21.05.2015
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wissen.de Artikel

Der Donau-Radweg

Immer am Fluss entlang: Wer von der Quelle bis nach Wien will, hat 925 Kilometer vor sich.

Die Donau ist eine der größten Wasseradern des Kontinents. Und sie war lange die wichtigste Völkerstraße zwischen Südrussland, Zentralasien und Mitteleuropa. Am besten man geht das Kennenlernen dieses Stroms und seiner abwechslungsreichen Landschaften langsam an – z.B. auf dem Fahrrad. Der Donauradweg, durchweg bestens beschildert, zählt zu den Klassikern unter den Fernwanderwegen für Zweiradurlauber. Und: es müssen ja nicht gleich alle 2800 Kilometer sein.

Auch wenn man sich bei Radtouren gerne ein attraktives Ziel setzt – an der Donau kommen hier Passau, Wien oder Budapest in Frage: es geht nicht primär um das Ankommen. Wer seinen Urlaub auf dem Rad an der Donau verbringen möchte, der hat Zeit. Der Weg ist schließlich das Ziel, die Donau mit ihren wunderschönen Flusslandschaften und unberührten Augebieten auch jede Menge kulturelle Sehenswürdigkeiten und von Baden-Württemberg über Bayern bis nach Österreich auch das eine oder andere kulinarische Schmankerl. Trotzdem: Steht man erst einmal vor dem Stephansdom und die Fiaker zuckeln vorbei, so fühlt  man sich inmitten der Touristenströme auf der Kärntner Straße in verschwitzen Sportklamotten gleichsam fehl am Platz wie stolz auf vollbrachte Kilometerleistungen der vergangenen Tage. Wien ist unbestritten ein lohnender Abschluss einer abwechslungsreichen Radreise. Und sie endet tatsächlich – will man nicht noch weiter bis nach Budapest - mitten im Herzen der österreichischen Hauptstadt.

Der Anfang

Aber zurück an den Anfang. Und mit dem ist es gar nicht so einfach. Die Donauquelle nämlich ist auf den Karten dort vermerkt, wo sich erst einmal ein Bächlein namens Breg seinen Weg durch den Schwarzwald bahnt. In Donaueschingen trifft es dann auf das Flüsschen Brigach, das von Norden kommt. Im Garten des Fürstenbergischen Schlosses haben die Donaueschinger diesen Ort des Ursprungs pompös eingefasst, von hier ab werden die Kilometer der Donau auf ihrem Weg zum Schwarzen Meer gemessen, 539 sind es allein bis Passau, kurz bevor die blaue Schöne Deutschland Richtung Österreich verlässt.

Reiz des Donaudurchbruchs

Hat man die Dreiflüssestadt in Niederbayern erst erreicht, liegen hinter einem die ersten Etappen durch den Naturpark Obere Donau mit seinen hohen Kalkfelsen, die Oberschwäbische Barockstraße mit ihren kunsthistorischen Schätzen auf dem Weg nach Ulm. Man hat die Fahrt aufgenommen Richtung Ingolstadt, alten Residenzstädtchen wie Günzburg, Dillingen und Höchstadt einen kurzen Besuch abgestattet und den Reiz des Donaudurchbruchs zwischen Weltenburg und Kelheim ausgekostet. Es ist nicht übertrieben, zu behaupten, dass sich der Fluss hier regelrecht durchzwängen muss, rechts und links die Felsen des fränkischen Jura. Und die haben es auch für die Radler in sich. Wer sich nicht auf der wenig empfehlenswerten Route bergauf quälen will und stattdessen lieber die einzigartige Felslandschaft von unten betrachtet, sollte hier aufs Schiff umsteigen. Es lohnt sich. Ebenso wie ein Aufenthalt im 2000 Jahre alten Regensburg, das gerne Kulturhauptstadt Europas geworden wäre und sich immerhin bei der bayerischen Vorentscheidung durchsetzte.

Gemütlich durch Österreich

Der österreichische Teil des Weges, für den ein gemütlicher Radfahrer sich durchaus eine Woche Zeit lassen kann, um die unterschiedlichen Regionen von der Schlögener Donauschlinge über den Nibelungengau bis hin zur Wachau zu genießen, gilt als eine der beliebtesten Radrouten Europas. Rund 200.000 Urlauber strampeln jedes Jahr donauabwärts Richtung Wien. In den Städtchen und Dörfern entlang der Route haben sich die Gastwirte und Hoteliers längst auf die Zweirad-Gäste eingestellt. Allerorts bekunden Hinweisschilder die fahrradfreundliche Einstellung der Gastgeber. Radler sind hier willkommen und sollten sich durchaus hier und dort eine Einkehr in ein paar der schier unzähligen Buschenschänken in einem der traditionsreichen Weinbaugebiete Österreichs, der Wachau, gönnen.

Passagen mit dem Schiff

Der Donauradweg von der Quelle bis nach Wien ist 925 Kilometer lang. Was nicht bedeutet, dass man die alle abradeln muss. Auch wer sich nur für Teilstücke entschließt oder auch mal eine Passage mit dem Schiff zurücklegt, kommt auf seine Kosten. Der relativ flache Streckenverlauf entlang des Flusses garantiert auch älteren Semestern oder Familien mit Kindern einen entspannten Urlaub ohne sportliche Überforderung.

 

Tourenverlauf: Donaueschingen- Tuttlingen-Fridingen-Sigmaringen-Riedlingen-Ehingen-Ulm-Günzburg-Donauwörth-Ingolstadt-Bad Gögging-Regensburg-Straubing-Deggendorf-Passau-Schlögen-Linz-Grein-Melk-Krems-Tulln-Wien

 

von Iris Hilberth, wissen.de