21.05.2015
Total votes: 158
wissen.de Artikel

Lernort: Berufsfachschule

Design, Fremdsprachen, Bildhauerei oder Lögopädie? Wäre da etwas für Sie dabei? Diese Berufe vermitteln die Berufsfachschule.

Haben Sie schon mal an eine Ausbildung an einer Berufsfachschule gedacht? Als Alternative zum dualen System in einem Ausbildungsbetrieb können Sie nämlich auch über die Berufsfachschule zu ihrem Traumjob gelangen. Lesen Sie selbst.

1196406.jpeg
Ihre Chance: Berufsfachschule

Die Berufsfachschule schließt meist direkt an eine allgemein bildende Schule (von der Hauptschule bis zum Gymnasium) an und findet in der Regel als Vollzeitunterricht von etwa 30 Stunden statt.

Wesen und Ziel der Berufsfachschulen

Berufsfachschulen sind Schulen, die entweder zu einer abgeschlossenen Berufsausbildung führen oder einen Teil einer Berufsausbildung vermitteln und damit auf eine Ausbildung vorbereiten.

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat in ihrer "Rahmenvereinbarung zur Berufsfachschule" die Ziele der Berufsfachschulen deshalb auch so festgelegt: "Die Berufsfachschulen haben das Ziel, Schülerinnen und Schüler in einem oder mehrere Berufe einzuführen, einen Teil der Berufsausbildung (z.B. berufliche Grundbildung) in einem oder mehreren anerkannten Ausbildungsberufen zu vermitteln oder sie zu einem Berufsabschluss in einem Beruf zu führen. Sie erweitern die vorher erworbene allgemeine Bildung und können einen darüber hinausgehenden Bildungsstand vermitteln."

 

Die Berufsfachschule schließt meist direkt an eine allgemein bildende Schule (von der Hauptschule bis zum Gymnasium) an und findet in der Regel als Vollzeitunterricht von etwa 30 Stunden statt. Sie ist entweder eigenständig oder als Abteilung einem regionalen Berufskolleg oder der Universität zugeordnet.


16 Länder - 16 Regelungen

Die Berufsfachschule ist äußerst vielfältig hinsichtlich der Ausbildungsrichtungen, der Aufnahmebedingungen und Ausbildungsdauer sowie der Abschlüsse. Das kommt daher, dass die Berufsfachschule wie fast alle Schulen der Kulturhoheit der Bundesländer unterliegt. Dies hat jedoch dazu geführt, dass jedes Bundesland eigene Regelungen erlassen hat. Bundesweite Regelungen gibt es dagegen nur wenige. Das Berufsfachschulwesen besteht somit in 16-facher Ausführung.

Um dennoch eine gewisse formale Vergleichbarkeit herzustellen, hat die Kultusministerkonferenz der Länder mehrere Rahmenvereinbarungen zur Berufsfachschule und zu den einzelnen Ausbildungsbereichen getroffen. Diese Vereinbarungen geben bestimmte Standards vor, lassen den Ländern jedoch auch Freiraum, um neue Schulberufe zu schaffen oder Doppelqualifikationen zu ermöglichen.

Konkrete Ausgestaltung der Berufsfachschule

Die Landschaft der Berufsfachschulen ist von Bundesland zu Bundesland verschieden. Einige grundlegende Prinzipien und Gemeinsamkeiten lassen sich jedoch erkennen. Wer darüber hinaus konkrete Einzelheiten erfahren möchte, wendet sich am besten an die Kultusministerien der einzelnen Bundesländer.

Arten von Berufsfachschulen

Prinzipiell lassen sich drei Arten von Berufsfachschulen unterscheiden, die jeweils durch bestimmte Merkmale charakterisiert sind:

  1. Voll qualifizierende öffentliche oder private Berufsfachschulen vermitteln einen vollwertigen Berufsabschluss und sind mit einer Ausbildung im dualen System gleichzusetzen. Im Gegensatz zu den öffentlichen erheben die privaten Berufsfachschulen Schulgeld.
  2. Die nicht voll qualifizierende öffentliche oder private Berufsfachschule bereitet Schülerinnen und Schüler auf eine berufliche Erstausbildung vor, ersetzt diese aber nicht.
  3. In einer besonderen Form existieren nicht voll qualifizierende Berufsfachschulen im Bereich der Wirtschaft. Als so genannte Höhere Handels- oder Wirtschaftsschulen bereiten sie auf eine kaufmännische Ausbildung vor.

Berufsfelder und Ausbildungsinhalte

Die voll qualifizierenden öffentlichen und privaten Berufsfachschulen bieten eine stattliche Vielfalt an Berufsbildern an. Sie lassen sich der Übersichtlichkeit halber in verschiedene Berufsfelder gliedern:

  • Technik, Naturwissenschaften und Gewerbe

  • Wirtschaft

  • Hauswirtschaft und Sozialwesen

  • Gesundheitswesen

  • Fremdsprachen

  • Gastronomie

  • Kunst, Design und Architektur

  • Nahrungsmittel

  • Mode und Bekleidung

  • Touristik und Freizeitwirtschaft

  • Sport

Die Lehrpläne der ein- bis dreijährigen Berufsfachschulen umfassen viele hundert Stunden, die sinnvoll berufs- und allgemeinbildungsbezogen aufzuteilen sind. Oft keine leichte Aufgabe für die Verantwortlichen in den Schulen. Wichtig ist, dass die Lehrpläne drei inhaltliche Bereiche abdecken:

  • den allgemeinen Bereich (Deutsch, Englisch etc.)
  • die berufsbezogene Theorie
  • die berufsbezogene Praxis, betriebliches Praktikum

Damit nicht genug: Die Berufsfachschulen müssen wie alle beruflichen Schulen heute vor allem zwei Dinge berufsunabhängig vermitteln:

  • EDV-Kenntnisse
  • Soziale und Handlungskompetenz

Ohne PC und ein Lächeln im Gesicht, die Fähigkeit zur Teamarbeit und zum zielbewussten Handeln haben es Bewerber im späteren Arbeitsumfeld schwer.

