21.05.2015
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wissen.de Artikel

Liquiditätsplanung

Unternehmer müssen jederzeit in der Lage sein, ihre laufenden Kosten und fällige Rechnungen bezahlen zu können: Sie müssen liquide sein. Doch auch ein rentabel arbeitender Betrieb kann zahlungsunfähig werden. Es brauchen nur einige Kunden später als erwartet zu bezahlen oder gar ein Großkunde komplett auszufallen. Häufige Folge sind dann Liquiditätsschwierigkeiten.

Liquiditätsrechnung

Liquiditätsprobleme gehören zu den größten Problemen und wichtigsten Pleiteursachen nicht nur junger Unternehmen. Daher muss die Liquidität eines Unternehmens systematisch geplant und überwacht werden. Dies geschieht mit Hilfe einer Liquiditätsrechnung, die laufend aktualisiert werden muss.

Eigenkapital als Liquiditätsreserve

Generell stellt eine Mindestausstattung an Eigenkapital sicher, dass nicht schon geringe Verluste zu einer Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung und damit zum Konkurs führen. Je höher das Eigenkapital, desto besser ist der Verhandlungsspielraum mit den Kreditgebern bei finanziellen Engpässen.

Liquidität ist für Unternehmer wichtig. Sie sollten daher immer einen bestimmten Betrag zur Verfügung haben, ihre Liquiditätsreserve. Für ihre tägliche Arbeit ist diese Liquiditätsreserve von zentraler Bedeutung. Denn je besser sie ihre Zahlungsverpflichtungen erfüllen, desto größer ist ihr finanzieller Handlungsspielraum. Unternehmer sollten daher immer bestrebt sein, die Liquiditätsreserven ihres Unternehmens zu sichern und durch die Zuführung neuer liquider Mittel sogar noch zu erhöhen. Denn Liquiditätsengpässe und ihre existenzbedrohenden Auswirkungen können durch den Aufbau einer kleinen aber ausreichenden Liquiditätsreserve vermieden werden.

Einnahmen und Ausgaben im Auge behalten

Wer sich mit der Liquidität eines Unternehmens beschäftigt, bekommt es mit dessen Zahlungszu- und -abgängen zu tun. Das bedeutet: Einnahmen bzw. Ausgaben, die den Stand der verfügbaren Zahlungsmittel (Kassenbestand + Bankguthaben) verändern. Bei den Abgängen müssen Sie beachten:

  • Wie viele Tage oder Wochen bleiben Ihnen, um die anstehenden Rechnungen Ihrer Lieferanten zu bezahlen?
  • Wie lange können Sie über Ihre Zahlungsmittel anderweitig verfügen?

Wichtig bei den Zugängen:

  • Wann können Sie Ihren Kunden Rechnungen für Produkte oder Leistungen stellen?
  • Welches Zahlungsziel haben Sie den Kunden eingeräumt?
  • Können Sie damit rechnen, dass zusätzliche Zahlungsmittel in die Kasse fließen?
  • Ab wann können Sie realistischerweise damit rechnen, dass diese zusätzlichen Zahlungsmittel tatsächlich verfügbar sind?

Vorsicht Falle: Umsatzsteuer

Häufig spielt die Umsatzsteuer jungen Unternehmen bei der Liquiditätsplanung einen bösen Streich: Sie wird übersehen, vergessen, aber mit Sicherheit fällig. Bei jedem Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen wird dem Kunden als durchlaufender Posten Umsatzsteuer in Rechnung gestellt. Die Umsatzsteuer muss monatlich oder quartalsweise an das Finanzamt abgeführt werden. Umgekehrt ist das Finanzamt verpflichtet, die Vorsteuer, die Sie an Lieferanten für Materialeinkäufe oder Dienstleistungen bezahlt haben, an Sie zu erstatten. Für jeden Unternehmer ist es daher unerlässlich, die Höhe der so genannten Zahllast (Differenz aus Umsatzsteuer abzüglich Vorsteuer) zu ermitteln. Dieser Betrag muss mit in die laufende Liquiditätsplanung aufgenommen werden. Gerade zu Beginn einer unternehmerischen Tätigkeit, bei der die Umsatzsteuer womöglich noch nicht monatlich angemeldet werden muss, ist diese Planung von besonderer Bedeutung: Nicht selten glaubt nämlich der Jungunternehmer, über ausreichende liquide Mittel zu verfügen, nur weil er es unterlassen hat, die von ihm zu entrichtende Umsatzsteuer bei der Liquiditätsplanung zu berücksichtigen.

