21.05.2015
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Das Drei-Kaiser-Jahr

Am 9. März 1888 stirbt der deutsche Kaiser Wilhelm I. in Berlin. Sein schwerkranker Sohn besteigt als Friedrich III. den Thron. Doch er stirbt am 15. Juni desselben Jahres in Potsdam an Kehlkopfkrebs. Sein erst 29jähriger Sohn Wilhelm II. tritt die Nachfolge an. Innerhalb von nur drei Monaten regieren drei Generationen das Deutsche Reich. Das Jahr 1888 geht damit als das "Drei-Kaiser-Jahr" in die Geschichte ein.

Friedrich III.

Friedrich III. stand Zeit seines Lebens im Schatten von Wilhelm I. und Otto von Bismarck. Seine liberalen Ziele konnte er nicht umsetzen.

Hatte der konservativ denkende Wilhelm I., dessen politische Ideale noch während der Ära Metternich geprägt wurden, trotz häufiger Konflikte mit dem Reichskanzler Otto von Bismarck die Geschicke seines Landes selbst beeinflussen können, musste sein liberal eingestellter Sohn, bereits durch seine Krankheit geschwächt, auf eine eigenständige Politik verzichten. Mit Friedrich III. wurden die politischen Pläne der Liberalen zu Grabe getragen, denn sein Sohn und Nachfolger Wilhelm II. hielt nichts von den fortschrittlichen Idealen seines Vaters.

Gefürchteter Thronwechsel

Wilhelm II.

Nach seiner Thronbesteigung (15. Juni 1888) entfremdete sich Wilhelm schnell durch seine Sozialpolitik Bismarck, den er 1890 zum Rücktritt zwang, ohne selbst in der Lage zu sein, das Reich konsequent zu führen.

So wie die liberalen Freunde Friedrichs III. einen Thronwechsel herbeigesehnt hatten, so fürchteten ihn die Konservativen, darunter auch Bismarck. Außerdem passte die englandfreundliche Haltung des Kromprinzen, die noch durch seine Frau Viktoria, der ältesten Tochter Königin Viktorias von Großbritannien, unterstützt wurde, nicht in das außenpolitische Konzept Bismarcks, der auf ein Bündnis mit Russland setzte. Im Laufe der Jahre gelang es Bismarck, Friedrich und seiner Frau jede politische Einflussmöglichkeit zu nehmen und ihnen ihrem ältesten Sohn Wilhelm zu entfremden. Die lange Kronprinzenzeit und die kaum noch spürbare Opposition Friedrichs gegen die konservative Politik Bismarcks ließen sein Ansehen als liberalen Hoffnungsträger allmählich verblassen. Schließlich erscheint es fraglich, ob Friedrich III. bei einer längeren Regierungszeit mehr erreicht hätte, als in den 99 Tagen, während der er zwar den konservativen Innenminister Robert von Puttkammer entließ, aber keinen wirklichen Wechsel in die Wege leitete.

Bruch mit dem Kanzler

Die Hoffnung Bismarcks, nach dem Tod Friedrichs III. mit Wilhelm II. ein leichtes Spiel zu haben, erfüllte sich jedoch nicht. Der junge Kaiser wollte die politische Führung selbst übernehmen und wurde in diesem Bestreben von seinen persönlichen Beratern verstärkt. Im Jahr 1890 kam es zum endgültigen Bruch zwischen dem Kaiser und seinem Kanzler, woraufhin Bismarck seinen Rücktritt einreichte.

Chronik Verlag