Das, was häufig als Hauptnachteil der schulischen Berufsausbildung ausgemacht wird, die Praxisferne, gleichen Berufsfachschulen heute durch Praktika oder interne praktische Übungen aus. In die kaufmännischen Berufsfachschulen ist häufig eine Lernfirma integriert, auch Übungs- oder Juniorenfirma genannt. Eine Schule kann aber auch mit einer Patenfirma zusammenarbeiten, die die Schülerinnen und Schüler beispielsweise bei der Teilnahme an Messen unterstützen, durch Beratung, Betriebsbesichtigungen oder Schulungen. Weitere Möglichkeiten sind betreute und unbetreute Praktika in Betrieben, die Arbeit in Schullabors oder auch nur Planspiele und Simulationen am PC.

Dauer und Abschluss

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat in ihrer "Rahmenvereinbarung zur Berufsfachschule" die Dauer der Bildungsgänge in Vollzeitform auf "mindestens ein Jahr, in Teilzeitform entsprechend länger" festgelegt. Dieses Jahr gilt heute in der Praxis vor allem für die nicht voll qualifizierenden, berufsvorbereitenden Schulen. Die voll qualifizierenden öffentlichen und privaten Berufsfachschulen dauern in Vollzeitform mindestens zwei Jahre. Unabhäng davon, ob voll oder nicht voll qualifizierend - jede mindestens zweijährige Berufsfachschule führt zu einem Mittleren Bildungsabschluss.

Einige voll qualifizierende Schulen bieten darüber hinaus eine dreijährige Form an. Hier können Schüler und Schülerinnen eine Doppelqualifikation in Form von Berufsabschluss plus Fachhochschulreife erwerben. Damit steht ihnen auch der Weg in ein weiterführendes Studium offen.

Die Abschlussprüfung erfolgt nach den Vorgaben der Länder und umfasst schriftliche, mündliche und praktische Anteile. Nach erfolgreicher Prüfung erhalten die Absolventen den Titel "Staatlich geprüfter ....". Um eine möglichst große Mobilität nach der Ausbildung zu haben, sollten sich Interessenten rechtzeitig darüber informieren, unter welchen Bedingungen der gewählte Ausbildungsgang national und international anerkannt wird.

Arbeitsmarktchancen und Ausbildung - Strategien zur Arbeitsplatzsuche

Die Qualität von Berufsfachschulen zeigt sich am Notendurchschnitt und daran, wie gut ihre Absolventen später auf dem Arbeitsmarkt vermittelbar sind. Dafür sind folgende Kriterien ausschlaggebend:

  1. Qualität der Ausbildung:
    Die Inhalte der Ausbildung müssen sich eng an den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes orientieren. Je schneller neue Trends, wissenschaftliche Erkenntnisse oder technische Anforderungen integriert werden, desto größer die späteren Chancen.
  2. Bekanntheit der Ausbildung:
    Nur ein Berufsbild, das regional oder bundesweit bekannt ist, hat gute Chancen auf Einstellung. Um den Bekanntheitsgrad der Ausbildung zu erhöhen, pflegen Schulleitung und Lehrer Kontakte zu Instituten, Firmen, dem Arbeitsamt und auch zur Presse.
  3. Kontakte zu Unternehmen:
    Die Lehrerinnen und Lehrer der Berufsfachschulen haben oft gute Verbindungen zur Wirtschaft oder zu anderen Organisationen. Diese persönlichen Kontakte erleichtern den Auszubildenden den Einstieg - sei es für ein mögliches Praktikum (das jedoch nicht bei allen Berufsfachschulen angeboten wird) oder für den Berufsanfang. Durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Schule und Betrieb können viele Bewerber direkt vermittelt werden.
  4. Bewerberseminare:
    Vertreter von Arbeitsamt und Unternehmen können die Absolventen mit Informationen über Bewerbungsstrategien tatkräftig unterstützen.
  5. Interne Stellenbörse:
    Eine Stellenbörse an der Schule kann ebenfalls Kontaktmöglichkeiten zu Instituten und Firmen bieten. Optimal ergänzt ein Betreuungslehrer die Bewerbungsanstrengungen der Schüler.
  6. Berufsverbände:
    In einigen Ausbildungsrichtungen haben sich Berufstätige, Schüler und Lehrer zu einem Berufsverband zusammengeschlossen. Diese Berufsverbände entwickeln Qualifikationsstandards, beraten die Kultusministerien der Länder bei der Entwicklung der Lehrpläne, organisieren Weiterbildungangebote oder bieten Stellenbörsen.

 

Weiterbildung

Für Berufsfachschulabsolventen gibt es keine gesondert geregelten Aufstiegswege wie im dualen System mit den Meistern oder Technikern. Die Weiterbildung erfolgt über Lehrgänge, Kurse, Seminare und weiterführende Schulen, über die Aufstiegswege für Absolventen des dualen Systems oder über die Hochschulen.

Mehr über die Berufsfachschule
http://www.kmk.org/bildung-schule/berufliche-bildung/berufsfachschule.html

http://kursnet-finden.arbeitsagentur.de/kurs/

aus der wissen.de-Redaktion