Was tun bei drohender Unterdeckung?

Droht ihr Unternehmen in die roten Zahlen zu rutschen, so gibt es die eine oder die andere Möglichkeit, das Unheil doch noch abzuwenden. Zunächst kann man intern die Rechnungsstrukturen den neuen Umständen anpassen, aber man kann auch auf öffentliche Hilfsmaßnahmen zurückgreifen.

Maßnahmen zur Abwendung einer drohenden Unterdeckung

Einnahmen erhöhen bzw. beschleunigen
Sie müssen versuchen, die Einnahmensituation zügig zu verbessern. Hierzu bieten sich folgende Maßnahmen an:

  • Sofort nach der Leistung die Rechnung stellen.
  • Zügig mahnen und eventuell in Zukunft das Mahnwesen optimieren.
  • Ihren Kunden kein zu langes Zahlungsziel einräumen.
  • Ihren Kunden Skonto bei schneller Bezahlung anbieten.
  • Mit ihren Kunden Anzahlungen oder Teilzahlung vereinbaren,
  • Mit ihren Kunden Barzahlung vereinbaren.
  • Forderungen an ihr Kredit- bzw. Finanzierungsinstitut abtreten.
  • Ihre Forderungen, die Außenstände, eventuell mit Hilfe von Factoring-Unternehmen hereinholen.
  • Bei den Teilhabern/Gesellschaftern Nachzahlungen oder Darlehen erbitten.
  • Gegebenenfalls frisches Beteiligungskapital besorgen.
  • Teile des Unternehmensvermögens verkaufen.

Ausgaben vermindern bzw. bremsen
Auf der anderen Seite müssen Sie versuchen, die Ausgaben in der Krise zu vermindern oder wenigstens hinauszuzögern, sodass an dieser Front Entspannung eintreten kann. Folgende Möglichkeiten stehen Ihnen offen:

  • Kredite nur kurzfristig und nicht für langfristige Investitionen nutzen.
  • Ausgaben/Zahlungen nach Absprache mit den Lieferanten verschieben.
  • Objekte verkaufen und dann leasen (sale and lease back).
  • Mit der Bank oder Sparkasse über höheren Kontokorrentkredit verhandeln.

Öffentliche Förderung bei Liquiditätsengpässen

Droht das Unternehmen zahlungsunfähig zu werden, vergeben auch die Länder an kleine und mittlere Unternehmen innerhalb von acht Jahren nach der Geschäftseröffnung öffentliche Mittel zur Festigung ihrer wirtschaftlichen Existenz. Auskünfte hierzu erteilen die Wirtschaftministerien der jeweiligen Länder.

DtA-Existenzgründungsprogramm der Deutschen Ausgleichsbank (DtA)
Das DtA-Existenzgründungsprogramm bietet für folgende Verwendungszwecke Liquiditätshilfekredite für zusätzliche Betriebsmittel:

  • Vorfinanzierung von Aufträgen
  • Aufstockung des Warenlagers
  • Entwicklung neuer Produkte
  • Einräumung von Zahlungszielen
  • Markterschließung
  • Gehaltszahlungen
  • Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen

Das DtA-Existenzgründungsprogramm kann innerhalb der ersten 8 Jahre nach Gründung oder Übernahme in Anspruch genommen werden. Gefördert werden Existenzgründer, d.h. natürliche Personen, oder kleine und mittlere Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft sowie Angehörige Freier Berufe. Das DtA-Existenzgründungsprogramm wird von der Deutschen Ausgleichsbank (DtA) durchgeführt. Die Anträge an die DtA müssen bei der Hausbank gestellt werden.

KfW-Mittelstandsprogramm - Liquiditätshilfe
Das KfW-Mittelstandsprogramm bietet ebenfalls Kredite an, die für die Behebung vorübergehender Liquiditätsengpässe eingesetzt werden können. Darlehen aus dem KfW-Mittelstandsprogramm sind an keinen starren Verwendungszweck gebunden. Voraussetzung für die Gewährung eines solchen Darlehens ist, dass die Unternehmen grundsätzlich wettbewerbsfähig sind und positive Zukunftsaussichten haben. Gefördert werden mittelständische Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft. Der Jahresumsatz darf 500 Mio. Euro nicht übersteigen. Gefördert werden auch die Freien Berufe. Das KfW-Mittelstandsprogramm - Liquiditätshilfe wird von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) durchgeführt. Die Anträge an die KfW müssen bei der Hausbank gestellt werden.

