21.05.2015
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Berufsakademie – Studienaufbau und Abschlüsse

Die enge Zusammenarbeit von Berufsakademie und Unternehmen gewährleistet eine fundierte Ausbildung in Theorie und Praxis. Berufsakademien stellen somit eine echte Alternative dar und bieten Absolventen sehr gute Jobchancen!

Aufbau des Studiums

Das Studium an einer Berufsakademie findet in zwei Lernwelten statt. Der "Lernort Theorie" ist die Staatliche oder Private Studienakademie, der "Lernort Praxis" ist ein Unternehmen oder eine Institution, mit der der Studierende einen Ausbildungsvertrag abgeschlossen hat. Studienakademie und Unternehmen/Institution sind sozusagen Ausbildungspartner und teilen sich die Verantwortung für den oder die Studierenden. Die Studienakademien in Baden-Württemberg, Berlin, Thüringen und Sachsen sind staatliche Bildungseinrichtungen, die der anderen Bundesländer sind privat organisiert, zum Teil aber staatlich anerkannt. Die Unternehmen stellen den Studierenden einen betrieblichen Ausbildungsplatz zur Verfügung und tragen die Verantwortung für eine praxisnahe Ausbildung.

Im Wechsel von Theorie und Praxis

Das Studium an einer Berufsakademie dauert insgesamt drei Jahre. Es ist in theoretische und praktische Ausbildungsphasen untergliedert. Der theoretische Teil vermittelt eine breite fachbezogene Grundbildung sowie vertiefte Kenntnisse und Fähigkeiten in speziellen Funktionsbereichen. Der in den Betrieben stattfindende praktische Teil der Ausbildung ist nicht nur als ein theoriebegleitendes Praktikum zu verstehen. Er dient dem systematischen Erwerb praktischer Kenntnisse und der Entwicklung der im Berufsleben erforderlichen sozialen Verhaltensweisen. Für die Verteilung von Theorie- und Praxis-Phasen existieren in Deutschland zwei Systeme: nacheinander und parallel.

  1. Nacheinander heißt: erst folgt die zweijährige praktische Berufsausbildung, anschließend die ein- bis eineinhalbjährige Ausbildung an der Berufs- oder Wirtschaftsakademie.
  2. Parallel heißt: Betriebliche und theoretische Blöcke wechseln sich ab. Das Studium ist in sechs Semester an der Akademie und in sechs Praxisphasen im Ausbildungsunternehmen aufgeteilt. Dabei wechseln die dreimonatigen Studienphasen mit Praxisphasen von gleicher Dauer ab. Dieses Modell ist der Regelfall.

Das Studium beginnt in der Regel am 1. Oktober eines Jahres und endet drei Jahre später am 30. September.

Die Studiengänge sind nach dem so genannten Y-Modell aufgebaut: Bereits nach zwei Jahren ist der erste berufsqualifizierende Abschluss erreicht, der zweite nach einem weiteren Jahr. Jede Ausbildungsstufe schließt mit einer staatlichen Prüfung ab.

In der ersten Stufe erfolgen Grundstudium und Praxisphasen. Ziel dieser ersten Stufe ist es, eine möglichst breite, gleichzeitig aber fundierte theoretische und praktische Ausbildung zu vermitteln. In der zweiten Stufe mit dem Hauptstudium sollen sich die Studierenden weiter spezialisieren. In diese Zeit fällt auch die Diplomarbeit, die vom Betrieb gestellt und von der Akademie genehmigt wird. Gelernt wird jeweils in effektiven und überschaubaren Gruppen von maximal 35 Studierenden. Einen Überblick über die einzelnen Studienfächer, die an der Berufsakademie angeboten werden, finden Sie hier.

Urlaub ja, Ferien nein

Semesterferien wie an Universitäten gibt es nicht. Der Umfang des Jahresurlaubes ist an die Tarifbedingungen der jeweiligen Branche angeglichen. Meist beträgt er zwischen 25 und 30 Tagen. Der Zeitpunkt des Urlaubs muss mit dem Ausbildungsunternehmen in den Praxisphasen abgestimmt werden.

