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Rätsel des Alltags

Döner - ein türkisches Nationalgericht?

Dr. Alexander Stahr
Türkisches Nationalgericht?

 In Berlin kommen auf eine verkaufte Currywurst rund 100 Döner. Dort gibt es etwa 1.300 Döner-Läden und damit mehr als in Istanbul.


In Deutschland gibt es viele Arten von Fastfood: Hamburger, Bratwurst, Pizza, Hähnchenstücke oder Döner Kebab. Doch der Döner ist der absolute Renner. Vor allem junge Leute lieben die türkische Brottasche mit Fleisch, Salat und Sauce. Doch ist sie ein typisches türkisches Nationalgericht?

Fastfood Nummer eins

Immer mehr Döner-Stände sprießen aus dem Boden. In Deutschland gehen jedes Jahr etwa 100.000 Tonnen gewürztes Fleisch oder zwei Millionen Portionen täglich über die Theken. Damit ist Döner Kebab ist das Fastfood Nummer eins in Deutschland. In Berlin, der Döner-Hauptstadt, kommen auf eine verkaufte Currywurst rund 100 Döner. Dort gibt es inzwischen etwa 1.300 Döner-Läden und damit weit mehr als beispielsweise im türkischen Istanbul.

Die Döner-Story

Über die Herkunft des Döner gibt es viele Geschichten und Berichte. Immer wieder findet sich in Zeitungen und Magazinen die Geschichte, dass im Jahr 1971 ein gewisser Mehmet Aygün den Döner am Cottbusser Damm in Berlin-Kreuzberg erfunden habe. Der damals 16-jährige sei gerade aus der Türkei nach Deutschland gekommen und habe im Restaurant seines Onkels gearbeitet.

Drehende Spieße

Aber schon aus dem 18. Jahrhundert liegen Reiseberichte aus Kleinasien vor, die von saftigem Hammelfleisch auf sich senkrecht drehenden Spießen berichten. Denn das Wort „kebap“ ist ein Überbegriff für alles Gebratene. Und „dönmek“, wovon Döner kommt, heisst „sich verwandeln“ oder ganz einfach „sich drehen“. Döner Kebab heißt übersetzt also so viel wie sich drehender Braten.

Kein Nationalgericht

Und sich drehende Braten gab es offenbar schon in früheren Jahrhunderten in Kleinasien, das in etwa dem Gebiet der heutigen Türkei entsprach. Dort wird er allerdings nicht in faden Weißbroten serviert, sondern kommt mit Reis und einer scharfen Sauce auf den Teller. Der Döner gehört aber nicht unbedingt zur traditionellen türkischen Küche. Döner Kebab ist daher auch nicht das Nationalgericht der Türken, wie viele Leute bei uns glauben. Ein verwandtes Gericht ist übrigens das griechische Gyros, das ebenfalls am Drehspieß gebraten wird.

Erst in Berlin wurde der Döner zu dem Gericht, wie wir es heute kennen. Dem jungen Mehmet verdanken wir das heutige Döner-Outfit: Kebabstücke in einer Fladenbrottasche mit Salat und einer Soße aus Joghurt, Knoblauch und Gewürzen. Heute hat fast jeder Döner-Laden sein eigenes Rezept für die Soße.

Dr. Alexander Stahr
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