Liquiditätskennzahlen

Um die wrtschaftliche Lage eines Unternehmens zu beurteilen, wird in der Praxis häufig mit so genannten Kennzahlen gearbeitet. Diese Kennzahlen werden dann besonders wichtig, wenn Banken über die Vergabe eines Kredites entscheiden sollen. Solche Kennzahlen gibt es auch, um die Liquidität eines Unternehmens zu beurteilen.

Liquidität 1. Grades (Barliquidität)

Die Liquidität 1. Grades zeigt an, wie viel Prozent der kurzfristigen Verbindlichkeiten mit den verfügbaren Zahlungsmitteln, dem Guthaben aus Kasse, Bank und Wechseln, bezahlt werden können. Die Liquidität 1. Grades wird folgendermaßen berechnet:

Zahlungsmittel / Kurzfristige Verbindlichkeiten x 100 Prozent

Der Richtwert für die Liquidität 1. Grades sollte über 25 Prozent liegen. Das heißt, dass 25 Prozent der kurzfristigen Verbindlichkeiten durch freie Barmittel abgedeckt sind. Das bedeutet, dass man sich nicht allein auf Zahlungseingänge aus laufenden Umsatzerlösen (Forderungen) verlassen muss, um die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens sicherzustellen. Diese Zahlungseingänge treffen oft verspätet ein.

Liquidität 2. Grades

Die Liquidität 2. Grades ist aussagekräftiger als die Liquidität 1. Grades. Sie berücksichtigt neben den verfügbaren Zahlungsmitteln (Barliquidität) auch die noch zu erwartenden Einzahlungen für Lieferungen und Leistungen (monetäres Umlaufvermögen). Die Liquidität 2. Grades wird folgendermaßen berechnet:

Monetäres Umlaufvermögen / Kurzfristige Verbindlichkeiten x 100 Prozent

Der Richtwert für die Liquidität 2. Grades sollte deutlich über 100 Prozent liegen.

Bankers Rule

Das Verhältnis des gesamten Umlaufvermögens zum kurzfristigen Fremdkapital sollte zwei zu eins betragen.

Goldene Bilanzregel

Das Verhältnis von Eigenkapital zu Fremdkapital sollte in etwa eins zu eins sein.

Nachteile

Diese Kennzahlen haben allerdings ihre Nachteile.

  1. Liquidität ist kein Wert an sich. Zu viel Bares in der Kasse, das nicht wirklich benötigt wird, bringt keine Zinsen. Kredite zur Finanzierung von Anschaffungen wirken sich in der Regel steuerlich günstig aus.
  2. Kennzahlen geben die Liquiditätssituation eines Unternehmens nur sehr verkürzt, wenn auch griffig, wieder. Sie sagen viel zu wenig über die Ursachen zu hoher, ausreichender oder zu niedriger Liquidität aus.
  3. Kennzahlen können nicht pauschal auf jede Branche angewandt werden. So verfügen Unternehmen der Textilbranche durchschnittlich über mehr Eigenkapital als in der Baubranche. Die Verbindlichkeiten im Verlagsgewerbe oder im Maschinenbau sind höher als im verarbeitenden Gewerbe. Auch die Größe des Unternehmens ist hierbei entscheidend. Grundsätzlich gilt: Je mehr Umsatz ein Unternehmen macht, desto mehr Eigenkapital hat es. Von einer Eigenkapitalquote von 50 Prozent können Mittelständler und kleine Unternehmen zumeist nur träumen. 15 bis 20 Prozent entsprechen schon eher der Realität.

Liquiditätsgefährdung

Trotz aller Vorsicht geraten viele Unternehmen in Schwierigkeiten, weil Unvorhergesehenes geschieht. Daher ist gute und richtige Planung besonders wichtig. Es gibt einige Situationen, die immer wieder für Liquiditätsausfälle sorgen.

Überraschende Ausgaben:

  • Schadensfälle, Betrug
  • Neuinvestitionen
  • unversicherte Risiken
  • unerwartete Forderungen
  • Privatentnahmen
  • schnelles Wachstum

Ausbleibende Einnahmen:

  • Zahlungsverzug
  • Forderungsausfälle

Kontakt

Kreditanstalt für Wiederaufbau


www.kfw.de