Schulische Ausbildung

Für jeden Studierenden einer Berufsakademie bedeuten schon die ersten Vorlesungen im Vergleich zur Schule eine gewaltige Umstellung: Art, Umfang und Intensität des Lernens sind mit dem Gymnasium nicht zu vergleichen. Im Grundstudium beläuft sich die Summe der Wochenstunden auf fast 35. Dazu kommt die Zeit für die Vorbereitung der Klausuren. Diese gilt es mindestens mit der Note 4,0 zu bestehen, was mit vergleichweise geringem Aufwand machbar ist. Will man bei seinem Ausbildungsunternehmen aber einen guten Eindruck hinterlassen, so wird das Studium schnell zur Fleißarbeit. Dann können zusätzlich zur Vorlesungszeit circa 30 bis 50 Wochenstunden zur Prüfungsvorbereitung addiert werden.

Pauken für die Praxis

Viel Freiraum bleibt den Studenten infolge des straffen Stundenplans nicht. Oft stehen von 8 bis 18 Uhr Vorlesungen, Seminare und Übungen auf dem Programm. Veranstaltungen von Lehrbeauftragten aus der Praxis finden auch schon mal am Samstag oder Sonntag statt. Wie in der Schule besteht Präsenzpflicht.

Die theoretische Ausbildung ist in das zweijährige Grundstudium und in das einjährige Haupt- oder Vertiefungsstudium unterteilt. Häufig bauen die künftigen Ingenieure, Betriebswirte oder Sozialpädagogen in ihrem jeweiligen Fachbereich auf ein recht ähnliches Grundstudium auf. Die Spezialisierung in den Bereichen Betriebswirtschaft, Technik oder Sozialwesen erfolgt oft erst im dritten Jahr.

Die theoretischen Inhalte des gewählten Studienfachs sind auf die Erfordernisse der Berufspraxis weitgehend abgestimmt. Die Studienpläne werden in einer gleichberechtigten Partnerschaft von Staat und Wirtschaft erstellt. Ergänzend zu den Vorlesungen sollen Fallstudien, Kurzvorträge und Planspiele die Vermittlung des Fachwissens vertiefen.

Überschaubare Gruppen statt Massenbetrieb und Anonymität sind Kennzeichen der Berufsakademien. Die straffe Lehrorganisation und der direkte Kontakt zu den Dozenten sorgen für einen hohen Lernerfolg.

Betriebliche Ausbildung

Mindestens die Hälfte des Studiums verbringen die Studierenden in dem Unternehmen, mit dem sie einen Ausbildungsvertrag abgeschlossen haben. Hier wenden die Studierenden ihr bisher erworbenes theoretisches Fachwissen praktisch an und vertiefen es.

In den Praxisphasen werden die Studierenden von einem Fachbetreuer im Unternehmen angeleitet, der ihnen die erforderlichen Kenntnisse vermittelt und ihnen bei der Entwicklung ihres beruflichen Selbstverständnisses zur Seite steht. Für die Fachbetreuer haben die Berufsakademien Rahmenpläne für die Praxis erarbeitet, die als Orientierungshilfen dienen. Laufende Abstimmungsfragen zwischen Fachleiter und Ausbildungsstätte werden im telefonischen oder persönlichen Kontakt besprochen. Jährlich findet eine Besprechung der Fachleiter mit den Ausbildungsstätten der Fachrichtung statt.

Der in den Betrieben stattfindende praktische Teil der Ausbildung dient dem systematischen Erwerb praktischer Kenntnisse und der Entwicklung der im Berufsleben erforderlichen sozialen Verhaltensweisen. Aktive Mitarbeit, Übernahme persönlicher Verantwortung und Integration in das jeweilige Arbeitsteam sind wichtige Merkmale des praktischen Qualifizierungsprozesses. Zu den sozialen Verhaltensweisen (Soft Skills) gehören:

  • Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit, Teamfähigkeit
  • Fähigkeit zur Problemlösung und Kreativität
  • Fähigkeit zur Begründung und Bewertung
  • Lern-, Arbeits- und Präsentationstechniken

Am Ende des zweiten Studienjahres findet eine Prüfung der vermittelten Praxisinhalte statt. Die Diplomarbeit am Ende des Studiums wird von dem betrieblichen Betreuer und einem mitbetreuenden Dozenten der Staatlichen Studienakademie bewertet.

Auslandsaufenthalt

In einigen Studiengängen sind Auslandssemester vorgeschrieben, in anderen werden sie empfohlen. Die Ausbildungsunternehmen organisieren und finanzieren diese Auslandsaufenthalte. In der globalisierten Wirtschaft können die Einsatzgebiete weltweit sein. Die Tätigkeiten sind nicht als "Praktika in der Poststelle" zu verstehen, statt dessen sollen auch hier die erworbenen theoretischen Kenntnisse umgesetzt werden. Die Assistenz von Führungskräften oder qualifizierte Sachbearbeitung sind Beispiele für praktische Tätigkeiten eines BA-Studenten.

