21.05.2015
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wissen.de Artikel

Aufbau des Hochschulstudiums

So vielfältig und verwirrend das Studienangebot - so einfach ist der Aufbau eines Hochschulstudiums, denn im Prinzip verläuft jedes Studium nach den gleichen Regeln und Strukturen. Wichtig ist aber, dass Sie schon während des Studiums Ihren späteren Berufseinstieg vorbereiten.

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Strukturen und Inhalte

Sie studieren immer ein Fach oder eine Kombination aus zwei bis drei Fächern. Die Anzahl der Fächer hängt von dem gewählten Studienabschluss ab: Diplom, Magister, Staatsexamen oder Bachelor/Master.

Sie durchlaufen zwei Studienabschnitte: das Grundstudium und das darauf folgende Hauptstudium. Dabei absolvieren Sie insgesamt etwa 160 Stunden Lehrveranstaltungen. Das können Vorlesungen, Übungen, Seminare, Kolloquien oder fachpraktische Veranstaltungen sein.

  • In den Vorlesungen referieren Professoren über die Grundlagen des Faches oder aktuelle Fragestellungen der Wissenschaft. Mit hinein fließen auch ihre Forschungsergebnisse in einem bestimmten Fachbereich. Die Studierenden sind hier im Wesentlichen passive Zuhörer, die den Ausführungen des Lehrstuhlinhabers folgen.
  • Proseminare und Übungen vermitteln Grundkenntnisse in dem gewählten Fach. Die Studierenden arbeiten hier aktiv mit, halten Referate und schreiben eine Semesterarbeit.
  • Hauptseminare und Kolloquien vertiefen einzelne Fachbereiche. Auch hier sind die Studierenden aktiv.
  • Je nach Fach gibt es eine Reihe von praktischen Veranstaltungen, wie z.B. Exkursionen, Laborstunden, die die Studierenden auf ihre spätere Tätigkeit vorbereiten.

Die Studienordnung jedes Faches legt fest, welche Lehrveranstaltungen in welchem Umfang und in welcher Reihenfolge besucht werden sollen. Sie schließen jede dieser Lehrveranstaltung mit einem bestimmten Studiennachweis ab. Das können Klausuren, mündliche Prüfungen, Referate, Hausarbeiten oder Berichte sein. Manchmal reicht sogar die bloße Teilnahme, um einen so genannten "Schein" zu bekommen - der Beweis für das Bestehen der Veranstaltung.

Nach dem Grundstudium erfolgt in der Regel eine Zwischenprüfung. Sie besteht meist aus schriftlichen und mündlichen Teilen. Am Ende des Hauptstudiums erfolgt die Abschlussprüfung und die Anfertigung einer Hausarbeit. Die Prüfungsordnung des Faches legt fest, unter welchen Voraussetzungen Sie sich zur Prüfung anmelden dürfen und wie diese auszusehen hat (mündlich - schriftlich).

Für jedes Studienfach ist eine bestimmte Studienzeit vorgeschrieben. Die Mindeststudiendauer darf nicht unterschritten, sollte aber auch nicht zu lange überschritten werden. Die durchschnittlichen Studienzeiten an wissenschaftlichen Hochschulen betragen je nach Fach zwischen 7 und 14 Semestern.

Wer ein Staatsexamen abgelegt hat, für den folgt nun der so genannte Vorbereitungsdienst - für Lehrer und Juristen das Referendariat oder für Ärzte das Praktikum. Wer sein Diplom oder seinen Magister abgelegt hat, der kann gleich in den Beruf wechseln.

Grundstudium

Das Grundstudium dauert in der Regel vier Semester (Halbjahre) und vermittelt die theoretischen Grundlagen eines Studiums. Einführungs- und Überblicksveranstaltungen, wie zum Beispiel Vorlesungen, Grundkurse, Propädeutika oder Proseminare, machen die Studierenden mit den wichtigsten Teilgebieten der gewählten Fächer vertraut. Das Grundstudium ist für alle Studierenden eines Faches im Wesentlichen gleich und bietet nur wenige Wahlmöglichkeiten.

