21.05.2015
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wissen.de Artikel

Kesselschlachten in Russland

Große Erfolge und erste Schwierigkeiten

Die ersten Wochen des Russlandfeldzugs werden von den Nachrichten über gewaltige Kesselschlachten dominiert. Dabei gelingt es den schnellen Panzerverbänden der Wehrmacht immer wieder, starke Verbände der Roten Armee einzukesseln und in so genannten Kesselschlachten fast völlig aufzureiben.

5. Juli 1941 - Einheiten der deutschen Wehrmacht durchbrechen im nördlichen Einsatzgebiet der Heeresgruppe Süd die sowjetische Stalin-Linie, eine zum Teil mit schweren Befestigungen ausgebaute Verteidigungslinie der Roten Armee. Sie erstreckt sich vom Ostufer des Dnjestr bis in den Raum westlich von Opotschka.

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"Fall Barbarossa"

Deutsche Panzer dringen weit in sowjetisches Gebiet an der Ostfront vor, um die Truppen der Roten Armee einzuschließen. In den ersten Kriegsjahren kommen vornehmlich Panzer des Typs "Kampfwagen 3" zum Einsatz, die seit dem Jahr 1936 gebaut werden und 1938/39 in einer verbesserten Version in Serie gingen.

An allen Frontabschnitten kommen die deutschen Einheiten in den ersten Tagen des Angriffs auf die Sowjetunion (22.6.) schnell voran, da der Gegner nicht auf die deutsche Offensive vorbereitet ist. Die deutsche Wehrmachtsführung und Reichskanzler Adolf Hitler verfolgen das Ziel, durch schnelle Panzervorstöße die Hauptstreitkräfte der Roten Armee im europäischen Teil der UdSRR zu umzingeln und zu vernichten. In der Weisung Nr. 21, in der Hitler die Ziele des Krieges gegen die Sowjetunion unter dem Codenamen "Unternehmen Barbarossa" formulierte, wird der deutschen Wehrmacht die Aufgabe gestellt, schnellstmöglich eine Linie zu erreichen, "aus der die russische Luftwaffe reichsdeutsches Gebiet nicht mehr angreifen kann. Das Endziel der Operation ist die Abschirmung gegen das asiatische Russland aus der allgemeinen Linie Wolga-Archangelsk". Mit jedem Tag wächst der Widerstand der sowjetischen Armee gegen die schnell vorrückenden deutschen Verbände, so dass sich deren Vormarsch verlangsamt.

Die Schlagkraft der deutschen Verbände wird geschwächt durch unterschiedliche strategische und taktische Vorstellungen über die Kriegführung in der Wehrmachtsspitze und Befehlsänderungen von Hitler. Starke Regenfälle erschweren außerdem den Vormarsch der deutschen motorisierten Truppen, die im Schlamm der zum Teil nicht befestigten Straßen steckenbleiben. Darüber hinaus kann das Oberkommando der Roten Armee Organisation und Schlagkraft seiner Truppen verbessern (5.8.).

Kriegsgeschehen an der Ostfront

  • 5. 7.: Deutsche Truppen setzen zum Durchbruch durch die sog. Stalin-Linie an.
  • 7. 7.: Wehrmachtsverbände erobern Salla an der finnischen Front.
  • 8. 7.: Adolf Hitler beschließt, Moskau und Leningrad dem Erdboden gleichzumachen.
  • 9. 7.: Nach Abschluss der Doppelschlacht von Bialystok und Minsk geraten 328 000 sowjetische Soldaten in Gefangenschaft. Deutsche Einheiten nehmen Schitomir, Witebsk und Pleskau (Pskow).
  • 11. 7.: Bei Mogiljow überschreitet die Panzergruppe 2 unter Generaloberst Heinz Guderian den Dnjepr.
  • 13. 7.: Truppen der Roten Armee erobern bei einem Gegenangriff Rogatschow und Schlobin.
  • 16. 7.: Smolensk und Kischinjow werden von deutschen Einheiten erobert.
  • 21. 7.: Die deutsche Luftwaffe fliegt ihren ersten Angriff auf Moskau (21.7.).
  • 31. 7.: Die deutsche 16. Armee erreicht den Ilmensee.
  • Kesselschlachten von Bialystok und Minsk

Kesselschlachten von Bialystok und Minsk

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"Fall Barbarossa"

Langer Zug sowjetischer Kriegsgefangener trifft nach verlorenem Kampf im Durchgangslager an einer der Rückzugsstraßen beim Kessel von Bialystok ein

9. Juli 1941 - Nach Abschluss der ersten großen Doppelschlacht im Krieg gegen die Sowjetunion (22.6.) geraten rund 328 000 Soldaten der Roten Armee in deutsche Kriegsgefangenschaft. In den Kesseln von Bialystok und Minsk werden u.a. die 3., die 10. und die 13. sowjetische Armee vernichtend geschlagen. Nach deutschen Meldungen verliert die Rote Armee 1809 Geschütze und 3332 Panzer. Viele sowjetische Soldaten laufen zu den deutschen Truppen über.

