21.05.2015
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George Everest – Namenspate des höchsten Gipfels der Erde

Geboren am 4. Juli. Nein, es geht nicht um das gleichnamige Anti-Kriegsdrama mit Tom Cruise und auch nicht um den US-amerikanischen Unabhängigkeitstag. Der 4. Juli ist auch der Geburtstag von George Everest, dem Mann, nach dem der höchste Berg der Erde benannt ist. Und dass, obwohl der britische Vermessungsingenieur das Dach der Welt nie selbst erblickt hat.

Fotoportrait Sir George Everest
Sir George Everest ( 1790-1866)

Geboren ist George Everest im Jahr 1790 im walisischen Crickhowell, doch aufgewachsen ist er in einem geografisch bedeutenderen Ort. In Greenwich. Der Stadtteil im Südosten Londons liegt genau auf dem Nullmeridian. Von diesem Längengrad aus wird gen Ost und West gezählt. Er ist der Ursprung der geografischen Längenkoordinaten der Erde. Und von hier aus beginnt George Everest auch seine Reise, die ihn zu einem der größten Landvermesser seiner Zeit machen sollte.

Das große Ziel: Die Vermessung Indiens

Bereits im Alter von 16 Jahren zieht es Everest in die Ferne. Er segelt als Kadett der East India Company nach Indien. Dort lernt er die Techniken der Geodäsie, des Vermessungswesens. Bald schon wird er beauftragt, die Insel Java zu kartieren. Nach zwei Jahren schließt der ehrgeizige Everest dieses in seinen Augen viel zu kleine Projekt ab. 1818 warten größere Aufgaben auf ihn: Zwar zunächst nur als Assistent, aber immerhin ist er dabei, bei der “Großen Trigonometrischen Vermessung“ Indiens unter der Leitung von Oberst William Lambton. Nicht nur die flächendeckende Vermessung des Subkontinents, sondern auch die Erstellung eines Meridianbogens soll die große Mission umfassen. Sollte dies gelingen, würde die Wissenschaft der Kenntnis der genauen Erdkrümmung und des Erdradius einen deutlichen Schritt näher sein.

1819 wird Everest zu einer Expedition in den tropischen Osten Indiens entsandt, mit katastrophalen Konsequenzen: Die Malaria trifft die vermessende Mannschaft und viele der Männer sterben an den Folgen der Krankheit. Auch Everest ist infiziert. So muss er das Projekt der Vermessung Indiens zunächst verlassen und reist zur Genesung nach Kapstadt.

Theodolit, gezeichnet von Caroline Hassler, 1820:
Theodolit, gezeichnet von Caroline Hassler, 1820

Das Eiserne Raster

Vier Jahre später, nach dem Tod von William Lambton, kehrt Everest nach Indien zurück. Nun ist er selbst der Leiter der “Großen Trigonometrischen Vermessung“. Flächendeckend sollte die Vermessung Indiens ursprünglich sein. Ein Netz aus Dreiecken, die sich über den gesamten Subkontinent legen, das war Oberst Lambtons Ziel. Everest erkennt schnell, dass die enorme Fläche Indiens dies nur schwerlich zulässt. So stellt er das Messsystem um: Er beschränkt sich auf Dreiecksmessungen entlang der Längen und Breitengrade und erstellt das sogenannte eiserne Raster (iron grid). Bis heute dient dieses Raster in modernisierter Form als Grundlage des indischen Vermessungswesens.

 

Von Krankheit und Tatendrang

Immer wieder holt Everest das Fieber der Malaria ein. Als ihn sein gesundheitlicher Zustand 1825 zwingt, Indien abermals zu verlassen, weiß er die Zeit in England gut zu nutzen. Im Geiste stets bei der Vermessung Indiens, informiert er sich über aktuelle Entwicklungen in der Geodäsie und kehrt 1830 mit neuesten Instrumenten nach Indien zurück. Vom Gelehrten zum Lehrer aufgestiegen bringt er den Mitgliedern der Mission die moderne Kunst des Landvermessens bei. Unter ihnen auch Andrew Scott Waugh, der später noch eine wichtige Rolle in Everests Leben spielen sollte.

Zahlreiche Unwägbarkeiten gilt es für die Mission zu umschiffen. Doch Everests Ehrgeiz, Ausdauer und Ideenreichtum lassen die Vermessung des Subkontinents stetig fortschreiten. In dem flachen Gebiet des Ganges etwa bauen die Männer zahlreiche hölzerne Türme. 10 bis 20 Meter wuchten sie so praktisch jeden Vermessungspunkt in die Höhe. Auch der Nebel in der Region, der das Licht der Vermessungslampen schluckt, stellt ein Problem dar. Parabolische Spiegel, die die Leuchtkraft der Öllampen verstärken, sind hier die Lösung, die Everest ersinnt. Zu dieser Zeit lernt Everest Andrew Waugh mehr und mehr zu schätzen. Mit ihm gemeinsam arbeitet er weiter an der Erstellung des Meridianbogens. “The Great Arc“, unter diesem Namen wird der über 2.500 Kilometer lange Meridianbogen nach seiner Fertigstellung bekannt. Über 21 Breitengrade erstreckt er sich von der Südspitze Indiens, dem Kap Komorin, bis hin zu den Ausläufern des Himalaya. Eines der größten wissenschaftlichen Projekte seiner Zeit.

Ungewollter Namensgeber des Daches der Welt

Andrew Scott Waugh ist es, der die Mission übernimmt, als Everest Indien 1843 schließlich für immer verlässt. Waugh arbeitet sich bis hoch in den Himalaya fort und nähert sich dabei dem höchsten Gipfel. In einem Brief nach England schreibt er: “...Dieser Berg ist wahrscheinlich der höchste der Welt und trägt meines Wissens keinen einheimischen Namen...“ Und er schlägt vor, “...die Erinnerung an den glänzenden Meister der geografischen Forschung in ihm zu verewigen – Everest.“ George Everest selbst spricht sich dagegen aus: Einen einheimischen Namen und keinen britischen, den die Völker Indiens nicht aussprechen können, sollte der Gigant tragen. Doch Waughs Wunsch wird entsprochen und 1865 trägt die Royal Geographical Society den Namen in ihre Karten ein: Mount Everest.

KEL