Neben der inhaltlichen Hinführung vermittelt das Grundstudium auch die wichtigsten Arbeitsmethoden, die später im Beruf benötigt werden. Solche Methoden sind z.B. Statistik für Soziologen, Diagnostik für Mediziner oder CAD (Computer Aided Design) für Ingenieure.

Zwischenprüfung/Vordiplom

Das Grundstudium schließt mit einer Zwischenprüfung oder Diplom-Vorprüfung ab. Zur Vorbereitung auf diese Prüfung benötigen die Studierenden häufig ein weiteres Semester. Die Prüfung ist die "Eintrittskarte" in das nun folgende Hauptstudium. Sie ist eine reine Wissensüberprüfung und gilt nicht als berufsqualifizierender Abschluss.

Die Ausnahme bilden hier die 1998 eingeführten Bachelor-Studiengänge. Das Grundstudium dauert zwar etwas länger, nämlich sechs bis acht Semester. Danach erwerben die Studierenden den Bachelor-Abschluss, der bereits als erster berufsqualifizierender Abschluss gilt. Wer mag, kann noch einen Master-Abschluss draufsatteln.

Bei einigen wenigen Studiengängen gilt das Grundstudium auch ohne Zwischenprüfung als bestanden, wenn alle Semesterleistungen, die so genannten "Scheine", erbracht sind. Hierzu zählt unter anderem Philosophie. Aber auch das variiert wieder an den einzelnen Universitäten. In Baden-Württemberg wird im Grundstudium nach dem zweiten Fachsemester zusätzlich eine "Orientierungsprüfung" durchgeführt, mit der die Entscheidung für ein bestimmtes Fach überprüft werden soll. Die Orientierungsprüfung darf maximal einmal wiederholt werden.

Übrigens: Wer einen Universitätswechsel plant, für den ist der Abschluss des Grundstudiums der beste Zeitpunkt. Die Zwischenprüfung bzw. das Vordiplom werden in der Regel von anderen Hochschulen anerkannt. Bereits abgelegte Hauptstudiumsscheine werden dagegen nur anerkannt, wenn sie inhaltlich und formal den an der neuen Universität zu leistenden Scheinen entsprechen. Das ist nicht immer der Fall, vor allem wenn Sie in ein anderes Bundesland wechseln möchten. Allerdings schränken die hohen Studentenzahlen und die Einführung des Numerus Clausus in vielen Fächern die Möglichkeiten zum Studienortwechsel ohnehin ein.

Hauptstudium

Mit dem Eintritt ins Hauptstudium öffnet sich für viele Studierende eine neue Welt: Sie haben nun die Möglichkeit, eigene Wünsche und Interessen gezielt zu verwirklichen - mit der Auswahl von Spezialthemen und Forschungsgebieten, die möglichst eigenständig wissenschaftlich bearbeitet werden wollen. Das Hauptstudium bietet hierzu eine vielfältige Fächerauswahl. Im Vergleich zum Grundstudium steht die selbstständige Beschäftigung mit den Teilgebieten im Vordergrund.

Auf dem Weg zur Abschlussprüfung

Das Hauptstudium baut auf dem Wissen des Grundstudiums auf. Neben Vorlesungen bieten die Lehrstühle Hauptseminare, Kolloquien, Exkursionen etc. an. Vorsicht: Rechtzeitige Anmeldung ist hier zu empfehlen, da die Veranstaltungen aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl meist schnell ausgebucht sind. Die Regelstudienzeit im Hauptstudium beträgt vier bis sechs Semester (Halbjahre). Ausnahme ist die Medizin, dort sind bis zu zehn Semester die Regel.

Das Hauptstudium endet mit einer Abschlussprüfung, die aus schriftlichen und mündlichen Teilen besteht. Zudem muss jeder Studierende eine größere Hausarbeit in seinem Vertiefungsfach abliefern. Für beides ist in der Regel eine Vorbereitungszeit von ein bis zwei Semestern zu veranschlagen. Der Abschluss - Diplom, Magister, Staatsexamen oder Master - hängt vom gewählten Studienfach ab. Er gilt als berufsqualifizierender Abschluss und berechtigt zur Promotion (Doktorarbeit).

