26.05.2015
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wissen.de Artikel

Friseure in anderen Kulturen: Internationale Eigenheiten

Bei einem längeren Auslandsaufenthalt oder im Urlaub kann es sein, dass Reisende in dem betreffenden Land gerne ihre Frisur erneuern möchten. Schließlich kann ein Friseurbesuch unter Umständen auch erholsam sein. Um möglichen Überraschungen beim Friseur im Ausland vorzubeugen, sollten Reisende die kulturellen Eigenheiten der Friseure und Gegebenheiten in den Friseursalons in verschiedenen Nationen kennen.

Leerer Friseursalon
Bei einem längeren Auslandsaufenthalt lässt sich ein Friseurbesuch kaum umgehen.

Unterschiede bei Friseuren in anderen EU-Ländern

Nicht nur auf anderen Kontinenten stoßen Friseurbesucher auf Besonderheiten, in denen sich die Friseure in dem jeweiligen Reiseland von dem unterscheiden, was sie von deutschen Friseuren gewohnt sind. So dominieren in Frankreich einzelne, in einem familiären Stil geführte Friseursalons den Markt. Friseurketten sind dort eher selten. In diesen französischen Salons ist es üblich, einen Termin zu vereinbaren. Zudem nimmt sich ein dortiger Friseur – der „Coiffeur“ genannt wird – für das Haareschneiden genug Zeit. Österreichische Friseure bieten oft als Stylisten noch Nagelpflege- und Kosmetikleistungen an.

Welche Eigenheiten gelten in Friseursalons in islamischen Staaten?

Wer in einem muslimischen Land einen Friseur aufsucht, sollte sich vorher mit den hier geltenden kulturellen Regeln vertraut machen. Es zeugt von Respekt und vermeidet Fettnäpfchen, wenn sich Touristen in einem gewissen Maß an die Kultur des bereisten Landes anpassen.

Diese Dinge sollten Touristen vor dem Friseurbesuch in islamischen Ländern wissen:

  • Kleidungsvorschriften in islamischen Ländern: Männer sollten in einem muslimischen Umfeld außerhalb des Hotels oder Strandes in der Öffentlichkeit und somit auch beim Friseur stets lange Hosen und langärmlige Oberteile tragen. Bei Frauen sollte der Rock oder die Hose mindestens die Knie, das Oberteil die Schultern bedecken. Ein absolutes No-Go sind dort weite Ausschnitte.
  • Geschlechtsspezifische Besonderheiten beim Friseur: Musliminnen dürfen in streng konservativen islamischen Ländern nur in Begleitung ihres Ehemannes oder eines verwandten männlichen Begleiters öffentlich auftreten, nicht aber mit fremden Männern. Aus diesem Grund schneiden dort männliche Friseure nur Männern die Haare. Frauen erhalten ihre Haarschnitte von einer Geschlechtsgenossin. Eine weitere Eigenheit muslimischer Friseursalons ist es, laut einem Artikel über Friseure in anderen Kulturen, dass Friseurbehandlungen beim Mann häufig öffentlich erfolgen, während Kundinnen beim Friseur vor Blicken anderer geschützt werden.
  • Weitere kulturelle Eigenheiten: Je nachdem, wie konservativ das islamische Land ausgelegt ist, gibt es des Weiteren Unterschiede beim Leistungsumfang der Friseure. Während in der Türkei zusätzliche Behandlungen wie das Entfernen störender Härchen im Gesicht inklusive sind, dürfen etwa Friseure im Iran offiziell keine Augenbrauen zupfen. Wie auf Spiegel online zu erfahren ist, sind dort sogar bestimmte Frisuren wie Gelfrisuren, moderne Undercuts und lange Haare bei Männern verboten.

