26.08.2016
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Cleverer als der Zoo erlaubt: Erdmännchen tricksen Tierpfleger aus

Überraschung im Zoo: Die Erdmännchen im Burgers' Zoo im niederländischen Arnheim haben es gut: Sie können sich über ein ganzes künstliches Trockenbiotop ausbreiten. Aber das reicht den cleveren Tieren offenbar nicht: Heimlich haben sich die Zoo-Erdmännchen ein riesiges Höhlensystem gegraben – und so auch ganz andere Teile des Zoos unterwandert.

Erdmännchen-Tupp
Erdmännchen sind hochsozial – und begeisterte Buddler.
Die in Südafrikas Trockengebieten heimischen Erdmännchen sind hochsozial: Sie leben in Kolonien von oft bis zu 30 Mitgliedern zusammen und graben gemeinsam große Höhlensysteme. Diese haben mehrere Ein- und Ausgänge und viele Kammern mit jeweils eigener Funktion – sie dienen beispielsweise als Futterlager oder Toilette.

Hochsozial und ziemlich schlau

In ihrer Kolonie teilen sich die kleinen Säuger die anfallenden Arbeiten: Einige Tiere suchen nach Futter, andere graben oder übernehmen den Wachdienst. Die Wächter halten, auf den Hinterbeinen aufgerichtet, nach Gefahren Ausschau. Nähert sich eine Bedrohung, warnen sie ihre Artgenossen durch schrille Pfiffe. Dabei erkennen sich die Erdmännchen sogar untereinander an der Stimme.

Geht es dagegen darum, auf der Suche nach Futter durch die Lande zu ziehen, dann herrscht im Erdmännchen-Trupp eine klare Hierarchie: Das ranghöchste Weibchen geht voran – meistens jedenfalls. Denn gilt es beispielsweise, eine befahrene Straße zu überqueren, dann lässt sie lieber doch die anderen vor.

Leben in der Zoo-"Wüste"

Der Burgers' Zoo in Arnheim ist dafür bekannt, Tieren eine besonders naturnahe Umgebung zu bieten. Statt in kleinen Käfigen und Gehegen zu sitzen, leben in die Tiere dort in sieben großen Biotopen zusammen, darunter Regenwald, Mangroven, Polareis, Wüste oder Ozean. Wie in der Natur auch teilen sich dabei immer mehrere Tierarten diesen Lebensraum.

Die Erdmännchen wohnen im großen Wüstenbiotop des Zoos und können darin nach Herzenslust Höhlen bauen – eigentlich. Damit die cleveren Tiere nicht ausbüxen, wurde unterhalb der obersten Erdschicht extra ein Gazegewebe verlegt. Dieses Netz ist zwar für Wasser und Luft durchlässig, soll die Erdmännchen aber davon abhalten, tiefer zu graben.

Erdmännchen im Zoo von Arnheim
Die Erdmännchen machen den Tierpflegern richtig Arbeit.
Einfach weitergebuddelt

Doch wie sich jetzt zeigt, hat das Netz die Erdmännchen nicht abgehalten. Offenbar haben sie schon vor einiger Zeit eine Schwachstelle in dieser Barriere entdeckt und sie prompt ausgenutzt. Die talentierten Gräber rissen sich dort ein Loch ins Netz und gruben einfach weiter – und immer weiter. Erst als Erdmännchen plötzlich ganz woanders auftauchten, wurden die Tierpfleger stutzig.

Es stellte sich heraus: Die Erdmännchen hatten ihr Höhlensystem längst weit über ihre Wüste hinaus ausgedehnt und haben auch andere Teile des Arnheimer Tierparks untergraben. "Wir waren beinahe sprachlos, als wir das System aus unterirdischen Gängen entdeckt haben", berichtet Zoodirektor Alex van Hooff. "Die Gänge verlaufen nicht nur unterhalb des Erdmännchen-Geheges sondern auch unterhalb anderer Teile des Zoos."

Jetzt gibt es eine Gehegekontrolle

Für die Tierpfleger galt es nun, die listigen Buddler wieder unter Kontrolle zu bringen. Dafür versperrten sie zuerst das Loch in der Netzbarriere, damit die Tiere im Gehege bleiben. Auch einige der Gänge nach außen wurden mit Barrieren versehen. "Jetzt befinden sich wieder alle Erdmännchen dort, wo sie hingehören und wir haben die betreffenden Gänge vorübergehend versperrt. So können sie nur noch innerhalb ihres Geheges graben", berichtet van Hooff.

In diesem Herbst dann kommt das gesamte Höhlensystem dran: Alle Gänge sollen dann systematisch wieder mit Erde gefüllt werden. Nach der Hauptsaison des Burgers‘ Zoo werden die Tierpfleger dann die Tätigkeit der Erdmännchen genauer unter die Lupe nehmen. Dann wollen sie den gesamten Untergrund des Geheges systematisch durchsuchen und wieder auf den alten Stand bringen. Und wer weiß: Vielleicht warten dort weitere Überraschungen…

NPO, 26.08.2016