Die Wahl des Themas für die Hausarbeit sollte frühzeitig erfolgen, um schon während des Hauptstudiums Kontakte zum zuständigen Lehrstuhl knüpfen zu können. Professoren betreuen unter Umständen nur eine bestimmte Anzahl von Arbeiten.

Weichenstellung für das Arbeitsleben

Schon zu Beginn des Hauptstudiums müssen Sie die ersten Weichen für den späteren Einstieg ins Berufsleben stellen. Je früher Sie wissen, in welchem Bereich Sie später arbeiten möchten, desto zielgerichteter können Sie Praktika, einen Auslandsaufenthalt, die themengenaue Hausarbeit oder einschlägige Netzwerke in Angriff nehmen. Wer später ein erfolgreiches Berufsleben haben möchte oder gar Karriere machen will, kommt heute ohne diese Bausteine nicht mehr aus.

Praktikum - erste Tuchfühlung mit der Arbeitswelt

Praktika verringern den späteren Praxisschock und geben Ihnen die Möglichkeit, sich beruflich zu orientieren. Hier kann man am besten in verschiedene Branchen, Unternehmensbereiche oder Themengebiete hineinschnuppern und erwirbt zudem die begehrten sozialen Kompetenzen. Im Internet existieren eine Vielzahl von Praktikumsbörsen und Datenbanken, in denen Sie Informationen und Praktikumsangebote erhalten.

Auslandsaufenthalt - die Eintrittshürde in international tätige Unternehmen

Das Hauptstudium ist der Zeitraum, in dem Sie einen Auslandsaufenthalt planen sollten - am besten in Form eines Studiums oder eines Praktikums. Zwei Alternativen bieten sich an:

  1. Gleich nach der Zwischenprüfung: Der Vorteil eines Auslandsaufenthalts im Anschluss an die Prüfung ist, dass hier die grundlegenden Kenntnisse vermittelt sind, eine Spezialisierung aber noch nicht stattgefunden hat. Insofern ist man bei der Fächerwahl im Ausland flexibler und kann das Auslandsstudium gleichzeitig dazu nutzen, sich einen Überblick über gewisse Spezialgebiete im Hauptstudium zu verschaffen.
  2. Im Hauptstudium: Ein Auslandsstudium während des Hauptstudiums hat den Vorteil, dass eine fachliche Spezialisierung bereits stattgefunden hat. Sie können also gezielter nach entsprechenden Fächern im Ausland suchen und als Bewerbungsgrund die entsprechende Spezialisierung angeben. Je länger man studiert hat, desto konkreter kann man die Suche gestalten und um so qualifiziertere Kurse können im Ausland belegt werden.

Ein Auslandsaufenthalt ist heute vielfach die Voraussetzung, um später bei Großunternehmen oder international tätigen mittelständischen Unternehmen unterzukommen. Abgesehen von der Erweiterung und Vertiefung der sprachlichen und fachlichen Kenntnisse bedeutet der Auslandsaufenthalt auch eine wichtige persönliche Erfahrung. Je länger man im Ausland bleibt, um so effektiver lässt sich das dortige Studium gestalten. Im ersten Semester benötigt man sehr viel Zeit zum Eingewöhnen. Das reine Studium kann somit meist erst im zweiten Semester begonnen werden. Im Zuge der zunehmenden Durchsetzung des Credit-Point-Systems soll vor allem in EU-Ländern das European Credit Transfer System (ECTS), ein europäisches System zur Anrechnung von Studienleistungen, die Anerkennung von Leistungen erleichtern. Kein Geld? Macht nichts: Für die Finanzierung des Auslandsaufenthaltes gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Stipendien
  • Auslands-BAföG
  • Eltern

Netzwerk - die Jobgarantie

Noch ein Tipp, den Studierende häufig übersehen: Knüpfen Sie schon während des Studiums Kontakte zu Leuten, die mit Ihrem Vertiefungsfach direkt oder indirekt etwas zu tun haben. Das können Kommilitonen, Lehrbeauftragte, aber auch Verbände, Unternehmen oder Medien sein. Je größer das eigene Netzwerk ist, desto besser sind die Chancen, später einen gut bezahlten Arbeitsplatz mit attraktiven Aufstiegschancen zu bekommen.