21.05.2015
You voted 3. Total votes: 108
wissen.de Artikel

Deutschland als Schlusslicht 

Ein trübes Bild vom Wirtschaftsstandort Deutschland zeichnet der aktuelle Standort-Check der Bertelsmann Stiftung. Im Erfolgsindex, der die Entwicklung der 21 weltweit wichtigsten Industrienationen misst, nimmt die Bundesrepublik in den Bereichen Wachstum und Beschäftigung den letzten Platz ein. Lediglich beim Aktivitätsindex, der als Frühindikator für den Erfolg wirtschaftspolitischen Handelns dient, konnte sich Deutschland seit letzten Herbst etwas verbessern, liegt aber weiter auf dem 16. Platz. Bei der Qualität der Standorte klar vorne liegen Irland, die USA und Norwegen. 

Zuwachs: unterdurchschnittlich

Standort-Check
Die Gründe für das schlechte Abschneiden von Europas größter Volkswirtschaft liegen vor allem im unterdurchschnittlichen Zuwachs der Erwerbstätigkeit und in dem im internationalen Vergleich mit rund 30.000 Euro geringen Bruttoinlandsprodukt pro Kopf. In 15 der 21 untersuchten Staaten liegt das Pro-Kopf-Einkommen um bis zu 50 Prozent über dem deutschen Wert. Der leicht positive Trend beim Aktivitätsindex wurde begünstigt durch eine erhöhte Arbeitsmarktbeteiligung (Stichwort: Hartz-Gesetzgebung), die verhältnismäßig geringe Arbeitslosenquote bei Jugendlichen und die moderate Lohnpolitik der vergangenen Jahre.

 

Ältere Arbeitnehmer im Abseits  

Bei den übrigen Vergleichen schneidet Deutschland dagegen miserabel ab. Insbesondere die Integration älterer Menschen in den Arbeitsmarkt erweise sich, so die Bertelsmann-Studie, als gravierendes Problem. Während die Arbeitslosenquote der 55 bis 64-Jährigen in den Vergleichsländern durchschnittlich bei 4,4 Prozent liegt, sind in der Bundesrepublik mit 11,3 Prozent mehr als doppelt soviele Ältere von Arbeitslosigkeit betroffen. Gleichzeitig ist die Erwerbsbeteiligung der älteren Menschen in Deutschland mit 44,2 Prozent extrem gering.

 

"Insbesondere vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung und dem drohenden Fachkräftemangel kann es sich die Bundesrepublik nicht länger erlauben, das Leistungspotenzial und den Erfahrungsschatz der älteren Arbeitnehmer in derart großem Umfang brach liegen zu lassen", forderte Vorstandsmitglied Dr. Johannes Meier bei der Vorstellung der Studie. Politik, Wirtschaft und Tarifparteien seien in der Pflicht, verstärkt über neue Beschäftigungs-Arrangements für Ältere nachzudenken.

 

Mehr Wettbewerb im Gesundheitssystem

Kritisch stellt sich weiterhin die Finanzsituation der öffentlichen Hand dar. Dringenden Reformbedarf sehen die Experten der Bertelsmann Stiftung zudem im Gesundheitssystem. Mehr Wettbewerb unter den Versicherungen sei notwendig sowie die Abkopplung der Krankheitskosten von den Arbeitskosten.

 

Die Bertelsmann Stiftung hatte im Herbst 2004 erstmals das Internationale Standort-Ranking veröffentlicht, das die Entwicklung der 21 wichtigsten Industrienationen in den Bereichen Wachstum und Beschäftigung vergleicht und bewertet. Der halbjährlich erscheinende "Standort-Check Deutschland" aktualisiert die Ergebnisse dieser Studie und prüft, ob die Bundesrepublik bei den wesentlichen Erfolgs- und Aktivitätsgrößen Fortschritte gemacht hat oder weiter zurückgefallen ist.

 

Weitere Details der Studie gibt es auf der Website der Bertelsmann-Stiftung: http://www.bertelsmann-stiftung.de

 

 

 

 

 

von Michael Fischer, wissen.de (Quelle: Bertelsmann-Stiftung)