21.05.2015
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wissen.de Artikel

Raus aus ... Köln

Wo die Jecken abschalten

Karneval in Köln
Köln ist Karnevalshauptstadt der Deutschen. Bunt und lebenslustig. Wem die allgemeine Fröhlichkeit dann mal zu viel wird, der kann in so gut wie jede Himmelsrichtung fliehen: Schön ist es überall. Man könnte nun ganz im Sinne der Kölner Weisheit „Et kütt, wie et kütt“ (es kommt, wie es kommt) einfach drauflos fahren. Doch wer ein bisschen Bescheid weiß, kann selbst entscheiden, was da kommen soll.

 

Die Eifel – grünes Herz mit blauen Augen

Südlich von Köln pulsiert das „Grüne Herz Europas“, die Mittelgebirgsregion Eifel im Städteviereck Aachen, Köln, Koblenz, Trier. Langweilig war es hier in den vergangenen Millionen Jahren nicht – brodelnde Vulkane formten das Gesicht der Region, Kelten und Römer kämpften um das Land, Rennfahrer gingen am Nürburgring an ihre Grenzen, heute spielen hier Kriminalromane – doch im Nationalpark Eifel kann man dennoch ganz entspannt wandern. Per Zug gut erreichbar ist das Nationalpark-Tor Schleiden-Gemünd: In einer Stunde geht’s nach Kall, von dort in 10 Minuten per Bus nach Gemünd. Der Nationalpark bietet eine unverwechselbare Landschaft mit Moorgebieten, hohen und dichten Wäldern, weiten Feldern, Stauseen, plätschernden Bächen und tiefen Bachtälern. Im Natur- und Geopark Vulkaneifel sind es die über die Landschaft versprengten Maarseen – mit Wasser gefüllte, schüsselförmige Vulkantrichter, genannt die „Augen der Eifel“ –, die das Landschaftsbild einmalig machen. Lust auf Kultur? Im Deutsch-Luxemburgischen Naturpark taucht man in Festungen und Burgen, Schlössern und Klöstern tief in die Geschichte ein.

 

Bergisches Land – das Wasserreich

Weinfelder Maar in der Eifel

Ein Maar ist eine durch vulkanische Gasexplosionen entstandene kraterartige Vertiefung in der Erdoberfläche. Maare finden sich besonders in der Eifel und in der Auvergne (Frankreich).

Wendet man sich nach Osten, geht’s „ins Bergische“. Das Bergische Land zählt zu den ältesten Industrieregionen Westeuropas, und die drei größten Sehenswürdigkeiten sind auch tatsächlich von Menschenhand gemacht: die Dhünn-Talsperre als größte Talsperre im Westen Deutschlands, die Müngstener Brücke als höchste Eisenbahnbrücke Europas und Schloss Burg, die größte wiederhergestellte Burganlage der Region. Doch rundherum gibt’s viel Natur, und der Naturpark Bergisches Land ist rund 2.100 km² groß. Typisch fürs Bergische: viel Wasser. Unzählige Bachtäler, 16 Talsperren und Stauseen sind herrliche Erholungsgebiete und Rückzugsräume für seltene Tiere und Pflanzen. Wiesen, Weiden und Laubwäldchen lassen die Hügelandschaft in frischem Grün leuchten, Steinbrüche, Heidelandschaften (etwa die Wahner Heide) und Hangmoore bringen Abwechslung in die Sache. Ebenso typische Aktivität: Auf Flüssen und Flüsschen lässt es sich hervorragend Bootwandern – mit Kanu oder Kajak, entspannt oder ambitioniert, ganz nach Belieben. Für „richtige“ Wanderer gibt es 3.500 Kilometer Wege – inklusive einige interessante Themenwege vom 4,2 Kilometer kurzen „Milchweg“ für Kinder bis zum 20,5 Kilometer langen Wald-Wasser-Wolle-Wanderweg, der zu den Ursprüngen Bergischer Textilindustrie führt. Und wer die Region aus der Luft bestaunen möchte: Ballonfahrten starten in Köln und im Bergischen Land zu jeder Jahreszeit.

 

Sagenhaftes Rheintal – zu Drachen und Nibelungen

Schön für Familien ist ein Ausflug an den Mittelrhein, zum 321 Meter hohen Drachenfels, in die Welt der Romantik und der Sagen. Von Köln geht’s im rechtsrheinischen Nahverkehrszug bis Königswinter und schon sieht man die Felswand des Drachenfels imposant über dem Rhein aufragen. Romantischer ist die Anreise per Schiff – und beim Anblick von Siebengebirge, Rheintal und Drachenfels lässt sich gut nachvollziehen, was die Dichter an dieser Gegend so inspirierte. Den Weg zur Spitze des sagenhaften Felsens tritt man Fuß oder bequem mit der Drachenfelsbahn an, Kinder können sogar auf den Eseln vom „Esel's Peter“ nach oben reiten. So geht’s mit Spaß und ohne Gequengel bis zum Eingang des Schlosses Drachenburg, und die Besichtigung kann beginnen. Ein Muss: der Abstecher in die Nibelungenhalle, mit zwölf Gemälden aus dem „Ring des Nibelungen“. Durch die Drachenhöhle geht es dann zum Reptilienzoo. Die Krönung kommt beim Abstieg: eine Einkehr im Winzerhäuschen, eine hübsche Gaststätte mit Bier- und Weingarten auf halber Höhe. Bei einem Kölsch vom Fass oder einem Viertel Siebengebirgswein zu üppigen, regionalen Gerichten lässt man den Blick über Rheinland, Eifelberge und Kölner Bucht schweifen – und macht sich dann gestärkt und entspannt auf den Rückweg in die fröhliche Domstadt.

Jutta Mlnarschik