In Kommentaren deutscher Zeitungen wird die Doppelschlacht in eine Reihe mit historischen Schlachten gestellt. Die »Münchner Neuesten Nachrichten« schreiben dazu: »Aber nur die Doppelschlacht von Bialystok und Minsk bannte eine Weltkrise. Sie rettete Europa vor der Invasion des Bolschewismus.«

Die Einkesselung großer sowjetischer Armeeverbände durch deutsche Truppen ist wichtiger Bestandteil der deutschen Strategie. Schnelle Panzereinheiten stoßen keilförmig tief ins sowjetische Hinterland vor, ohne sich auf Gefechte mit zwischen den Keilen stehenden sowjetischen Truppen einzulassen. Wenn sie die Fronttruppen der Roten Armee hinter sich gelassen haben, schwenken sie ein und schließen so gemeinsam mit der nachrückenden Infanterie die sowjetischen Verbände ein.

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"Fall Barbarossa"

Nach der Doppelschlacht um Bialystok und Minsk werden zahlreiche sowjetische Soldaten von deutschen Truppen in ein Sammellager bei Minsk gebracht.

Die deutschen Erfolge in den Kesselschlachten müssen jedoch schwer und verlustreich erkämpft werden, da die sowjetischen Einheiten auch in aussichtslosen Situationen zähen Widerstand leisten. Dadurch werden deutsche Truppen gebunden und können nicht so schnell wie von der Heeresleitung geplant weiter vorstoßen. Da die deutschen Truppen zudem Schwierigkeiten mit dem Gelände und starken Regenfällen haben, die den erforderlichen schnellen Vormarsch behindern, können sie sowjetische Einheiten nicht schnell genug einschließen. Mehrere tausend Soldaten der Roten Armee können aus der Umzingelung entkommen und sich im Hinterland zu einer weiteren starken Verteidigungslinie neu formieren.

Schwer erkämpfter Erfolg bei Smolensk

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"Fall Barbarossa"

In Schitomir tritt deutsche Infanterie auf Einheiten der Roten Armee.

5. August 1941- Nach dreiwöchigen Kämpfen besiegen deutsche Truppen der Heeresgruppe Mitte Verbände der Roten Armee im Raum Smolensk. Nach Abschluss einer verlustreichen Kesselschlacht gibt das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) das Ergebnis der Kämpfe mit 310 000 Gefangenen, 3205 Panzern und 3120 Geschützen der Roten Armee an.

Schon am 15. Juli hatten schnelle Panzertruppen die Außenbezirke von Smolensk erreicht. Sie sollten in einer weiten Umfassungsbewegung die dort stationierten sowjetischen Verbände einkesseln. Die Panzertruppen stießen jedoch auf massiven Widerstand der Roten Armee, der ihren Vormarsch zeitweise zum Stehen brachte. Währenddessen formierte die Rote Armee eine Verteidigungslinie rund 40 km östlich von Smolensk u.a. mit Truppenverbänden, die aus dem deutschen Kessel entkommen konnten.

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"Fall Barbarossa"

Die Stadt Witebsk nördlich von Smolensk ist nur eine von vielen Städten, die die deutschen Truppen bei ihrem Vormarsch in der Sowjetunion zerstört hinterlassen.

Der Vormarsch der deutschen Einheiten wird zudem durch den hohen Materialverschleiß, den die blitzartigen Vorstöße über lange Distanzen verursachen, behindert, außerdem durch Schwierigkeiten beim Nachschub. Darüber hinaus treten unterschiedliche Auffassungen zwischen Wehrmachtsführung und Reichskanzler Adolf Hitler immer deutlicher zutage. Das OKW befürwortet in einer Denkschrift vom 18. August einen weiteren Vormarsch in Richtung Moskau; Hitler bestimmt drei Tage später, dass die deutschen Truppen zunächst Krim und Kaukasus in ihre Hand bringen sollen (8.9.).

Chronik Jahresband 1941