21.05.2015
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Ceauşescu und seine Frau werden hingerichtet

Das Volk erhebt sich und stürzt den Diktator

Der stalinistische Terror des Ceauşescu-Regimes und die wachsende Verelendung der Bevölkerung münden in Rumänien im Dezember 1989 in eine Volkserhebung, der sich das Militär anschließt. Trotz des Widerstands der Geheimpolizei Securitate wird Nicolae Ceauşescu gestürzt und zusammen mit seiner Frau hingerichtet. Ein Revolutionsrat übernimmt die Exekutivgewalt. Staatsoberhaupt und Führer dieser Front zur nationalen Rettung wird Ion Iliescu.

Beginn der Unruhen

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Das uneinsichtige Ehepaar

Nicolae Ceausescu mit seiner Frau Elena in einem Bericht des rumänischen Fernsehens vom 26. Dezember, in dem der Bevölkerung die Exekution der beiden wegen Völkermords und anderer Verbrechen mitgeteilt wird.

Am 1. Weihnachtsfeiertag, dem 25. Dezember 1989, werden den gestürzte rumänische Staats- und Parteichef Nicolae Ceauşescu und seine Frau Elena von einem Militärgericht in Bukarest verurteilt und hingerichtet.

Trotz der sich abzeichnenden politischen Wende in den übrigen Ostblockstaaten hatte Ceauşescu auf dem XIV. Parteitag der rumänischen KP (20. bis 24. November), der ihn einstimmig als Generalsekretär bestätigte, Reformen verweigert. Am 15. Dezember verhinderte in der westrumänischen Stadt Temesvar eine Menschenmenge die Festnahme des Pfarrers László Tőkés und protestierte in Sprechchören wie "Gebt uns Brot!" und "Wir haben Hunger!" gegen die katastrophale Versorgungslage.

Wahllos in die Menge gefeuert

Am folgenden Abend versammelten sich in Temesvar und Arad erneut Zehntausende von Menschen. Armee, Miliz und die Sicherheitspolizei Securitate feuerten scheinbar wahllos in die Menge, Soldaten machten mit aufgepflanztem Bajonett Jagd auf Regimegegner. Die Zahl der Toten wurde zunächst in Temesvar mit mehreren Hundert angegeben, im Juli 1990 allerdings auf 97 berichtigt.

Ungeachtet der Verhängung des Ausnahmezustands über die westrumänische Provinz Timis griff die Protestwelle auf die Hauptstadt Bukarest über. Ceauşescu zeigte sich unbeeindruckt von den regierungsfeindlichen Demonstrationen in seinem Land und reiste am 18. Dezember für zwei Tage in den Iran. Als eine Jubelveranstaltung am 21. Dezember zu einer Protestkundgebung wurde, ließ er Militär eingreifen.

Sturz Ceausescus

Am 22. Dezember versammelte sich eine große Menschenmenge vor dem von Sicherheitskräften hermetisch abgeriegelten Gebäude des Zentralkomitees der rumänischen KP und dem Präsidentenpalast. Große Teile der Armee schlossen sich der Aufstandsbewegung an, nachdem der gewaltsame Tod von Verteidigungsminister Gheorge Milea bekannt wurde. Wie es heißt, war Milea hingerichtet worden, weil er die Soldaten ermutigt hatte, nicht auf das Volk zu schießen.

Noch einmal wollte Ceauşescu seit 1965 KP-Führer – öffentlich reden, doch er wurde von den Rufen "Nieder mit Ceauşescu!" übertönt. Elena Ceauşescu zog ihren Mann vom Mikrofon weg, das Präsidentenpaar floh per Hubschrauber.

Provisorische Regierung

An der Spitze einer Front zur nationalen Rettung Rumäniens (FNR) übernahm zunächst der 73 Jahre alte frühere Außenminister Corneliu Manescu die Regierungsgewalt. Der Dichter Mircea Dinescu verkündete im Fernsehen die neugewonnene Freiheit: "Der Tyrann ist gestürzt, das Volk hat gesiegt. Geliebte Rumänen, wir müssen das Schicksal in unsere Hände nehmen."

Am 26. Dezember wird eine provisorische Regierung gebildet. Zum Präsidenten ernennt die FNR den früheren kommunistischen Funktionär Ion Iliescu. Er beruft den bis dahin politisch nicht hervorgetretenen Petre Roman zum Regierungschef. Am 28. Dezember bildet die FNR als höchste politische Instanz ein mit weitgehenden Vollmachten versehenes elfköpfiges Exekutivkomitee, an dessen Spitze Iliescu steht. Aus der Sozialistischen Republik wird die Republik Rumänien.

Die dem Diktator ergebene Securitate setzt trotz dessen Sturz tagelang ihren Kampf fort. In Temesvar finden die vorrückenden Armee-Einheiten grässlich verstümmelte Leichen: Opfer der Sicherheitspolizei. Die Zahl der Toten wird 1990 auf 1038 Personen beziffert.

Ceausescu-Prozess

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Der tote Diktator Nicolae Ceauşescu

Dieses vom rumänischen Fernsehen ausgestrahlte Bild ging um die Welt: eine Nahaufnahme des mit Maschinengewehren erschossenen Präsidenten. Er und seine Frau Elena waren nach ihrer missglückten Flucht in einem Geheimprozess von einem Militärtribunal zum Tode verurteilt und sofort hingerichtet worden.

Das Ehepaar Ceauşescu wird bei einem Fluchtversuch gefangen genommen und am 25. Dezember einem Militärtribunal vorgeführt. Dieses macht sie verantwortlich für den Tod von 60 000 Menschen und befindet sie für schuldig, die rumänische Wirtschaft ruiniert und mehr als eine Milliarde US-Dollar an Devisen ins Ausland geschafft zu haben. Nach dem Urteilsspruch wird das Ehepaar sofort hingerichtet.

Instabile Lage

Obwohl Iliescu in seiner Neujahrsansprache die Auflösung der Securitate verkündet, am 4. Januar 1990 eine Amnestie für politische Häftlinge und am 8. Januar die volle Reisefreiheit proklamiert wird, bedeutet dies noch nicht den vollständigen Sieg der Demokratie. Die FNR geht aus den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen am 20. Mai 1990 mit überwältigender Mehrheit als Siegerin hervor. Die Opposition spricht von massiver Wahlbeeinflussung. Die politische und wirtschaftliche Lage des Landes bleibt instabil.

Die Gerichtsverhandlung im Wortlaut

Chronik Jahresband 1989