im Gegensatz zu anderen Kraftstoffen ist Bio-Diesel biologisch abbaubar. Außerdem senkt es den Schadstoffausstoß. Doch wer glaubt, einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz zu leisten, wenn er seinen Kraftstoff aus der Bio-Diesel-Säule zapft, ist auf dem Irrweg: Eine Überbetonung von Monokulturen – also dem jedes Jahr wiederholten Anbau derselben einjährigen Nutzpflanzenart - wird aufgrund der schnelleren Ausbreitung von Schädlingen als problematisch gesehen. Außerdem wird der Einsatz von Getreide für die Gewinnung von Biosprit als ein Grund für die Preissteigerung und eine beginnende weltweite Nahrungsmittelkrise gesehen. Die Bundesregierung wird dennoch an ihren Klimaschutzzielen und damit auch der Entwicklung von Kraftstoffen aus Biomasse festhalten. Das Stichwort ist dabei "Biosprit der 2. Generation"; dabei handelt es sich um Produkte, die nicht mit der Nahrungsmittelproduktion im Wettbewerb stehen.

 

Der Raps und seine Zukunft

Ein weiterer Minuspunkt für den Raps ist der relativ kleine Ertrag bei der Ernte. Verwertet werden kann nur das in den Saatkörnern enthaltene Öl. Der ungenutzte Teil der Pflanze wandert in den Nahrungskreislauf des Viehs. Da beim Rapsanbau Stickstoffdünger zum Einsatz kommen, die Lachgas emittieren, ist der Nutzen vergleichsweise gering.

Daher wird Raps von Experten nicht als Energiepflanze der Zukunft gesehen. Pflanzenarten, die schnell wachsen, wenig Dünger benötigen und ganz verwertet werden können, gehört die Zukunft.

 

Raps hat es in sich

Rapssamen bestehen hauptsächlich aus Öl, und zwar bis zu 50 Prozent. Rund 30 Prozent sind Eiweiß. Früher hatten die Rapssamen einen hohen Gehalt an Erucasäure. Sie war Grund für den bitteren Geschmack. Daher hat Rapsöl zu Beginn seiner Verwendung nicht als Lebensmittel Karriere gemacht, sondern als technisches Öl. Außerdem enthielt die Pflanze giftige Glucosinolate, die eine Verwendung als Viehfutter ausschlossen. Erst zu Beginn der 70er Jahre gelang es, säurefreien Raps zu züchten. Weitere Fortschritte bei der Züchtung verringerten den Anteil an Glucosinolaten so stark, dass Raps nun auch als Futtermittel in Betracht kam.

 

Der Mähdrescher kommt

Eine Fruchtfolge mit Mais und Wintergerste ist die übliche Praxis beim Rapsanbau in Deutschland. Schädlinge und Unkräuter würden sonst die Oberhand gewinnen.

Wenn die Körner hart, dunkelbraun oder schwarz sind, ist der Raps reif. Der Mähdrescher erntet die Rapskörner, die im Anschluss noch getrocknet werden müssen, um ihren Wassergehalt zu senken. Erst dann sind sie lagerfähig.

 

 

von Michaela Wetter, wissen.de