Studienabschlüsse

Welchen Studienabschluss man an einer Berufsakademie erwirbt, hängt von dem Bundesland ab, in dem man studiert. Die Berufsakademien nach dem Vorbild Baden-Württembergs verleihen nach drei Jahren das Diplom, nach zwei Jahren einen berufsqualifizierenden Assistenten-Titel. Die Akademien der anderen Bundesländer verleihen den Titel Betriebswirt (BA). Der BA-Abschluss ist nur in Baden-Württemberg, Berlin, Thüringen, Sachsen und Schleswig-Holstein dem Fachhochschulabschluss gleichgestellt. Teilweise bieten andere Bundesländer jedoch die Möglichkeit, in einem einjährigen Zusatzstudium den anerkannten Abschluss auf Fachhochschul-Niveau draufzusatteln. Die Abschlüsse der Berufsakademien sind staatlich anerkannt. Jedoch nur die Diplome Baden-Württembergs fallen unter die EU- Hochschuldiplom-Richtlinie und sind auch europaweit anerkannt. Vor allem in Deutschland haben die Studienabschlüsse der Berufsakademien bei den Unternehmen hohe Anerkennung gefunden. Bezahlung und Funktion der Absolventen von Berufsakademien in den Firmen entsprechen in der Regel den Fachhochschulabsolventen.

Mit regelmäßigen Leistungskontrollen...

An der Berufsakademie werden die erworbenen theoretischen Kenntnisse regelmäßig überprüft. Ausreichende Noten (Note 4 und besser) am Ende eines Ausbildungsabschnittes sind die Voraussetzung, um in die nächste Studienphase eintreten zu können. Am Ende jeder zwölfwöchigen Theoriephase werden Prüfungsklausuren geschrieben. Diese müssen alle bestanden werden. Ist das nicht der Fall, besteht die Möglichkeit sie zu wiederholen. Geht auch der zweite Anlauf daneben, erfolgt der Ausschluss aus dem Studium.

... und praktischen Prüfungen

Neben den Klausuren finden nach dem Abschluss des 2. und 3. Studienjahres Prüfungen statt, um die in den Praxisphasen erlernten Kenntnisse unter Beweis zu stellen. Sie werden vor einer Prüfungskommission aus der Praxis abgelegt. Während der 6. Praxisphase wird in der Ausbildungsfirma die Diplomarbeit erstellt.

...zum doppelten Abschluss

Die Studienabschlüsse der Berufsakademien folgen dem so genannten Y-Modell. Bereits der erfolgreiche Abschluss des 2. Studienjahres mündet in eine der folgenden Bezeichnungen:

  • Wirtschaftsassistent/in (BA)
  • Ingenieurassistent/in (BA)
  • Erzieher/in (BA)
  • Medienassistent/in (BA)
  • Wirtschaftsinformatikassistent/in (BA)

Dieser erste Abschluss bietet eine Sicherheit, falls der Student das Studium nicht mit dem Diplom abschließt.

Nach dem erfolgreichen Abschluss des 3. Studienjahrs und der Diplomarbeit erhalten die Absolventen jeweils die Bezeichnung:

  • Diplom Betriebswirt/in (BA)
  • Diplom Ingenieur/in (BA)
  • Diplom Sozialpädagog/in (BA)
  • Diplom-Sozialwirt (BA)
  • Diplom Mediendesigner/in (BA)
  • Diplom Wirtschaftsinformatiker/in (BA)
  • Diplom Wirtschaftsingenieur/in (BA)

Andere (Bundes-)Länder, andere Abschlüsse

In Deutschland existiert kein einheitliches BA-System, denn nur die Länder Berlin, Sachsen, Thüringen und das Saarland sind dem Stuttgarter Vorbild gefolgt. Die Abschlüsse der Berufs- und Wirtschaftsakademien anderer Bundesländer unterscheiden sich daher in wesentlichen Punkten vom System Baden-Württembergs. Dort verleihen die Akademien ihren Absolventen nach drei Jahren die Abschlüsse "Betriebswirt BA", "Ingenieur BA" oder "Sozialpädagoge BA".