21.05.2015
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wissen.de Artikel

Usability-Forschung

Wenn der Nutzer immer Recht hat

Mit dem Vormarsch von Computer und Internet in allen Lebensbereichen gewinnt das Thema Usability, Nutzerfreundlichkeit, immer weiter an Bedeutung. Mussten die ersten Großrechner noch äußerst aufwendig mit Lochkarten gefüttert werden, wird heute eine möglichst intuitive Interaktion von Mensch zu Maschine angestrebt. Effektivität, Effizienz und Zufriedenheit des Nutzers gehören zu einer guten Usability.

Usability: Design für den Nutzer

„Über Geschmack lässt sich nicht streiten", heißt eine alte Lebensweisheit. Stimmt! - sagen Usability-Experten. Nach deren Auffassung sollen Grundregeln der menschlichen Wahrnehmung das Design von technischen Objekten wie Webseiten bestimmen. Nutzertests zeigen, ob eine Site als eigen, aber gebrauchbar durchgeht oder ob sie diesen haarscharfen Grat überschritten hat...

 

„Don't make me think!"

Frau mit Laptop
Frau mit Laptop
„Don't make me think!" Der Titel eines Buches von Steve Krug kann auch als Regel Nummer 1 für die Konzeption einer Internetpräsenz gelten. Jeder Webnutzer hat diese Erfahrung schon einmal gemacht: Irgendwo auf der Site, die man gerade besucht, muss eine bestimmte Information versteckt sein. Nur wo? Zunehmend genervt klickt man sich von Menüpunkt zu Menüpunkt oder wurstelt sich durch eine unübersichtliche Suche.

Die gute Nachricht für alle, die im Web surfen: für solche frustrierenden Erlebnisse haben nicht die Anwender die Schelte verdient – sondern die Designer oder Entwickler. Denn diese müssen die Kommunikations- und Informationsbedürfnisse der User in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen. Anhand von alltäglichen Beispielen schildert Krug, wie sich Menschen im virtuellen Raum bewegen. Krugs Fazit: Wer im Baumarkt ein gewünschtes Produkt nicht findet, wird abhängig vom persönlichen Frustrationslevel vielleicht noch ein paar Runden drehen oder jemanden um Hilfe fragen. Irgendwann verlässt der verärgerte Kunde jedoch unweigerlich das Haus.

Usability-Experte Jacob Nielsen erläutert in seinem Buch „Web Usability" das Gebrauchsprinzip am Beispiel einer Tür: „Eine Tür ermöglicht das Ziehen oder Drücken, je nachdem wie herum sie aufgeht. Wenn jemand bereits im Voraus sehen kann, ob die Tür durch Ziehen oder Drücken geöffnet werden kann, dann ist das ein gutes Benutzerinterface." Jede Tür, die explizite Anweisungen zum Drücken oder Ziehen brauche, sei dagegen schlecht geplant.

 

Die schlimmsten Usability-Fehler

Nervfaktor Nummer 1 haben laut Usability-Forschung unter anderem:

  • überladene Seiten, auf denen zu viele Reize auf den Besucher einschlagen
  • eine zu kleine Schrift
  • ein schwacher oder zu greller Farbkontrast zwischen Text und Hintergrund
  • schlechte Performance: je länger eine Seite zum Laden braucht, desto weniger willkommen fühlt sich der Besucher. „Es ist einfach kein gutes Gefühl, dazusitzen und zu warten, warten, warten“, betont Nielsen
  • zu viele Menüpunkte: sieben (plus-minus ein oder zwei) lautet eine magische Regel der menschlichen Aufmerksamkeit
  • Fachchinesisch
  • Eigenlob von Unternehmen ohne Informationswert
  • eine verwirrende Navigation, die zu sehr von den gewohnten Standards abweicht

Übrigens werden große, farbenprächtige Elemente ganz oben auf einer Webseite besonders oft übersehen. Usability-Forscher erklären das damit, dass an dieser zentralen Stelle häufig Bannerwerbung steht. Wir haben gelernt, unerwünschte Informationsangebote aus der Wahrnehmung auszublenden. Schlecht, wenn sich gerade hier etwa der Login-Button oder die Suche befindet...

von wissen.de-Autorin Monika Wittmann