21.05.2015
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Warum heißt Ostern Ostern?

In den meisten europäischen Sprachen ist der Ursprung des Namens für das Osterfest eindeutig: Ob französisch paques, italienisch pasqua, schwedisch paskdagen oder Niederländisch pasen: Alle diese Bezeichnungen leiten sich vom jüdischen Pessach ab, dem Fest, an dessen Vorabend sich der Bibel nach die Kreuzigung Jesu ereignete. Woher aber kommt der Name Ostern?

Morgenröte und Wasserritual

Leeres Grab Christi
Auferstehung

Der Bibel nach entdeckten Frauen das leere Grab Christi am frühen Morgen, hier ein Gemälde von  Antonio Brilla (1889)

Im Deutschen und auch im Englischen ist die Herkunft des Wortes Ostern oder Easter keineswegs so eindeutig. Einige vermuten einen Zusammenhang zum Osten, der Himmelsrichtung des Sonnenaufgangs.  Die Bibel erzählt beispielsweise, dass das leere Grab Jesu "früh am Morgen, als eben die Sonne aufging" entdeckt wurde.  Deshalb wurde die Morgenröte im frühen Christentum zum Symbol der Auferstehung und des Neuanfangs. Viele neue Christen ließen sich „bei Sonnenaufgang“ am Ostermorgen – althochdeutsch zu den ostarun – taufen. Dieser Brauch hat sich bis heute erhalten: In der Osternacht und in den Gottesdiensten am Ostermorgen finden auch heute noch regelmäßig Taufen statt.

Andere, wie der Deutsche Sprachforscher Jürgen Udolph, verknüpfen den Namen eher mit dem nordgermanischen Begriff austr – begießen. Demnach war es auch in vorchristlicher Zeit in Nordeuropa üblich, die Neugeborenen mit Wasser zu beträufeln und so zu segnen. Im Christentum wurde die Bezeichnung dafür übernommen, weil die Taufe auch ein zentraler Teil vieler christlicher Osterfeiern war. Diese These ist allerdings umstritten, da die vorchristliche Taufe nur in Skandinavien verbreitet war und zudem im Althochdeutschen für die Taufe eher das Wort „toufan“ verwendet wurde.

Eine heidnische Frühlingsgöttin?

Morgenrot
Morgenrot

Kommt der Name von der Richtung des Sonnenaufgangs und der Morgenröte?

Einer anderen Theorie nach geht Ostern auf eine heidnische Frühlingsgöttin mit Namen Eostrae zurück, deren Entsprechungen im griechischen die Göttin Eos, im lateinischen „Aurora“ sein sollen. Beide gelten als Göttinnen der Morgenröte und des zunehmenden Lichts – für den Frühling mit seinen länger werdenden Tagen also durchaus passend.

Hauptquelle für diese Theorie ist der im 8. Jahrhundert lebende angelsächsische Kirchenvater Beda Venerabilis. Er berichtete davon, dass der althochdeutsche Name des Monats April „Eostur-Monat“ auf diese Göttin zurückgehe und erst später seinen Bezug zum christlichen Osterfest erhalten habe. Angesichts der Nähe des Osterdatums zur Frühlings-Tagundnachtgleiche erscheint ein heidnischer Ursprung des Festes nicht allzu weit hergeholt. Denn der Tag, von dem an die Tage länger werden als die Nächte und damit das Licht über die Dunkelheit siegt, war für die Kelten und Germanen ein wichtiges rituelles Datum im Jahreskreis.

Für einen solchen Ursprung spräche immerhin, dass viele der christlichen Feste und Bräuche heidnische Elemente aufnahmen und umwidmeten. Ob die in vielen Gegenden üblichen Osterfeuer und Osterräder heidnischen Ursprungs sind, ist allerdings unklar. Zumindest lässt sich das bisher nicht eindeutig belegen. Im christlichen Brauchtum symbolisiert das Feuer den auferstandenen Jesus Christus als "Licht der Welt". In der katholischen Kirche wird in der Osternacht meist die Osterkerze an einem kleinen Feuer  vor der Kirche entzündet. Dieses Licht wird dann an alle Besucher und ihre Kerzen weitergegeben. Ob dies eine Umwidmung keltisch-germanischer Frühlingsfeuer ist, bleibt offen - ebenso wie der Ursprung des Namens Ostern.

NPO