Kulturelle Kuriosität: Friseur verkauft in Südamerika Haare

Vor allem in reichen Industrienationen wie den USA und Großbritannien, aber auch innerhalb Südamerikas liegen Perücken mit Echthaar im Trend. Besonders reißenden Absatz finden solche Perücken im Vereinigten Königreich, wo jährlich umgerechnet bis zu 70 Millionen Euro Umsatz mit Echthaarperücken erzielt wird. In den USA betrug der Umsatz aus den Perückenverkäufen 2011 1,3 Millionen Dollar. Die hierfür verwendeten Haare werden oft aus Südamerika importiert. Friseure kaufen dort das Kopfhaar oft gezielt von ihren Kunden an.

In einigen südamerikanischen Ländern wie zum Beispiel Venezuela, Kolumbien, Brasilien und Argentinien hat das Geschäft mit dem Frauenhaar in den letzten drei Jahren jedoch teils erschreckende Ausmaße angenommen. Dort führte gemäß dem Spiegel-Online-Artikel „Mafia in Südamerika: Die Gier nach Frauenhaar“ die stetig steigende Nachfrage in Kombination mit der wirtschaftlichen Lage dazu, dass mittlerweile Frauen auf offener Straße überfallen werden und die betreffenden Kriminellen ihnen brutal die Haare abschneiden. Denn auf dem Schwarzmarkt erzielen Kriminelle dort bis zu tausend Euro, also ein Vielfaches dessen, was das Kopfhaar in diesen südamerikanischen Ländern auf dem legalen Markt einbringt.

Friseure in Asien und Afrika

Allgemein bestehen im Friseurbetrieb einige wesentliche Unterschiede zwischen Friseuren in den Industrienationen und solchen in Entwicklungsländern. Auch aus Kostengründen fällt in ärmeren Ländern die Ausstattung von Friseursalons oft deutlich spartanischer aus. Neben den logistischen gibt es aber auch kulturelle Unterschiede. So wird das Frisieren von Haaren in vielen asiatischen Ländern wie China, Indien und Kambodscha oftmals nicht räumlich von anderen Tätigkeiten getrennt, in manchen Fällen sogar mitten auf der Straße durchgeführt. Nur in Thailand verrichten Friseure ihre Arbeit häufiger in separaten Räumen. Dies fand die Deutsche Gesellschaft für Soziologie in ihren Studien heraus. Auf die Hygiene achten die Friseure nach deren Informationen in allen Ländern, und auch die Frisiertechniken sind in Asien ähnlich wie hier in Europa.

Straßenfriseur in Asien
In vielen asiatischen Ländern arbeiten die Friseure in manchen Fällen sogar mitten auf der Straße.

In China ist es üblich, ohne Termin zum Friseur zu gehen. Allerdings müssen Friseurkunden hier oft längere Wartezeiten in Kauf nehmen. Wie eine in Shanghai lebende Bloggerin berichtet, werden Friseurkunden dort nicht selten im Verlauf der Behandlung von anderen beobachtet. Die Qualität variiert ihren Erfahrungen zufolge offenbar nach dem Preis. Friseure nehmen sich in China jedoch meistens ausreichend Zeit, bis ein optimales Ergebnis erreicht ist. Manchmal kommt es allerdings zu Überraschungen. Dies hat auch eine andere Bloggerin erfahren, der ein chinesischer Friseur eine unerwünschte Haarfarbe aufzwang.

Auch in Afrika nehmen sich Friseure viel Zeit für ihre Arbeit. Für eine traditionelle afrikanische Frisur mit geflochtenen Zöpfen, die sehr zeitaufwändig ist, sollten Friseurbesucher einen ganzen Tag einplanen. Zudem ist es üblich, dass mehrere Personen gleichzeitig diese Haarflechtarbeit verrichten. In Uganda ist es Mode, anstatt dem Verflechten der echten Haare Kunsthaare zu verwenden, welche am Haaransatz befestigt werden. Ugandische Frauen tragen diese Frisur maximal drei Wochen. Da in der Zwischenzeit diese künstlichen Haare weder gekämmt noch gewaschen werden, ist spätestens nach diesem Zeitraum eine Erneuerung nötig.